Die Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort in Badminton hatten an diesem Finalsonntag das große Glück Zeugen eines Erfolges zu werden, der in der 77-jährigen Geschichte der Badminton Horse Trials bisher noch niemandem gelungen war: Rosalind Canter und ihr Lordships Graffalo konnten als erstes Reiter-Pferd-Paar gleich dreimal die Prüfung in Badminton für sich entscheiden (2023, 2025 & 2026). Der einzige deutsche Starter Arne Bergendahl kam nach einem nicht zu 100% nach Plan verlaufenen Gelände am Samstag, mit einer von nur zwei Nullrunden im Parcours zu einem versöhnlichen Ende und konnte die 5*-Prüfung in Badminton auf Platz 35 beenden.
„Es ist schwer, in Worte zu fassen, wie ich mich gerade fühle, aber wenn ich es realisiere, wird es unglaublich sein“, sagte Ros Canter nach ihrem historischen Sieg. „An all die jungen Menschen da draußen: Man kann wirklich lernen, unter Druck gut zu sein. Wenn du einen Traum hast, ist er erreichbar,“ fasste die frisch gebackene Dreifach-Badminton Siegerin ihr Mindset zusammen, welches ihr zu dem Sieg verhalf. Die Mannschafts-Olympiasiegerin und Einzelweltmeisterin von 2018 versucht sich bei solch großen Turnieren in erster Linie auf sich selbst und auf ihr Pferd zu konzentrieren und bleibt in dieser Zeit beispielsweise auch fern von Social Media um sich voll und ganz auf ihre sportliche Leistung zu konzentrieren. In diesem Jahr war die Herausforderung den Fokus zu halten jedoch noch einmal eine andere, da Ros erst Ende Januar ihr zweites Kind, Seneh, auf die Welt brachte und zwischen den Prüfungen und allen weiteren Verpflichtungen auf einem solch großen Turnier noch stillen und sich um ihr Baby kümmern musste. Die ganze Familie Canter zieht an einem Strang, damit die sportliche Leistung von Ros und ihrem ,,Walter“ an diesem Wochenende abgerufen werden konnte. Die beiden siegten mit über zwei Springfehlern Vorsprung und fügten ihrem Dressurergebnis von -23,7 Punkten lediglich zwei Zeitstrafpunkte für fünf Sekunden Zeitüberschreitung hinzu. Damit konnten sie neben dem historischen Dreifachsieg auch stolze 125.000 britische Pfund Preisgeld mit nach Hause nehmen.
Platz 2 sicherte sich der Neuseeländer Tim Price mit dem zwar bereits 17-jährigen, aber keinesfalls zum alten Eisen gehörenden Hannoveraner Falco (Züchter: Norbert Nowak). Nach dem Gelände hatte das Duo noch auf Platz 5 gelegen, konnte jedoch durch eine von nur zwei Nullrunden im abschließenden Parcours noch einige Plätze gutmachen. Price hatte in den letzten Wochen gesundheitlich zu kämpfen, nachdem er beim Vielseitigkeitsturnier in Oudkarspel mit dem Fahrrad gestürzt war und sich seine Schulter brach. Dank bester medizinischer Versorgung war es ihm jedoch möglich sowohl bei der 5*-Prüfung in Kentucky, als auch in Badminton an den Start zu gehen.
Die zweite Nullrunde innerhalb der erlaubten Zeit im Springen zeigte Arne Bergendahl mit seiner Luthien NRW, die am Finaltag, anders als einige andere Pferde ganz und gar nicht müde oder geschafft vom Vortag schien und in gewohnt flotter Manier den anspruchsvollen Parcours sprang. Hier machte sich bemerkbar, dass die beiden in den vergangenen Jahren bereits bis zur Klasse S auch in reinen Springprüfungen erfolgreich unterwegs waren. Mit diesem Ergebnis konnten die beiden nach dem unglücklichen Sturz im vergangenen Jahr endlich auch die 5*-Prüfung in Badminton beenden. Ihr Endergebnis betrug -85,0 Punkte und sie belegten Platz 35.
Insgesamt beendeten 40 der ursprünglich angetretenen 61 Starterpaare die Prüfung in diesem Jahr. Zwei Pferde wurden nach dem Gelände nicht mehr zur Verfassungsprüfung vorgestellt, Tom Rowland zog Dreamliner nach der Holding Box zurück und Sarah Ennis‘ Grantstown Jackson sowie Alex Hua Tians Chicko wurden in der finalen Verfassungsprüfung von der Jury nicht zum Springen zugelassen.
Vielen Dank an Tim Wilkinson (Eventing Images) für die schönen Fotos von Arne und Luthien aus Badminton!

