Wie die international hocherfolgreiche Vielseitigkeitsreiterin Phoebe Locke am Montag mitteilte, wird sie ab sofort nicht mehr unter britischer, sondern unter deutscher Flagge an den Start gehen. Ihr kürzlich verstorbener Großvater war Deutscher und ermöglichte ihr den Wechsel der Nationalität. Die 26-jährige sprach mit Vielseitigkeitssport Deutschland über die Beweggründe für den Wechsel der Staatsbürgerschaft und ihre Pläne für die Zukunft im Vielseitigkeitssport.
Phoebe Locke ist in der Vielseitigkeitsszene in England bereits ein bekannter Name: Sie startete auf gleich fünf Nachwuchs-Europameisterschaften und konnte dort für die britische Mannschaft gleich mehrere Teammedaillen holen. In den vergangenen Jahren etablierte sie sich auf 4*-Niveau und konnte auch bereits eine CCI4*-S Prüfung für sich entscheiden und sich bis CCI4*-L platzieren. Im vergangenen Jahr war sie dann in Luhmühlen erstmalig in einer CCI5*-L Prüfung am Start, musste dort jedoch nach einem fehlerfreien Geländeritt vor der abschließenden Verfassungsprüfung zurückziehen. Den Wechsel nach Deutschland begründete sie vor allem mit der extrem hohen Leistungsdichte in Großbritannien, wo es auch bei sehr guten Leistungen häufig schwierig ist für Championate ausgewählt zu werden, aber auch mit dem guten Trainingskonzept und der Unterstützung für aufstrebende Reiter in Deutschland: ,,In Großbritannien muss man eigentlich unter den absoluten Topreitern sein, um Unterstützung durch die Bundestrainer zu bekommen. Vorher ist man ziemlich auf sich alleine gestellt und auch bei der Ausbildung von jungen Pferden gibt es eigentlich niemanden, der da ein Auge mit drauf wirft. In Deutschland gibt es das Konzept der Perspektivgruppe, was ich sehr interessant und attraktiv für junge Reiter finde.“
Der Prozess, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, war langwierig und alles andere als selbsterklärend: ,,Bis zu diesem Punkt hat es nun deutlich über ein Jahr gebraucht. Es gab eine Menge Papierkram, der erledigt werden musste und alle Dokumente waren auf Deutsch, was eine große Herausforderung war, da ich nicht so gutes Deutsch spreche. Aber am Ende habe ich es mit der Unterstützung meiner Familie geschafft und bin nun sehr glücklich, dass alles geklappt hat.“
Die ambitionierte Reiterin plant im kommenden Frühjahr für ein paar Wochen nach Deutschland zu kommen, um hier mit dem Bundestrainerteam zu trainieren und auch um einige Turniere in Deutschland zu bestreiten. Phoebes Lebensmittelpunkt soll jedoch weiterhin in Großbritannien bestehen bleiben. Dort führt sie einen Pferdebetrieb in den Cotswolds, unweit des Blenheim Palace, dem Austragungsort der letztjährigen Europameisterschaften. Meist hat sie um die 12 Pferde in ihrem Beritt und bestreitet ihren Lebensunterhalt durch das Training und den Verkauf von Vielseitigkeitspferden. Sie hat in der letzten Zeit jedoch bereits einen guten Kontakt zu Bundestrainer Peter Thomsen aufgebaut, der im Herbst plant nach England zu reisen, um sich dort den Austragungsort der U25 WM für 2026 in Cornbury zu besichtigen. Bei der Reise werden die beiden voraussichtlich die Gelegenheit haben, gemeinsam einige Trainings zu absolvieren. ,,Ich denke die deutschen Selektoren können einschätzen, was es bedeutet in Großbritannien in 3* oder 4*-Prüfungen erfolgreich zu sein. Die Prüfungen hier sind anspruchsvoll und die Starterfelder extrem stark. Aber natürlich werde ich bereit sein hin und wieder auf das europäische Festland zu reisen, wenn bestimmte Sichtungen oder z.B. Nationenpreise anstehen,“ so die 26-jährige.
Ihr großes Ziel ist es, auf den internationalen Championaten an den Start zu gehen und rechnet sich dafür in Deutschland gute Chancen aus: ,,Mein großes Ziel ist es, 2028 in LA zu starten. Ein sehr gutes Pferd habe ich an Kitty King verkauft, das war einfach eine Entscheidung die ich für meine finanzielle Absicherung treffen musste, aber aktuell bin ich mit meinen Pferdebesitzern auf der Suche nach einem potenziellen Championatspferd für LA. Außerdem habe ich momentan ein sehr gutes achtjähriges Pferd, mit dem ich hoffe in diesem Jahr den Sprung in den 4*-Bereich zu schaffen und ein weiteres sechsjähriges Pferd, mit dem ich gerne in Le Lion D’Angers starten würde.“
Das Interview wurde auf Englisch geführt und wurde sinngemäß ins Deutsche übersetzt.
Die VSD-Redaktion heißt Phoebe herzlich Willkommen in der deutschen ,,Vielseitigkeitsfamilie“ und ist sehr gespannt auf ihre weitere Entwicklung!


