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Ingrid Klimke- ein Rückblick auf die vergangenen erfolgreichen Wochen

Ingrid Klimke konnte in den letzten Wochen nahezu alle wichtigen Prüfungen gewinnen, die in der Vielseitigkeit noch stattfanden- bis auf die CCI5* Prüfung in Pau, bei der sie nicht am Start war.

In Luhmühlen wurde sie Anfang Oktober Deutsche Meisterin im Sattel von SAP Asha P. Es folgte der Titel bei den Weltmeisterschaften der 6-jährigen Vielseitigkeitspferde im französischen Le Lion d’Angers mit Cascamara. Und zum krönenden Abschluss der eigentlich olympischen Saison konnte sie am vergangenen Wochenende unweit von Rom in Pratoni del Vivaro gleich drei internationale Prüfungen gewinnen- die beiden 4* Starts münzte sie in einen Sieg um, und auch den Sieg der CCI2*-L brachte sie heim. SAP Asha P konnte die lange 4* Prüfung gewinnen, SAP Hale Bob OLD die kurze 4* Prüfung. Und ihre 6-jährige Nachwuchsstute, die Halbschwester von Asha, Van Hera P, konnte die lange 2* Prüfung für sich entscheiden. Wir konnten Ingrid nach diesen herausragenden Erfolgen ein paar Fragen stellen.

Ingrid Klimke und Carmen Thiemann/ Deutsche Meisterschaften Vielseitigkeit 2020 Luhmühlen ©Lutz KAISER – AGENTUR datenreiter

Ingrid, herzlichen Glückwunsch! Nach dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften ist der Titelgewinn in Frankreich nun ein nächster großer Erfolg zum Ende der diesjährigen Saison. Kann man die beiden Siege miteinander vergleichen?

„Danke, das waren wirklich tolle Turnierwochenenden für mein Team und mich! Nein, die Siege kann man nicht miteinander vergleichen. Es sind einfach ganz unterschiedliche Prüfungen und Pferde. In Luhmühlen war es ganz besonders, den Sieg mit Greta gemeinsam feiern zu können- da schlägt das Mutterherz und die Freude über die eigenen Ritte ganz besonders. In Frankreich konnten wir nicht damit rechnen, dass Cascamara als 6-jährige hier auf Anhieb Weltmeisterin wird. Ich habe die Saison erst Ende Juli mit ihr begonnen und ich habe mich total gefreut, dass sie hier alles zeigen konnte, was ich mir erhofft habe. Mit ihrer ganzen Qualität und Klasse konnte sie den knapp 9 Minuten Kurs super bewältigen, bei so einem Kurs lernt man seine Pferde dann das erste Mal richtig kennen und einzuschätzen.“

 

Mit einem so jungen Pferd zum ersten Championat zu fahren ist ja immer etwas Besonderes. Wie hast du Cascamara darauf vorbereitet?

„Wir haben regelmäßig die Dressuraufgaben geübt. Dank SAP habe ich zuhause auch ein Dressurviereck, was wir im Training aufgebaut haben, um möglichst turnierähnliche Bedingungen zu schaffen. Auch beim Springen habe ich neben dem Heimtraining eigentlich alle Chancen genutzt, um sie auch auf anderen Plätzen wie bei Kurt Gravemeier und bei Marcus Döring in Warendorf Parcours zu springen. Sie ist im Vorhinein auch einige Prüfungen gegangen. Die letzte CCI2*-S Prüfung in Wesel konnte sie gewinnen, da wusste ich schon, dass sie bis dahin gut vorbereitet ist und ich in allen drei Disziplinen eine gute Leistung abrufen kann. Mir war es besonders wichtig, sie konditionell fit zu haben. Deshalb bin ich regelmäßig alle fünf Tage in Altenberge oder in Riesenbeck zum Galopptraining gewesen. Wenn die Pferde das erste Mal über so einen langen Kurs gehen, weiß man immer nicht, wie gut gerade die jungen Pferde die Belastung so wegstecken. Deswegen wollte ich lieber den Tank richtig voll haben. Das hat sich dann auch so ergeben, sie galoppierte immer locker und gleichmäßig, sodass ich an den Minutenpunkten immer gut in der Zeit war. Einmal waren wir sogar etwas schnell, sodass ich da sogar etwas Tempo rausgenommen habe.“

 

Für einen Züchter geht mit solch einem Sieg ja immer ein Traum in Erfüllung. Die Zucht von Helmut Bergendahl ist auf Vielseitigkeitspferde spezialisiert und ausgerichtet. Wie bist du auf Cascamara aufmerksam geworden?

„Mit Helmut Bergendahl bin ich schon länger in Kontakt und wollte auch schon eine Weile immer gerne ein Pferd aus seiner Zucht haben. Er ist einer der wenigen Züchter, die noch speziell für die Vielseitigkeit Pferde züchten. Oftmals paart er die interessante Mischung einer blutgeprägten Mutterstute mit Hengsten für den Springsport an, wie ja auch bei Cascamara, die aus einer blutgeprägten Mutter von Cascadello II abstammt und für den modernen Vielseitigkeitssport alles mitbringt. Ich habe sie zum ersten Mal in Münster in einer Geländepferdeprüfung der Klasse A gesehen, die sie mit 9,0 gewonnen hat. Zuvor fiel sie mir auch schon in Olfen auf, ich mochte sie auf Anhieb leiden. Sie ist so ein geschlossenes Pferd. Mit einem Augenzwinkern sprach ich Arne Bergendahl, der sie in den Prüfungen vorstellte, an, dass das doch ein tolles Damenreitpferdchen sei und ob ich sie nicht kaufen könnte. So kamen wir dann ins Gespräch. Ich hatte dann noch das riesen Glück, dass das Ehepaar Lauber, die schon Mitbesitzer bei Asha sind, auch Spaß an einem jungen Nachwuchspferd haben. Wir konnten sie dann gemeinsam kaufen, heute sind sie die größten Fans von Cascamara. Ich stehe mit Helmut weiterhin in gutem Kontakt, er hat mir sehr sehr nette Glückwünsche geschickt. Die ganze Familie fiebert mit Cascamara mit, ich glaube wir haben so alle gemeinsam sehr viel Freude an ihr.“

 

Wie geht es nun für Cascamara weiter?

„Sie hat jetzt erst einmal eine Pause. Mindestens 6 Wochen kann sie solange sie möchte auf die Weide. Ansonsten stehen ausreiten, locker ums Feld traben, longieren, aber auch mal mit Pad und Halsring reiten- einfach mal etwas anderes machen. Ich möchte sie locker und geschmeidig halten, sie ein bisschen mit Cavalettis arbeiten. Aber richtig springen soll sie die 6 Wochen nicht, damit sie Zeit hat, das alles richtig zu verarbeiten. Sie ist ja jetzt 6, und hat dann auch einfach nochmal Zeit um ein wenig auszulegen. Nach 6 Wochen beginnen wir dann mit der Dressurarbeit, um dann nächstes Jahr in den 3* Bereich reinwachsen zu können. Z.B. steht der fliegende Wechsel auf dem Plan- aber nicht vor Anfang Dezember! Die Auszeit bekommt sie und kann einfach nur Pferd sein. Carmen freut sich auch schon darauf, mit ihr auszureiten.“

 

Ein weiteres krönendes Wochenende in Pratoni del Vivaro dieser verrückten Saison ging nur für dich mit drei internationalen Siegen zu Ende. Was bedeuten dir diese Ritte zum Saisonende für die Pferde Asha, Bobby und Van Hera mit Blick auf die nächste Saison?

„Nachdem Bobby schon in Strzegom die CCI4*-S Prüfung gewonnen hat, freut es mich sehr, dass er hier in Rom mit einer super Dressur, einem fehlerfreien Springen und einer souveränen Geländerunde mit seinen 16 Jahren gezeigt hat und dass er mit solch einem Saisonabschluss nun in die Winterpause geht. Er war unheimlich kernig und knackig- ganz so wie ich ihn kenne, das hat mich wirklich sehr gefreut!

Asha ist schon das zweite Jahr im 4* Bereich erfolgreich und hatte ja bereits die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokyo. Nun hat sie ihre zweite lange 4* Prüfung gleich gewonnen, auch mit einer fehlerfreien Runde im Springen. Die Dressur war schön und auch im Gelände fühlte sie sich sicher, souverän und mutig an. Auch Asha hat so wiedermal gezeigt, dass sie auch in den langen Prüfungen das Stehvermögen hat. Sie ist mit ihren 9 Jahren eines der qualitätsvollsten Pferde, das ich je gehabt habe.

Van Hera P war schon für die Weltmeisterschaften der 6-jährigen Pferde qualifiziert und nominiert. Doch können wir dort nur ein Pferd an den Start bringen, sodass ich mich zwischen ihr und Cascamara entscheiden musste. So ist das natürlich toll, dass auch Van Hera jetzt noch zeigen konnte, dass sie auch eine lange 2* Prüfung gewinnen kann. Besonders im Gelände gab sie mir ein tolles Gefühl, sie war unerschrocken und mutig, immer auf gerader Linie und war konditionell auch in dem hügeligen Gelände sehr überzeugend.“

 

Asha wird Deutsche Meisterin und ist nun 4* lang siegreich, Cascamara wurde 6-jährige Weltmeisterin und Hale Bob konnte dieses Wochenende auch noch einmal einen Sieg heimbringen. Mit welchen Gedanken blickst du auf die nun vergangene Saison und auf deine Nachwuchspferde und wen siehst du als dein zukünftiges Championatspferd an?

„Mit meinen beiden 6-jährigen Pferden, die im nächsten Jahr 7 sind und Asha und auch Equistros Siena just do it, die hinterherkommt, hat Bobby genügend Nachwuchs, die in seine Fußstapfen treten wollen. Aber noch ist Bobby derjenige, der die Truppe, seine ganze Stutenriege, anführt.“

 

Was steht für deine Pferde nun in den nächsten Wochen an, wie trainierst du sie ab?

„Für alle Pferde steht jetzt die verdiente Winterpause an. Die nächsten 4-6 Wochen werden alle erst einmal in Ruhe abtrainiert. Die Pferde dürfen viel entspannen, so wie es auch schon Cascamara seit Le Lion schon genießt. Die vier Pferde, die jetzt mit in Italien waren, werden aber erst Anfang des nächsten Jahres wieder in das intensivere Dressur- und Springtraining einsteigen, sodass sie wirklich gute 6 Wochen Winterpause haben. Ich habe noch nie am 8. November eine Prüfung geritten, das war auch für mich eine Premiere.“

 

Vielen lieben Dank für das nette Interview, Ingrid!

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