Rundum zufrieden sein dürfte das deutsche Bundestrainerteam mit dem Verlauf des Geländetages der CCIO4*-NC-L Prüfung in Boekelo: Sowohl die vier Teamreiter, als auch die teilweise noch unerfahreneren Pferde und/oder Einzelreiter lieferten bei sonnigem Herbstwetter im Busch ab und konnten sich zum allergrößten Teil vor dem abschließenden Springen gute Ausgangspositionen verschaffen. Das deutsche Team setzte sich mit einer geschlossenen Teamleistung an die Spitze und führt vor der letzten Teilprüfung mit -79,5 Punkten vor den Briten (-80,4) und den US-Amerikanern (-91,8). Julia Krajewski konnte mit einer flotten und sicheren Geländerunde mit nur einer Sekunde Zeitüberscheitung ihren Spitzenplatz verteidigen und geht als Overnightleader in den Finaltag. Mehr als zwei Sekunden Zeitüberschreitung kann sie sich jedoch im Springen nach aktuellem Stand nicht leisten, um den Sieg nach Hause zu reiten.
Den Geländetag eröffnete aus deutscher Sicht die erste Teamreiterin Pauline Knorr mit Aevolet M-A-F (Züchter: Marco Fischer; Besitzerin: Ute Thümler), die erstmalig für Deutschland bei einem Nationenpreis an den Start ging. Auch wenn noch nicht alle Distanzen perfekt passten, zeigte sich ,,Evi“ immer wieder sehr geschickt und mit tausend Füßen ausgestattet an den Aufgaben und die beiden kamen mit nur 3,2 Zeitfehlern ins Ziel der 5700 Meter langen Geländestrecke. Damit sicherten die beiden das erste wertvolle Mannschaftsergebnis für das deutsche Team und konnten sich sogar von Platz 34 nach der Dressur nach dem Gelände bis auf Platz 27 verbessern.
Locker innerhalb der Bestzeit von 10 Minuten bleiben konnte der zweite Teamreiter Christoph Wahler mit seinem 10-jährigen Gainsbourg de Bedon (Züchter: Etienne Cournault; Besitzer: Hendrik & karen von Paepcke). Die Uhr der beiden stoppte bei 9:53 Minuten. Der bis letztes Jahr für Frankreich startende Schimmel bestach durch sein ökonomisches Galoppieren und rationales Springen auf der Geländestrecke. Das noch recht neue Duo präsentierte sich im Boekelo bereits bestens aufeinander abgestimmt, denn Christoph konnte Gainsbourg de Bedon vor den Hindernissen stets schnell schließen und aufmerksam machen, sodass die beiden wenig Zeit für die Vorbereitungsphase vor den Sprüngen benötigten. Auch war der Selle Français Wallach sehr geschickt an den Sprüngen und baute, wenn nötig, auch mal einen kleinen Galoppsprung vor dem Absprung ein ohne den Rhythmus zu verlieren. Eine starke Leistung in der ersten langen 4*-Prüfung, was ihn für mögliche Championatseinsätze in den kommenden Jahren für die Bundestrainer interessant machen dürfte. Vor dem abschließenden Springen liegen die beiden mit -27,5 Punkten auf einem aussichtsreichen fünften Platz und damit nicht einmal einen Springfehler hinter der Führung. Bis dato hatte Christoph mit Gainsbourg de Bedon nie mehr als einen Abwurf im Parcours, was den beiden für morgen das nötige Selbstbewusstsein geben dürfte.
Alle Augen waren schließlich auf die dritte Teamreiterin Julia Krajewski mit Ero de Cantraie (Besitzer: Prof. Dr. Bernd Heicke) gerichtet, die als Führenden nach der Dressur in das Gelände starteten. Drei Sekunden Zeitüberschreitung durfte sie sich leisten, um die Führung vor der Britin Gemma Stevens und Chilli Morning IV zu halten, davon benötigte sie am Ende eine. Am ersten Wasserkomplex wählte die Olympiasiegerin die etwas längere und sicherere Route, da sie in der Vergangenheit mehrfach mit Ero de Cantraie Stürze am Wasser zu verzeichnen hatte. Bei diesem Ritt gab es jedoch keine Schwierigkeiten und die beiden gehen am Sonntag (nach bestandener Verfassungsprüfung) als letztes Paar in da entscheidende Springen mit momentan 1,1 Punkten Vorsprung. Ero ist jedoch bei 12 internationalen Starts in den letzten vier Jahren, bei welchen er ins Springen gestartet ist, nur ein einziger Springfehler unterlaufen, sodass sich die beiden für morgen durchaus berechtigte Chancen auf einen möglichen Sieg ausrechnen dürfen.
Als letzter deutscher Teamreiter galoppierte Arne Bergendahl mit seinem Bronco NRW (Züchter: Helmut Bergendahl; Besitzerin: Susanne Dörner) aus der Startbox. Bronco zeigte sich sehr motiviert und sprang mit viel Vermögen und Luft über die ihm gestellten Aufgaben. Beim Boekelo-Debüt im vergangenen Herbst sammelten die beiden noch 0,8 Zeitfehler für zwei Sekunden Zeitüberschreitung, doch 2026 waren die beiden flott genug unterwegs und die Uhr stoppte bei 9:58 Minuten, sodass es für den Hamminkelner auch nach dem Gelände beim Dressurergebnis von -27,7 Punkten blieb. Damit starten die beiden am Sonntag von einem aussichtsreichen siebten Platz aus in das abschließende Springen.
Im Anschluss an die Teamreiter waren die Einzelreiter am Start. In diesem Jahr wurde die Strecke gegen den Uhrzeigersinn geritten, also anders herum als in den letzten Jahren. Im Ergebnis zeigte sich jedoch in dem von Adrien Ditcham designten Kurs ein sehr ähnliches Bild wie im vergangenen Jahr: 2025 ritten bei 89 Teilnehmern 21 Paare in die Bestzeit, in diesem Jahr waren es bei 93 Starterpaaren 22 Nullrunden innerhalb der Optimum Time. 2025 beendeten 78 Pferde das Gelände, in diesem Jahr waren es 79 Pferde. Aus deutscher Sicht war in diesem Jahr sehr erfreulich, dass Brandon Schäfer-Gehrau mit seiner Very Special (Züchterin: Ulrike Edel-Heidhues; Besitzerin: Dagmar Schäfer-Gehrau) eine Nullrunde innerhalb der erlaubten Bestzeit drehen konnte. Damit konnte er etliche Plätze gutmachen und kletterte von Platz 28 nach der Dressur (-29,8) bis auf den elften Platz nach dem Gelände. Die beiden erlebten bis dato eine Saison mit Aufs und Abs und hatten nach einem starken Saisonauftakt mit Platz 2 in der CCI4*-S in Oudkarspel einen recht schweren Sturz in der 4*-Prüfung in Chaumont en Vexin, nach dem sie sich jedoch Schritt für Schritt zurück kämpften und das Jahr nun mit dieser tollen Nullrunde mehr als positiv beenden.
Der ,,Climber of the Day“ waren Ann-Catrin Bierlein und ihr bereits 18-jähriger Sir Scotty (Züchterin: Elisabeth Kapp; Besitzerin: Ann-Catrin Bierlein). Nach der Dressur lagen die beiden noch mit -36,4 Punkten auf Platz 82, konnten jedoch Dank der drittschnellsten Geländerunde des Tages 48 Plätze gutmachen und liegen nun vor dem Springen auf einem starken 34. Platz. Im vergangenen Jahr gaben die beiden ihr 4*-L Debüt in Boekelo, wo sie noch 20 Fehlerpunkte für einen Vorbeiläufer hinnehmen mussten, doch in diesem Jahr lief alles wie geplant, sodass die beiden überglücklich ohne weitere Strafpunkte im Ziel ankamen.
Auch Antonia Baumgart zeigte mit dem großrahmigen Ris de Talm (Züchter: Hans-Niko Hoeck; Besitzer: Antonia & Dietrich Baumgart) eine tolle Geländerunde in der erst zweiten 4*-L Prüfung mit dem 11-jährigen Wallach und ihrem ersten Boekelo-Start überhaupt. Die beiden überschritten die Bestzeit um gerade einmal acht Sekunden und liegen vor dem abschließenden Springen mit -30,7 Punkten auf Platz 17 und damit gerade einmal etwas über einen Abwurf vom Einzel Podium entfernt. Ingrid Klimke und Kallista (Züchter: Marc Rigouts; Besitzer: Joanna Crilly, Joan Johnston & Reiterin) sammelten in der ersten 4*-L Prüfung der erst 10-jährigen Stute 8,8 Zeitfehler und liegen nur vor dem Springen -35,7 Punkten auf Platz 31. Nadine Marzahl und Victoria (Züchter: Richard und Matthias Stottmeister; Besitzer: Matthias & Silke Stottmeister) gaben ein super Boekelo-Debüt und kamen mit 13,6 Zeitfehlern, aber ohne Hindernisfehler ins Ziel und rangieren vor dem abschließenden Springen mit -40,7 Punkten auf Platz 43. Etwas Pech hatte Rebecca-Juana Gerken, die mit ihrer Casall-Tochter Fame (Züchterin: Katharina Sonntag; Besitzer: Thomas Gerken) beim 4*-L Debüt einen späten Vorbeiläufer an Hindernis 22c, einer schmalen Adlerschwinge am Hindernis ,,Lane Crossing“, hinnehmen musste. Mit 66,8 Minuspunkten nach dem Gelände konnten die beiden jedoch sogar noch einen Platz gutmachen und liegen vor dem Springen auf Platz 66.
Die zweite Verfassungsprüfung steht am Sonntag morgen ab 9:00 Uhr für die nach dem Gelände verbliebenen 79 Starterpaare auf dem Programm, bevor es ab 10:30 Uhr um die finalen Platzierungen im Springparcours geht.
Live-Leaderboard CCIO4*-NC-L Teamwertung
Live Leaderboard CCIO4*-NC-L Einzelwertung
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Fotos: Lutz Kaiser/ Agentur Datenreiter

