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Letzte WM-Sichtung Avenches (SUI) CCIO4*-NC-S: Doppelerfolg für Christoph Wahler – Deutsches Team auf Platz 2

Mit großer Spannung wurde das Nationenpreisturnier im schweizerischen Avenches erwartet, denn hier ging fast die gesamte deutsche Longlist für die WM in Aachen noch einmal an den Start, um sich bei der letzten finalen WM Sichtung für einen der begehrten fünf Plätze zu empfehlen. Besonders gut gelang dies Christoph Wahler, der mit seinem Kaderpferd D’Accord FRH einen starken Auftritt hinlegte und sich nach einer besonders flotten Geländerunde den Sieg sicherte. Mit seinem zweiten Pferd Gainsbourg de Bedon wurde es außerdem Platz 3 in der Einzelwertung. Das deutsche Team, bestehend aus Sieger Christoph Wahler, Arne Bergendahl, Libussa Lübbeke und Antonia Baumgart wurde außerdem Zweiter im Nationenpreis hinter den Gastgebern aus der Schweiz.

CCIO4*-NC-S: Christoph Wahler auf den Plätzen 1 und 3

Einen starken Auftritt zeigte Christoph Wahler vom Klosterhof Medingen mit seinem 14-jährigen Diarado-Nachkommen D’Accord FRH (Züchterin: Christa von Paepcke; Besitzer: Hendrik von Paepcke & Stefan Haupt) im gesamten Turnierverlauf. Zunächst starteten die Bronzemedaillengewinner der diesjährigen Deutschen Meisterschaften mit -25,1 Punkten und damit mit einer neuen persönlichen Bestleistung in das Turnier. Im anspruchsvollen und vor allem eher kringeligen Geländekurs auf der Rennbahn in Avenches zeigten die beiden die zweitschnellste Runde des Tages mit nur drei Sekunden Zeitüberschreitung. Der Kurs wies mit einer Bestzeit von sechs Minuten gerade einmal die Minimallänge einer 4*-Geländeprüfung auf, hatte jedoch auf der anderen Seite auf dieser Strecke relativ viele ,,Efforts“, also Sprünge, die es zu überwinden galt, was natürlich zusätzlich dazu führte, dass die Bestzeit schwer zu erreichen war. Christoph Wahler mit D’Accord, der sich im vergangenen Herbst verletzt hatte und dieses Jahr erst relativ spät wieder in die Saison gestartet war, gingen nach der starken Geländeleistung als Overnightleader in das abschließende Springen. Hier durften sie sich einen Abwurf erlauben, ohne die Spitzenposition zu verlieren. Diesen Vorsprung brauchten sie auch, denn die Stange am letzten Hindernis fiel. Am Ende gewannen die beiden die mit 71 Starterpaaren besetzte Prüfung mit -30,3 Punkten.

Auch mit Zweitpferd Gainsbourg de Bedon (Züchter: Etienne Cournault; Besitzer: Hendrik & Karen von Paepcke) lief es für Christoph Wahler an diesem Wochenende wie am Schnürchen: Die beiden zeigten, dass sie im letzten Jahr gut zusammen gewachsen sind und konnten in der Dressur mit -26,9 Punkten ebenfalls ein Personal Best erzielen. Auch im Busch drehten die beiden eine sichere Runde mit gerade einmal zehn Sekunden Zeitüberschreitung, nachdem es bei den Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen vor einigen Wochen noch Abstimmungsprobleme im Gelände gab und die beiden nach einem Vorbeiläufer aufgaben. Mit einem Springfehler an Hindernis 3 im Parcours beendeten sie das Turnier mit -34,9 Punkten auf dem dritten Platz. Auf der Longlist steht Christoph mit dem Schimmelwallach, den er vor rund einem Jahr vom französischen Championatsreiter Stephane Landois übernahm, jedoch vor Aachen noch nicht, da den beiden das obligatorische CCI4*-L Ergebnis aktuell noch fehlt. Ein Paar für die Zukunft in Hinblick auf die EM im kommenden Jahr oder LA 2028 sind sie jedoch allemal!

Sich ebenfalls stark in Szene setzen konnte Arne Bergendahl mit dem vielversprechenden 10-jährigen Blockbuster-Sohn Bronco NRW aus der Zucht seines Vaters Helmut Bergendahl (Besitzerin: Susanne Dörner). Auch die beiden konnten mit -28,1 ein neues Personal Best in der Dressur auf 4*-Niveau erreichen. Nachdem die beiden bei der Deutschen Meisterschaft in Luhmühlen kurz vor dem Ziel auf der Geländestrecke gestürzt waren, wurde der Ritt der beiden mit Spannung erwartet. Doch die beiden zeigten keinerlei Unsicherheiten im Cross und kamen mit 8,4 Zeitfehlern ins Ziel galoppiert. Auch am Finaltag bewies das Duo aus dem rheinischen Hamminkeln ihre Klasse und drehte im Parcours eine von nur 14 Nullrunden und konnte damit nochmal drei Plätze gutmachen. Sie beendeten die Prüfung damit auf Platz 6 und lieferten ein wichtiges Teamergebnis für die deutsche Nationenpreismannschaft.

Nicht das Letzte ritt Michi Jung aus seinem Routinier fischerChipmunk FRH bei der letzten Sichtung in Avenches heraus. Der bereits 18-jährige Hannoveraner startete mit Reitmeister Michi Jung im Sattel mit -22,2 Punkten und einer starken Vorstellung im Viereck. Sie ließen es im Busch am Samstag etwas ruhiger angehen und sammelten dort 9,6 Zeitfehler. Etwas uncharakteristisch waren seine zwei Springfehler im abschließenden Parcours am Sonntag, wo Chipmunk zwar sehr gut sprang, jedoch gleich zwei Steilsprünge mit der Vorhand touchierte. Zwei Springfehler waren ihm seit der WM 2022 in Pratoni del Vivaro nicht mehr unterlaufen, wo er tragischerweise mit seinem zweiten Abwurf am letzten Hindernis den WM-Einzeltitel verlor und am Ende Fünfter wurde. An diesem Wochenende wurde es in Avenches nun Platz 11 mit -39,8 Punkten. Mit seinem zweiten Pferd in der Prüfung, der erst neunjährigen Hannoveranerstute Perseverance Funky Famous Flamborghini (Züchterin: Gabriele Heemsoth; Besitzer: Perseverance Estate B.V.) erreichte Michi Jung außerdem mit -41,2 Punkten den 13 Rang. Für die Stute, die vom Reitponyveredler Szenario abstammt, war es erst der zweite Start auf 4*-Niveau.

Die amtierende Deutsche Meisterin Julia Krajewski erzielte mit ihrem Uelzener’s Nickel (Züchter: Hindrick Stüvel; Besitzer: Prof. Dr. Bernd Heicke) mit -22,1 Punkten das beste Dressurergebnis im 71-köpfigen Starterfeld. Im Busch drehten die beiden eher eine ruhige Trainingsrunde und kamen mit 15,2 Zeitfehlern ins Ziel, womit sie natürlich ein paar Plätze federn lassen mussten. Im abschließenden Parcours sprang Nickel frisch und vorsichtig, erwischte jedoch die Hinterstange des Oxers an Sprung 6 und musste damit weitere vier Strafpunkte in Kauf nehmen. Sie beendeten die Prüfung auf Platz 14. Mit ihrem Zweitpferd Tullabeg Platinum (Züchter: Nicholas Cousins; Besitzer: Michael Sperl) lief es jedoch nicht ganz nach Plan: Nach einer guten Dressur mit -27,1 Punkten zeigte sich der irische Wallach im Busch hochmotiviert, lief jedoch an Hindernis 6b, einer schmalen Adlerschwinge vorbei nachdem er das Hindernis erst zu spät erkannt hatte. Auf dem Rest der Geländestrecke sowie im abschließenden Parcours zeigten die beiden sich jedoch wieder sehr sicher und beendeten die Prüfung mit einer Nullrunde im Springen.

Eine gute Leistung zeigte außerdem Einzelreiterin Vanessa Bölting mit ihrem Routinier Ready to Go NRW (Züchter: Jörg Winterscheid; Besitzer: Hubert Hermesmeyer). Mit dem dressurbetont gezogenenen Westfalen konnte sie die Prüfung auf Platz 12 beenden (-40,0). Bei Teamreiterin Libussa Lübbeke, die nach guten Leistungen im Frühjahr in Strzegom und Marbach (jeweils Platz 7) nicht bei den Deutschen Meisterschaften in Luhmühlen an den Start gehen musste, lief es mit der aus der Familienzucht stammenden Caramia in der Dressur (-26,0) und im Gelände (11,6 Zeitfehler) rund. Im abschließenden Springen fielen jedoch zwei Stangen, sodass sie am Ende mit -45,6 Punkten Platz 20 belegten. Pauline Knorr und Aevolet M-A-F (Züchter: Marco Fischer; Besitzerin: Ute Thümler) wurden mit -47,9 Punkten 23, Mannschaftsreiterin Antonia Baumgart beendete die Prüfung mit dem großrahmigen Ris de Talm (Züchter: Hans-Niko Hoeck; Besitzer: Antonia & Dietrich Baumgart) auf Platz 27 (-49,4).

In der Teamwertung blieb es bis zum Ende spannend, jedoch konnte sich die stark besetzte Mannschaft der Gastgeber am Ende mit etwa sechs Punkten Vorsprung gegen das deutsche Team durchsetzen. Für die Schweiz ritten Felix Vogg mit seinem 5*-Sieger Colero, Robin Godel mit Grandeur de Lully, Mélody Johner mit Erin (die einzige Reiterin, die am Samstag das Gelände in der Bestzeit beendete) und Angelika Dubach mit Felin de Chignan. Die Schweizer hatten am Ende -105,9 Punkte auf dem Konto, bei den Deutschen waren es 112,4 Minuspunkte. Rang 3 ging an die Gäste aus den Niederlanden mit -121,3 Punkten.

Die Entscheidung über die Shortlist der deutschen Reiter für die WM in Aachen Mitte August wird am Montag erwartet. Malin Hansen-Hotopp konnte ihren Carlitos Quidditch K nicht wie geplant in Avenches an den Start bringen nachdem sie durch einen Magen-Darm Infekt außerdem Gefecht gesetzt wurde. Die beiden müssen sich am Montag in Warendorf einem Fitnesscheck unterziehen, bevor die Entscheidung über die Shortlist gefällt wird. Hier sind aktuell der Geländetrainer Rodolphe Scherer und Ausschussvorsitzende Dr. Annette Wyrwoll gemeinsam mit den Disziplintrainern federführend, da der Bundestrainer Peter Thomsen nach einem Reitunfall im Juni sein Amt momentan nicht ausüben kann. Gemeinsam mit dem DOKR-Disziplinausschuss Vielseitigkeit wird dann die Entscheidung über die Nominierung gefällt.

Endergebnis CCIO4*-NC-S Einzelwertung

Endergebnis CCIO4*-NC-S Teamwertung

CCI3*-S: Platz 2 und 3 geht nach Deutschland

Neben der viel beachteten Nationenpreisprüfung fanden in Avenches auch noch gleich drei weitere internationale Prüfungen statt. In der CCI3*-S konnten Michael Jung und Jérôme Robiné auf das Treppchen reiten. Jung ritt hier sein zweites Kaderpferd fischerSolution II (Besitzer: Klaus Fischer) mit dem er mit -25,5 Punkten das beste Ergebnis im 53-köpfigen Starterfeld in der Dressur erzielte. Im Busch kamen 5,6 Zeitfehler hinzu, wodurch die beiden Felix Vogg und die Holsteinerstute Milky Chance vorbeiziehen lassen mussten und von Platz 2 aus in das abschließende Springen gingen. Hier blieben sie zwar fehlerfrei, Overnightleader Vogg jedoch auch, sodass es mit -31,1 Punkten Platz 2 für Reitmeister Jung wurde.

Die bisher beste 3*-Platzierung holte der achtjährige Duke of Jokes (Züchter: Eventerzucht Hansen; Besitzer: Michael Schneider) mit Jérôme Robiné im Sattel auf Platz 3 in der Prüfung. Der Sportsoldat aus Warendorf kann in diesem Jahr aufgrund einer Verletzung seines Toppferdes Black Ice nicht um die Startplätze für die WM mitreiten und reiste mit dem Nachwuchspferd nach Avenches an. Hier erzielten die beiden -29,5 Punkte im Viereck und kamen mit nur 2,4 Zeitfehlern aus dem Busch ins Ziel. Die beiden gingen als Dritte in den finalen Springparcours am Sonntag und blieben dort ohne Fehler, sodass sie die Prüfung mit 31,9 Minuspunkten abschlossen.

Endergebnis CCI3*-S

CCI2*-S: Brandon Schäfer-Gehrau und Cadorico galoppieren zum Sieg

Schwarz-rot-gold war das Treppchen der CCI2*-S Prüfung, denn gleich die ersten drei Plätze wurden von deutschen Reitern belegt. Allen voran Brandon Schäfer-Gehrau, der mit 2*-Seriensieger Cadorico (Züchterin: Margrit Grae; Besitzer: Shanghai Maggie Hao International Trading Co., Ltd) auch dieses Mal ganz vorne stand. Mit -22,3 Punkten erreichten die beiden das zweitbeste Ergebnis aus der Dressur und blieben im weiteren Verlauf der Prüfung ohne Strafpunkte, sodass ihnen der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Brandon arbeitet seit Beginn des Jahres für den niederländischen Vielseitigkeitsreiter Tim Lips und ist dort für die weitere Ausbildung der Nachwuchspferde zuständig. In Avenches schlug er in der 2*-Kurzprüfung sein ehemaliges Berittpferd Perseverance Sheer Magic, welches er im vergangenen Jahr mehrfach in Intro-Prüfungen in dien Platzierung ritt und der ihm auch zum Teil noch gehört. In diesem Jahr wird der schicke Schimmel von Michael Jung weiter ausgebildet und konnte auch bereits zwei internationale Prüfungen gewinnen. In Avenches erzielte der Hannoveraner von Diacontinus (Züchter: Jürgen Kastens; Besitzer: Perseverance Estate B.V., Brandon Schäfer-Gehrau) in der Dressur -24,2 Punkte und blieb im weiteren Verlauf ohne Strafpunkte, sodass sich die beiden den zweiten Platz sicherten.

Knapp dahinter rangierte Libussa Lübbeke, die neben ihrer Caramia FRH auch noch deren Halbschwester Benedetta mit nach Avenches gebracht hatte. Die ebenfalls aus der Familienzucht stammende 11-jährige Stute beendete ihre erste internationale Prüfung in diesem Jahr mit ihrem Dressurergebnis von -25,1 Punkten auf Platz 3. In der vergangenen Saison waren die beiden bereits bis CCI4*-S platziert. Ebenfalls in die Top 5 reiten konnte Anna Lena Schaaf mit ihrem Bundeschampion des vergangenen Jahres, Barcley FRH, den ihr Großvater Gerd Neukäter selbst gezüchtet hat. Für Anna Lena, die seit April diesen Jahres bei Felix Vogg im Stall angestellt ist, war die Anreise nach Avenches verhältnismäßig kurz, da der Stall von Vogg und seiner Partnerin Lea Siegl an der schweizerischen Grenze zu Frankreich liegt. Zum Dressurergebnis von -25,2 Punkten kamen lediglich 3,6 Zeitfehler aus dem Gelände, sodass die beiden mit Platz 5 (-28,8) die formelle Qualifikation für die WM der jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion D’Angers in der Tasche haben.

Weitere platzierte deutsche Teilnehmer in der CCI2*-S: 13. Michael Jung & Cloud Nine (-34,0); 15. Christoph Wahler mit Mary Poppins W (-34,8); 17. Brandon Schäfer-Gehrau mit Opportunity (-35,2); 27. Anna Lena Schaaf mit Caraghs Bon Bon (-37,8).

Endergebnis CCI2*-S

CCI1*-Intro: Der Sieg geht in die Schweiz

In der Intro-Prüfung gingen keine deutschen Paare ins Rennen um die Platzierungen. Es siegte der Schweizer Quentin Juillerat mit der 10-jährigen in der Schweiz gezogenen Stute Giulia de Bonmont mit dem Dressur- und Endergebnis von -30,7 Punkten.

Endergebnis CCI1*-Intro

Vielen Dank an Jan Frohne für die schönen Fotos aus Avenches!
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