Vier Gründe und zwölf Regeln für den Erfolg

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2. Oktober 2014

Vier Gründe und zwölf Regeln für den Erfolg

von Dr. Hans G. Stürmann

„Die Erfolge unserer Vielseitigkeitselite führen in einer ganz steilen Kurve nach oben und stärken die Akzeptanz unserer Sparte im Pferdesport“ bilanziert Holger Heigel, der Vorsitzende des Vielseitigkeitsausschusses im DOKR. Als Gründe dafür sieht er neben dem veränderten Format vornehmlich vier Umstände: Eine systematische Vorbereitung auf die Championate, ein überragendes Trainerteam, zwei junge Ausnahmereiter und ein „Quentchen Glück“.

„Die Kaderkriterien werden im Spätherbst für das nächste Jahr überprüft sowie neu definiert und der Championatskader ebenso wie die anderen nationalen Kader berufen“ erläutert Holger Heigel. „Danach machen sich die Bundestrainer intensive Gedanken über ein individuelles Vorgehen mit dem anstehenden Championat als Ziel“. Dazu führen sie mit den Kaderreitern und auch mit Pferdebesitzern ausführliche Einzelgespräche, um die vorgesehenen Championatspferde im Zusammenwirken mit den Heimtrainern individuell so zu verbessern und in Prüfungen einzusetzen, dass sie zu ihrer optimalen Leistungsstärke kommen. Die Classics-Serie der Viersterne sowie die Serie der Nationenpreise rücken dabei ins zweite Glied. „Unser Nationenpreis ist die WM“ stellte Hans Melzer vor den Weltreiterspielen klar.

Mit den Bundestrainern Hans Melzer (63) und dem Briten Chris Bartle (62) fand der Vielseitigkeitsausschuss 2001 erstmals eine „externe Lösung“, die bis 2016 verlängert werden konnte, hebt Holger Heigel hervor. „Eine fantastische Ergänzung mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Stärken, die auch englische Horsemanship in unsere Kader hineingetragen hat. Mit ihrer positiven Grundstimmung haben beide eine hohe Motivation erreicht“. Dabei ist Cheftrainer Hans Melzer bei den Championaten vornehmlich für Kommunikation, Organisation und Logistik zuständig, während Chris Bartle, 1984 Siebter in der olympischen Einzeldressur und 1998 Badmintonsieger, den Reitern in der Praxis zur Seite steht. Beim ersten Abgehen der Geländestrecke macht er akribisch Fotos von allen Hindernissen, die er dann in einer kleinen Broschüre oder im iPad zusammenstellt. Danach geht er mit den Reitern einzeln durch den Kurs, macht passende Pläne für jedes Pferd sowie jeden Reiter und analysiert, worauf es beim Anreiten und Springen abkommt.

Nach der WM 2010 in Kentucky, wo Michael Jung Weltmeister wurde, das deutsche Team aber ebenso wie bei der EM 2009 enttäuschte, erklärte er den Reitern knallhart: „Ihr versagt im Gelände!“ Danach stellte er 12 Regeln auf, die seither als verbindlich gelten, ständig wiederholt und von allen Reitern befolgt werden. Unter den sechs Kaderreitern Michael Jung, Sandra Auffarth, Ingrid Klimke, Dirk Schrade, Andreas Dibowski und Peter Thomsen, die an der deutschen Goldserie beteiligt sind, hebt Holger Heigel Michael Jung mit viermal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze in der Einzelwertung sowie Sandra Auffarth, die bei ihren drei Einsätzen WM-Gold, EM-Silber und olympisches Bronze in der Einzelwertung gewann, als Ausnahmereiter und prägend für alle hervor. „Solche Vorbilder steigern als Sympathieträger auch die Attraktivität unseres Sports. Ein Riesenglück, dass beide so jung sind und mit Sam (14) und Opgun Louvo (12) auch über Ausnahmepferde verfügen. Zudem haben sie, ebenso wie Ingrid Klimke und andere Kaderreiter, hervorragende Nachwuchspferde, auf die sie reiterlich setzen können.“

Für die Zukunft bleibt Holger Heigel zuversichtlich: „Wir wollen die Kontinuität in der Weltspitze behalten“. Aber, so fügt er hinzu „ich wünsche mir keine Entwicklung, wo nur das Geld eine Rolle spielt. Wir haben nach wie vor den sorgfältigen Umgang mit der Kreatur zu sehen und gleichzeitig bei den Profireitern das Wirtschaftliche nicht aus den Augen zu verlieren“.