In Irland hat Calvin Böckmann Pferdesportgeschichte geschrieben: Als erster U25-Weltmeister in der Vielseitigkeit krönte sich der 25-jährige Warendorfer Sportsoldat zum Premierensieger. Und auch das deutsche Team durfte jubeln: Bei der ersten U25-WM gewann es hinter Großbritannien die Silbermedaille.
Premiere in Millstreet
Die Weltmeisterschaften der U25-Vielseitigkeitsreiter schließen eine Lücke zwischen den Jungen Reitern (U21) und dem Spitzensport. Die auf CCI4*-S-Niveau ausgetragene WM dient als wichtiges Sprungbrett für künftige Championate. Premieren-Gastgeber Millstreet, ein erfahrener Veranstalter diverser Nachwuchseuropameisterschaften, bot hierfür das passende Ambiente. 39 Paare aus 14 Nationen, darunter auch Reiter aus Australien, Kanada und den USA, bewarben sich in Irland um den ersten Titel.
Deutsches Team bleibt dran
Aus deutscher Sicht hätte der Verlauf von Beginn an kaum spannender sein können. Nach der Dressur lag das deutsche Team zunächst auf Rang zwei und hatte sich damit eine gute Ausgangsposition verschafft; Irland übernahm die Führung. Im anspruchsvollen Geländekurs, entworfen von Olympia-Parcourschef Mike Etherington-Smith, blieben Calvin Böckmann mit Altair de la Cense, Ann-Catrin Bierlein mit Sir Scotty sowie Linus Weiss mit Astrello ohne Hindernisfehler. Schlussreiter Nicholas Goldbeck schied nach einem Sturz mit Chintano aus. Damit fiel das deutsche Team vorerst auf Rang drei hinter Großbritannien und Irland zurück.
Finale mit Nervenkrimi
Am Sonntagmorgen änderte sich die Ausgangslage noch einmal. Sowohl die Briten als auch Iren traten nur noch zu dritt zur Verfassungsprüfung an. Damit lag das Feld wieder Kopf-an-Kopf beisammen und jeder Fehler zählte. Am Ende kam es auf die beiden letzten Reiter an. Während der U25-Weltranglistenerste Calvin Böckmann als vorletzter Starter mit einer blitzsauberen Nullrunde seiner Favoritenrolle gerecht wurde, unterliefen dem letzten irischen Starter Tom Nestor mit Cooley Diamond Dancer gleich vier Abwürfe. Damit war klar: Calvin Böckmann ist Weltmeister und das deutsche Team gewinnt mit 168,6 Minuspunkten Silber. Unangefochten Gold gab es für Großbritannien (149,7 Minuspunkte), die Iren wurden mit 180,0 Minuspunkten Dritter.
„Ich kann es noch gar nicht richtig fassen“
„Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diesen Sieg erreichen durfte. Dass mir dieses Pferd, das mich durch meine Zeit als Nachwuchsreiter begleitet hat, diese Medaille geschenkt hat“, sagte der frisch gebackene Weltmeister. „Diese Medaille gebührt auch meiner ganzen Familie, die mich immer unterstützt hat und ohne die ich hier nicht stehen würde.“ Zum Springen selbst sagte er: „Mir war klar, dass hier noch einiges durcheinandergewürfelt würde. Selbst war ich eigentlich recht entspannt und wusste, dass ich mich nicht durcheinanderbringen lassen darf.“
Podium und weitere Platzierungen
Hinter Calvin Böckmann und Altair de la Cense (Endstand 40,0 Minuspunkte) belegte die Britin Cerys Macaulay mit Kananaskis Platz zwei (45,3). Bronze ging an die US-Amerikanerin Olivia Dutton mit Jewelent (48,2), Tochter Mannschaftsolympiasieger Philipp Dutton.
Zweitbeste Deutsche hinter Calvin Böckmann in der Einzelwertung war Ann-Catrin Bierlein (53,2). Mit Sir Scotty lieferte sie mit der zweitschnellsten Runde im Gelände eine Meisterleistung ab. Mit zwei Abwürfen und etwas Zeitfehlern im Springen wurde sie am Ende Neunte. Mit diesem Platz unter den Top Ten machte sie sich zudem ein ganz besonders Geburtstagsgeschenk. Linus Weiss beendete seinen Auftritt in Irland auf Platz 17 (75,4).
Lob für Team- und Kampfgeist
„In unserem Sport gibt es immer ein Rauf und Runter. Natürlich wünscht man niemanden Pech, aber auch die Verfassungsprüfung und das Springen sind Bestandteil der Prüfung. Auch wenn wir vielleicht ein bisschen Glück hatten, wurde unseren Reitern hier nichts geschenkt. Alle haben super abgeliefert. Sie bis zum Schluss ihr Bestes gegeben, haben gekämpft und haben als Team performt“, lobte Mannschaftsolympiasieger Andreas Dibowski. Als U25-Bundestrainer war er für die Strategie bei der WM zuständig. Schmunzelnd ergänzte er: „Ich liebe es, wenn Pläne aufgehen.“
Positive Bilanz der Premiere
Eine positive Bilanz über die Premiere zog auch Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll, Vorsitzende des Vielseitigkeitsausschusses von Pferdesport Deutschland: „Wir wussten, dass Calvin gute Chancen auf eine Medaille hat, aber dass es tatsächlich Gold werden würde, ist einfach sensationell. Dass auch das Team Silber gewonnen hat, übertrifft alle Erwartungen. Hier hat sich gezeigt, was sich mit einer super Vorbereitung und einem tollen Teamspirit erreichen lässt, vor allem wenn dann auch noch das nötige Quäntchen Glück dazukommt. Es war eine absolute Mannschaftsleistung, zu der ich allen Beteiligten – Teilnehmer, Trainer und Tross herzlich gratulieren möchte. Diese U25-Weltmeisterschaften sind ein Gewinn und eine Bereicherung für alle – für unsere Disziplin im Allgemeinen und unsere Reiter im Besonderen. Auch die, bei denen es nicht ganz so gut lief, haben hier viel geleistet und ganz viel dazugelernt, auf das sie künftig aufbauen können. Alles in allem war eine tolle Erfahrung für alle!“ Pferdesport Deutschland/Hb
Vielen lieben Dank an Ute Goedecke für den kurzen Draht nach Irland und die zahlreichen tollen Fotos der ersten U25 WM! Wunderbare Erinnerungen an ein besonderes Wochenende!
