Ein Geländetag wie aus dem Bilderbuch konnten die zahlreichen ZuschauerInnen im Park des Badminton House an diesem überwiegend sonnigen Samstag erleben. Der Kurs schien im Vergleich zu den Vorjahren technisch minimal entschärft worden zu sein, sodass die meisten Ritte harmonische Bilder hervorbrachten. Ein Highlight des Tages war sicherlich der Auftritt der zweifachen Badminton Siegerin Rosalind Canter mit ihrem Lordships Graffalo, die gerade einmal drei Monate nach der Geburt ihres zweiten Kindes einen Geländeritt hinlegte, wie man ihn auf diesem Niveau nur äußerst selten zu Gesicht bekommt: stilistisch einwandfrei, auf der gesamten Strecke in Harmonie mit dem Pferd und mit ihrem ,,Walter“ eine Einheit bildend. Auch der einzige deutsche Starter Arne Bergendahl konnte ins Ziel galoppieren: Mit Luthien NRW unterlief ihm zwar ein Vorbeiläufer und ein MIM-Clip wurde ausgelöst, jedoch freute er sich sichtlich, nach dem Sturz im vergangenen Jahr, diesmal den Kurs beenden zu können.
Auch nach dem Gelände wird die CCI5*-L durch Dressursiegerin Ros Canter (GBR) mit ihrem Ausnahmepferd Lordships Graffalo angeführt. Die beiden konnten mit einem herausragenden Geländeritt ihr Dressurergebnis von -23,7 Punkten ins Ziel bringen und haben damit am Finaltag die Möglichkeit die erste Reiter-Pferd-Kombination in der 75-jährigen Geschichte der Badminton Horse Trials zu werden, die die Prüfung dreimal gewonnen haben. Bereits 2023 und 2025 war das herausragende Paar hier siegreich. Besonders ist in diesem Jahr, dass Ros erst Ende Januar 2026 ihr zweites Kind Seneh auf die Welt brachte. Anfang September vergangenen Jahres gewann sie sensationell, damals bereits schwanger mit Seneh, die 5*-Prüfung in Burghley im Sattel von ,,Walter.“ In diesem Jahr haben sie in Badminton sogar einen Abwurf und einige Zeitfehler Vorsprung zum aktuell Zweitplatzierten Harry Meade (GBR), der mit einer flotten und ebenfalls äußerst sicheren Geländerunde mit seiner 14-jährigen irischen Stute Annaghmore Valoner vor dem abschließenden Springen auf Platz 2 rangiert (-30,6 Punkte). Auch Platz 3 nach dem Gelände belegt eine Reiterin aus dem Gastgeberland Großbritannien, nämlich Sarah Bullimore mit dem brillanten selbstgezogenen Corimiro, der im vergangenen Jahr, damals erst neunjährig, bei seinem ersten 5*-Start in Pau gleich den fünften Platz belegte. Auch sie kam innerhalb der Bestzeit von 11:30 Minuten ins Ziel und konnte damit ihr Dressurergebnis von -32,1 Punkten halten.
Der einzige deutsche Reiter Arne Bergendahl kam mit seiner quirligen und gewaltig springenden Luthien NRW zunächst gut in den Kurs und meisterte auch den anspruchsvollen Wassereinsprung am MARS Lake, der ihnen im vergangenen Jahr aufgrund eines Strauchlers in der Landung noch zum Verhängnis geworden war, ohne Probleme. Nach dem Lake wurden die beiden jedoch kurzzeitig auf der Strecke gestoppt, da ein Hindernis aufgrund eines Rumplers durch eine vorher gestartete Reiterin repariert werden musste. Im Anschluss kam die austrainierte und athletische Stute wieder gut in den Fluss, allerdings erwischten die beiden im Laufe des Kurses immer wieder sehr im Vorwärts angelegte Distanzen, was ,,Lucy“ durch ihr enormes Springvermögen ausgleichen konnte. Am Hindernis 18, dem Le Mieux Village, einem Aufsprung mit anschließendem als In-Out zu springenden Haus lösten sie den MIM-Clip aus, was mit 11 Strafpunkten zu Buche schlug. Richtung Ende des Kurses, am Mayston Equestrian Hollow, einem mächtigen Tiefsprung mit zwei anschließend zu springenden Adlerschwingen auf einer Anhöhe, wurde die Distanz jedoch einmal zu groß, sodass Luthien statt über den Sprung, am Sprung vorbeiwischte, was die beiden 20 Strafpunkte kostete. Dennoch konnten sie im Anschluss ohne Probleme die Alternative bewältigen und beendeten den Kurs frisch und mit nur 38 Sekunden Zeitüberschreitung. Vor der letzten Teilprüfung belegen die beiden mit -85,0 Punkten Platz 42.
Ein beeindruckendes Badminton-Debüt zeigte die erst 26-jährige Schweizerin Nadja Minder mit dem bereits 19-jährigen Toblerone. Das Duo ist schon seit der Junge Reiter Zeit gemeinsam unterwegs und konnte auch schon die 5*-Prüfungen in Luhmühlen, Pau und Burghley beenden. Nadja trainiert im Gelände bei Vielseitigkeitslegende Andrew Nicholson und konnte auf der Strecke ihre starke Partnerschaft mit dem eher klein gebliebenen, aber sehr geschickten Toblerone unter Beweis stellen. Mit nur 6,8 Zeitfehlern aus dem Gelände und einem super Dressurergebnis von 30,3 Minuspunkten rangieren die beiden vor dem abschließenden Springen auf Platz 15. Der zweite Starter für die Schweiz, Felix Vogg, liegt mit Holsteiner-Stute Cartania sogar auf Rang 10 vor dem Springen, wobei das bereits bis 5*-siegreiche Duo im Gelände den Atem der Zuschauer mehr als einmal stocken ließ. Cartania schien sehr motiviert und reagierte nur bedingt auf die Paraden ihres Reiters, wodurch es gleich an zwei Wasserkomplexen zu haarigen Momenten kam, die die beiden Dank ihrer Erfahrung und Balance jedoch ohne Sturz überstehen konnten. Mit einem Zwischenergebnis von -35,9 Punkten ist für die beiden eine Top 10 Platzierung in Badminton in greifbarer Nähe.
Nach dem Gelände sind noch 45 der ursprünglich 61 Paare in der Wertung. Zwei Reiter zogen ihre Pferde vor dem Gelände zurück, acht Paare gaben nach Problemen auf der Strecke auf und sechs Paare wurden eliminiert. Darunter waren drei Reiter- und zwei Pferdestürze, die allerdings, soweit momentan bekannt, ohne schlimmere Folgen ausgingen.
Nun heißt es für die Reiter und Pferde sich etwas zu erholen für den Finaltag, der am Sonntag morgen bereits um 8:30 Uhr (9:30 Uhr deutscher Zeit) mit der zweiten Verfassungsprüfung startet. Das abschließende Springen beginnt um 12:30 Uhr deutscher Zeit in umgekehrter Reihenfolge zur Rangierung. Die besten Reiter absolvieren ihre Springprüfung nach der Mittagspause ab 14:30 Uhr (15:30 deutscher Zeit).
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Thanks a lot to Tim Wilkinson (Eventing Images) for the pictures of Arne and Luthien NRW in the Cross Country phase!
