Am vergangenen Freitag bekam Antonia Baumgart, Mitglied der Perspektivgruppe Vielseitigkeit, im Rahmen der Bundeschampionate ihr Goldenes Reitabzeichen verliehen. Die 26-jährige Sportsoldatin erhielt diese hohe Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für herausragende sportliche Erfolge in der Vielseitigkeit.
Antonia Baumgart stammt aus einer pferdebegeisterten Familie aus Düsseldorf, Vater Dietrich Baumgart ritt erfolgreich Dressur und Vielseitigkeit bis in die schwere Klasse und Mutter Andrea ist sogar selbst Trägerin des Goldenen Reitabzeichens, erworben durch Erfolge in der Dressur. ,,Toni“ zeigte schon früh ihre Begeisterung für die Pferde und begann sich mit den Ponys Wanda und Turn up Trumps, genannt Cosmo, auf den Turnieren im Rheinland einen Namen zu machen. 2011 und 2012 ging es dann bei der Goldenen Schärpe der Ponyreiter in Olfen und Lauterbach erstmalig überregional an den Start. 2013 folgte dann der Start beim Nachwuchschampionat in Warendorf bei den Ponys sowie der erste internationale Start in Hünxe. In Velen gab die damals 13-jährige auch ihr Debüt bei den Deutschen Meisterschaften der Ponyreiter, wo sie auch in den folgenden Jahren teilnahm und mehrere Platzierungen holte. Parallel baute sie sich auch schon während der Ponyzeit die damals noch junge in der Schweiz gezogene Stute Rapunzel vom Quellhof auf, mit der ihr der Sprung in den Juniorenbereich gelang.
Sie schaffte den nahtlosen Umstieg aufs Großpferd und ritt in ihrem ersten reinen Juniorenjahr auch direkt bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren in Luhmühlen mit und konnte nur rund einen Monat später die Einzelwertung des Bundeswettkampfes Vielseitigkeit in Bad Harzburg gewinnen und Bronze mit dem Team holen. In der Zeit zogen auch schon die vielversprechenden Nachwuchspferde Lamango und Little Rose, beide abstammend von La Calido, aus der Zucht von Helmut Bergendahl in den Stall von Antonia ein. Mit der schicken Schimmelstute Little Rose passte es auf Anhieb und die beiden wurden 2016, als Toni gerade einmal 16 Jahre jung war Fünfte beim Bundeschampionat der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde in Warendorf. Schon im nächsten Jahr wurden beide für den ersten Championatsauftritt für Deutschland nominiert und reisten nach Irland, um in Millstreet an der Junioren EM teilzunehmen. Mit großem Erfolg: Antonia pilotierte die gerade einmal siebenjährige Little Rose zum vierten Platz in der Einzelwertung und Teamgold mit der deutschen Equipe. 2018 und 2019 reiste sie dann jeweils für mehrwöchige Trainings- und Turnieraufenthalte nach England zu Chris Bartle, wo sie sogar bei den stark besetzten britischen Prüfungen einen Sieg und mehrere Platzierungen holen konnte. 2018 gelang ihr ebenfalls der Sprung in den Junge Reiter Bereich, wo sie nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen im Sattel von Lamango für die U21 EM in Fontainebleau nominiert wurde. Nur zwei Jahre später schaffte Antonia im Sattel von Lamango auch schon den Sprung auf 4*-Niveau, wo sie beim Debüt in Renswoude sogleich in die Platzierung reiten konnte. Eine kleine Anekdote am Rande: Lamango, der auf den Stallnamen Lollo hört, hatte Vater Dietrich ursprünglich für sich selbst gekauft und anfangs auch in Geländepferdeprüfungen vorgestellt. Schnell wurde allerdings klar, dass Antonia und Lamango ein echtes Match waren, sodass Papa Diddi die Zügel an seine Tochter übergab.
Zum Jahreswechsel 2021/2022 zog es die damals 22-jährige dann dauerhaft ans DOKR nach Warendorf, um sich dort reiterlich weiterzuentwickeln und die besten Trainingsmöglichkeiten vor Ort nutzen zu können. Zu diesem Zeitpunkt schaffte sie auch bereits erstmalig mit Lamango den Schritt in den Bundeskader der Senioren. Parallel verfolgte Antonia jedoch auch noch eine akademische Laufbahn und widmete sich in der wenigen freien Zeit ihrem Studium der Agrarwissenschaften. Zu der Zeit trat mit Ris de Talm noch ein weiteres Pferd in ihr Leben, der Antonias sportliche Weiterentwicklung prägen sollte: Der großrahmige Braune mit dem Stallnamen ,,Chicko“ kam als sechsjähriges Pferd aus dem Stall von Elmar Lesch zu Antonia und entwickelte sich bereits in den ersten beiden Jahren so gut, dass sie 2022 bei der WM der Jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion D’Angers an den Start gehen durften, wo die beiden einen starken neunten Platz belegten. Auch der Sprung auf 4*-S bzw. 4*-L Niveau stellte für die beiden keine große Herausforderung dar, sodass sie 2025 sogar eine Startgenehmigung für den CHIO in Aachen erhielten, wo sie mit einer fehlerfreien Geländerunde in einem Weltklassestarterfeld Platz 31 belegten. In der Saison 2026 schafften es die beiden sich aufgrund starker sportlicher Leistungen für den erfolgsorientierten Perspektivkader zu empfehlen und nahmen sogar an den Sichtungsprüfungen für die WM in Aachen teil, wo sie durch konstante Leistungen als zweite Reserve hinter Arne Bergendahl nominiert wurden.
Mit Blaya D’Ha Z und Kelly Rose hat Antonia noch weitere Buschpferde im Stall stehen, die mittlerweile international erfolgreich unterwegs sind und bereits für die ganz großen Aufgaben in den Startlöchern stehen. Unterstützt wird Antonia maßgeblich von ihren Eltern, die ihr nicht nur als Pferdebesitzer den Rücken freihalten, sondern sie auch häufig auf den Turnieren in ganz Europa mit Rat und Tat unterstützen. Sportlich hat Julia Krajewski als Trainerin die Entwicklung von Antonia über viele Jahre hinweg begleitet, so reiste Antonia beispielsweise sogar im vergangenen Jahr für einige Wochen mit ihren Pferden nach Italien, um dort über mehrere Monate in Julias Winterquartier mit ihr zu trainieren. Die Olympiasiegerin war es auch, die bei der Vergabe des Goldenen Reitabzeichens in Warendorf eine emotionale Laudatio hielt und Antonias sportliche und menschliche Entwicklung treffend für die Anwesenden zusammenfasste.
Wir gratulieren Antonia ganz herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung und wünschen ihr für die weitere sportliche Entwicklung alles erdenklich Gute!
Vielen Dank für die Fotos der Verleihung an Jan Frohne!

