Mit dem Sieg im Nationenpreis in Marbach sind die deutschen Vielseitigkeitsreiter erfolgreich in die grüne Saison gestartet. Marbach ist ein wichtiger erster Gradmesser auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2026. Im Gespräch ordnet Bundestrainer Peter Thomsen den Saisonstart ein, spricht über die Entwicklung der Mannschaft, gesellschaftliche Anforderungen und die Herausforderungen für die Zukunft des Sports.
Herr Thomsen, wie bewerten Sie den Saisonauftakt – insbesondere mit Blick auf Marbach?
Also zunächst ist hier ein Mega-Turnier veranstaltet worden. Der Veranstalter hat wirklich perfekte Arbeit geleistet. Die Reiter waren begeistert. Ein wunderschönes Gelände, richtig anspruchsvoll und eines Nationenpreises würdig. Tolle Hindernisse und insgesamt wirklich sehr schöner Sport. Ich glaube, die Wertigkeit unseres Sports wurde hier hervorragend repräsentiert.
Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus diesem Wochenende für die weitere Entwicklung mit – auch mit Blick auf die WM Mitte August in Aachen?
Hier waren einige Reiter am Start, die die Prüfung als Sichtung genutzt haben – Julia Krajewski, Michael Jung und andere. Die haben hier sehr gut performt. Und da das Gelände wirklich anspruchsvoll war, kann man die Leistungen sehr positiv bewerten. Die haben sich absolut empfohlen.
Die WM 2026 im eigenen Land rückt näher. Welche Bedeutung hat sie für Ihre strategische Ausrichtung?
Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas Besonderes – und im eigenen Land ist es noch einmal eine ganz andere Dimension. Wir wollen den deutschen Fans und den Reitsportinteressierten zeigen, wie gut wir sind, was wir können und wie wir mit den Pferden umgehen. Natürlich wollen wir erfolgreich sein, wir wollen uns für Olympische Spiele qualifizieren, wir wollen eine Medaille gewinnen. Aber der Erfolg steht nicht über allem. Entscheidend ist, dass wir der Welt zeigen, wie schön unser Sport sein kann.
Wofür soll die deutsche Vielseitigkeitsmannschaft stehen?
Die deutsche Mannschaft sollte den Vielseitigkeitssport positiv repräsentieren. Es geht darum, dass die Menschen verstehen, dass wir mit dem Pferd zusammenleben, reiten und arbeiten. Wichtig ist, dass uns das in einem guten Rahmen gelingt – über alle Disziplinen hinweg. Dass wir zeigen, dass das ein ästhetischer Sport ist, ein schöner Sport mit dem Partner Pferd. Und dass das etwas Positives ist – das ist aus meiner Sicht das Entscheidende.
Die Diskussion um Pferdewohl und gesellschaftliche Akzeptanz ist sehr präsent. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?
Das Bewusstsein dafür ist durch das öffentliche Interesse deutlich gewachsen. Vor 20, 30 oder 40 Jahren stand das gar nicht so im Fokus. Heute ist das anders, und das ist auch richtig so. Wir sind alle noch mehr bemüht, alles richtig zu machen. Dass es den Pferden gut geht, dass ihnen die Arbeit Spaß macht. Wir bieten im Prinzip einen 24-Stunden-Service für die Tiere – sie haben alles, was sie brauchen: Futter, Bewegung, Weidegang. Alles, was gut für sie ist, versuchen wir möglich zu machen – und darauf basiert unser Sport. Man kann nicht mit einem Pferd sprechen, aber über Verhalten, Mimik, Gestik und das gesamte Auftreten kann man sehr viel erkennen. Ob ein Pferd sich wohlfühlt, ob es motiviert ist – das kann man lernen zu lesen. Es gibt viele Indikatoren dafür.
Wie offen ist der Kampf um die WM-Plätze?
Der Kampf wird bis zur Nominierung offen bleiben. Es spielen viele Faktoren eine Rolle: die Gesundheit der Pferde, die Form der Reiter – es kann immer etwas passieren, sei es ein kleines gesundheitliches Problem oder andere Dinge. Wenn alles normal läuft, werden wir klassisch mit Longlist und Shortlist arbeiten. Natürlich weiß man, dass erfahrene Paare mit guten Erfolgen und aktueller Form in den Fokus rücken. Aber am Ende muss jeder WM-Kandidat den Sack zumachen. Das heißt: konstant gute Leistungen bringen, das Pferd optimal vorbereiten und das richtige Maß finden – so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Ziel ist, im August den Tank voll zu haben, um die maximale Leistung abrufen zu können.
Woran würden Sie eine erfolgreiche WM festmachen?
Natürlich ist eine Medaille das Ziel – das ist auch der Anspruch in Deutschland. Aber sie steht nicht über allem. Wenn wir es schaffen, der Welt zu zeigen, wie schön und ästhetisch Pferdesport sein kann, dann ist das eine Win-Win-Situation – für die Pferde und für die Menschen. Das ist das Allerwichtigste. Aachen bietet durch die mediale Aufmerksamkeit eine enorme Plattform. Wenn uns das gelingt, wäre das ideal.
Sie haben auch grundlegende Herausforderungen angesprochen. Wie sehen Sie die Zukunft der Vielseitigkeit?
Es gibt schon Punkte, die uns beschäftigen – der Sport wird immer teurer, und im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich gehen die Starterzahlen etwas zurück. Gleichzeitig ist das aber auch ein klarer Impuls für uns, uns aktiv damit auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln.
Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir gegensteuern können und welche Maßnahmen möglich sind. Dazu gehören auch privatwirtschaftliche Initiativen wie beispielsweise Road2LA, die zeigen, welches Potenzial in neuen Ansätzen steckt und wie zusätzliches Engagement entstehen kann.
Ich bin ziemlich sicher, dass wir in irgendeiner Weise auch Unterstützung brauchen werden. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Verbänden und Pferdesport Deutschland, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und solche Entwicklungen zu ermöglichen und umzusetzen.
Wenn uns das gelingt und wir diese Kräfte bündeln, bin ich überzeugt, dass wir in der Weltspitze bleiben und unsere Position weiter festigen können. Pferdesport Deutschland/Bo

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