WEG #tryon 2018: Einzelmedaille für Ingrid Klimke, Deutschland auf Platz 5

Das waren sie auch schon wieder- die Weltreiterspiele aus Sicht der Vielseitigkeitsreiter sind entschieden. Aus deutscher Sicht geht die WM sicher mit gemischten Gefühlen und verschiedenen Meinungen zu Ende.

Während morgen die Reiter und Pferde den Heimflug antreten, lassen wir die Weltreiterspiele der deutschen Buschis noch einmal Revue passieren.

Begonnen hat alles mit dem ersten Trot-up und der Mannschaftsaufstellung, die eigentlich keine Überraschungen mit sich brachte. Einzelstarterin sollte Sandra Auffarth sein, die mit ihrem 9-jährigen Viamant du Matz für Michael Jung ins Aufgebot nachrückte.

Die Aufstellung des Teams folgte auch: Kai Rüder und Colani Sunrise, bekannt als sicheres Paar im Gelände und Springen, sollten Pathfinder sein. Julia Krajewski sollte mit Chipmunk FRH als zweites Paar starten, Andreas Dibowksi und das Youngster-Pferd im Team, FRH Corrida, an dritter Stelle, Europameisterin Ingrid Klimke und SAP Hale Bob OLD durften an vierter Stelle reiten.

In der Dressur konnte das deutsche Team nicht nur überzeugen, sondern einen neuen Rekord aufstellen. Mit so wenigen Minuspunkten hat noch nie ein Team bei Weltmeisterschaften nach der Dressur abschneiden können! Mit -73,4 lag das deutsche Team also in Führung (der bisherige Rekord war in Jerez de la Fontera 2002 das Team Großbritanniens mit -73,8 – Quelle: equiratings). Zudem konnte Julia Krajewski mit ihrem Hannoveraner Chipmunk FRH mit -19,9 die Führung der Einzelwertung übernehmen, Ingrid Klimke gleich dahinter mit -23,2.

Die anderen deutschen Paare konnten sich die Plätze 32 -Kai Rüder, 33- Andreas Dibowski und 36- Sandra Auffarth sichern. -30,2 bzw. -30,3 und -30,6 standen auf ihren Konten bis dato.

Ergebnisse Dressur

Erwartungsgemäß wirbelte der Geländetag dann einiges durcheinander. Dass die Zeit dann doch von 16 Paaren geknackt werden würde, haben vorher wohl nicht viele erwartet. (Übrigens schaffte es Christopher Burton trotz einer unglücklichen Verweigerung noch in die Bestzeit- nicht umsonst wird er der schnellste Geländereiter der Welt genannt..)

Der Geländetag entwickelte sich zum Leidwesen der Deutschen. Während Großbritannien alle vier Reiter null und auch noch innerhalb der Zeit ins Ziel brachte, ging die schwarz-rot-goldene Taktik nicht auf. Kai Rüder und Colani Sunrise brachten die sichere Runde ins Ziel- die etwas mehr als eingeplanten 43 Sekunden wurden am Ende dann aber deutlich teurer, als zuvor erhofft. Wie Bundestrainer Hans Melzer im Interview sagte, ritt Kai schon zügig, doch am letzten Berg ging es nicht mehr schneller, ein bißchen ging Colani Sunrise einfach die Puste aus. Platz 45 nach dem Gelände für die beiden.

Julia Krajewski startete in Führung liegend ins Gelände und durch ihre Vorleistungen vor allem auch in diesem Jahr im Sattel des Hannoveraners Chipmunk FRH zählte sie zu den großen Favoritinnen. Doch Julia hatte durch die Ergebnisse der letzten beiden Championate sicherlich auch einen Rucksack dabei, wenn es darum ging, selbstbewusst und konzentriert die Strecke anzugehen. Als Teamreiterin wurde der Druck nicht kleiner. Eine tolle Runde, aber.. wenn das Wörtchen wenn nicht wäre- eine Verweigerung schlug durch einen Vorbeiläufer zu Buche. Die daraus resultierenden Zeitfehler kamen noch hinzu, Platz 47 nach dem Gelände.

Andreas Dibowski und FRH Corrida lieferten ab, was für das 9-jährige Pferd derzeit im Rahmen des Machbaren steht. Sie hat noch keine 4* Erfahrung, Dibo ritt sie so, dass sie sicher im Ziel ankommen. Auch er berichtete, dass sie zwischen der sechsten und siebten Minute doch müde wurde, so wir er es im Vorhinein schon befürchtete. Doch mit 33 Sekunden über der Zeit sicher ein gutes Ergebnis, was aber an diesem Geländetag dazu führte, dass Dibo nochmals 6 Plätze verlor und sich nach dem Gelände an 39. Stelle wiederfand.

Ingrid Klimke bekam nun also die Order, dass sie nicht auf Sicherheit reiten brauche. Hans Melzer sagte, Schadensbegrenzungsmaßnahmen wären eh nicht mehr sinnvoll gewesen, Ingrid konnte für sich reiten. Und das tat sie. Mit SAP Hale Bob OLD hatte sie das mit Abstand am erfahrenste Pferd unter dem Sattel, mit den Erfolgen in Badminton und dem Kurs von Rio im Hinterkopf konnte sie dies ausspielen. Null und auf den Punkt in der Zeit- die Freude war groß. Sie sicherte dem Team zumindest noch Platz 6, der so wichtige Platz im Hinblick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

Einzelreiterin Sandra Auffarth fing mit ihrem Youngster Viamant du Matz gut an. Doch an Hindernis 10 zeigte Mat schnell, dass er dieser Aufgabe wohl noch nicht gewachsen ist. Sandra gab auf und beendete den Ritt.

„Wir waren nicht schlecht, aber die anderen viel besser“- so fasste es der Chef d’Equipe Jens Adolphsen zusammen…

Ergebnisse Dressur & Gelände

Nun begann das Chaos um den angesagten Sturm „Florence“. Für Sonntag wurden alle Wettbewerbe abgesagt, es fuhr kein Shuttlebus, es gab kein Catering. Also auch kein Springen für die Buschis. Nachmittags fand dann aber die Verfassungsprüfung statt. Zwei Pferde wurden vorher zurückgezogen, die weiteren 70 erhielten das „accepted“ nachdem zwei irische Pferde noch in die Holding Box mussten. Der Sturm kam dann zum Glück längst nicht zu schlimm in Tryon an, wie befürchtet.

Also hieß es für unsere Reiter, die Pferde locker und geschmeidig zu machen und zu halten. Heute fand dann das Springen statt- mit einem Tag Pause, was ein Novum war.

Julia Krajewski startete aus deutscher Sicht als erstes Paar. Ihr Chipmunk sprang sehr gut, beide hatten einen guten Rhythmus. Doch dann passierte es, an Sprung 9 fiel die Stange, an 12b fiel noch eine zweite. Da so viel passierte in diesem Springparcours, verbesserte sich Julia damit sogar noch um 8 Plätze an 39. Stelle im Endklassement.

Chipmunk FRH Julia KRAJEWSKI (GER*) ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

Kai Rüder und Andreas Dibowski spielten ihre ganze Stärke und Erfahrung im Parcours aus. Zwei harmonische Runden mit gut springenden Pferden, die je mit einer Nullrunde belohnt wurden. Für Dibo und FRH Corrida bedeutet dies am Ende Platz 28, für Kai Rüder und Colani Sunrise Platz 33.

FRH Corrida
Andreas DIBOWSKI (GER*) ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

FRH Corrida
Andreas DIBOWSKI (GER* ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

Kai Rüder Colani Sunrise ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

Nun lag es also an Ingrid Klimke, die mit „Bobby“ als Führende in den Parcours einritt. Rosalind Canter, die bis dahin Zweitplatzierte, hatte mit einem fehlerfreien Ritt vorgelegt und damit den Druck auf Ingrid nochmal erhöht. Es sah lange so aus, als wäre das Glück auf Ingrids Seite, auch eine klappernde Stange blieb lieber in der Auflage liegen. Doch am letzten Sprung flog dann doch die Stange zu Boden, mit ihr war die Goldmedaille und der nächste Titel erst einmal weg. Doch, nicht Gold verloren- Bronze gewonnen hieß es für Ingrid Klimke und ihrem SAP Hale Bob OLD ein Jahr nach dem Sieg bei den Europameisterschaften. Sicherlich war sie zunächst enttäuscht, aber im Interview sagte sie dann auch „hätte man mir vor 10 Tagen gesagt, dass ich hier Einzel-Bronze gewinne, hätte ich mich gefreut. Natürlich ist es jetzt schon schade, nachdem ich in Führung lag.“

In ein paar Tage wird dann auch die Freude überwiegen!

SAP Hale Bob OLD
Ingrid KLIMKE (GER*) ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

Das Team beendet die WM auf Platz 5 und hat damit das Mindestziel, die Olympiaqualifikation noch erreicht.

Rosalind Canter (GBR) wird mit Allstar B die neue Weltmeisterin vor dem Iren Padraig McCarthy mit Mr Chunky.

Endergebnisse WM

In Abwesenheit von Michael Jung sorgte nun also Ingrid Klimke, genau wie im letzten Jahr bei der EM dafür, dass die deutsche Fahne hochgehalten wird.

Diese WM hat uns vor allem eins gezeigt: Der Weggang von Chris Bartle als Geländetrainer tut weh. Während seiner Amtszeit in Deutschland galt es immer, wer eine Medaille haben möchte, muss erstmal besser sein, als die Deutschen. Nachdem er 2016 nach den Olympischen Spielen in Rio zum Nationaltrainer Großbritanniens wurde, konnte er im letzten Jahr direkt bei der EM und dieses Jahr bei der WM Mannschaftsgold mit seinem Team gewinnen, die Deutschen blieben bei beiden Championaten ohne Teammedaille.

Ingrid Klimke, die bei beiden Championaten eine Einzelmedaille gewann, erzählte im Rahmen der EM noch, dass sie das Gelände in Strzegom noch mit Chris abgegangen sei und sich Tipps geholt hatte.

Auch wird die Nominierungsentscheidung gegen Josefa Sommer und Jörg Kurbel zu Gunsten von Sandra Auffarth sicher noch einmal Thema sein, dazu aber später mehr. Heute freuen wir uns für Ingrid Klimke- die zweite, lang ersehnte Einzelmedaille beim Championat.

Die Einzelmedaillengewinner v.l. Padraig McCarthy, Rosalind Carter, Ingrid Klimke / Prüfung ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn