vielseitigkeitssport-deutschland.de im Gespräch mit: ELMAR LESCH

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vielseitigkeitssport-deutschland.de im Gespräch mit: ELMAR LESCH

Seinen Namen verbindet man in der internationalen Vielseitigkeitsszene sowohl mit sportlichem Erfolg als auch mit innovativen Vermarktungskonzepten für vollblutgeprägte Sportpferde, vornehmlich aus deutscher Zucht: Elmar Lesch. Wir konnten exklusiv ein Interview mit ihm führen.

Als Reiter vertrat Elmar Lesch zweimal die deutschen Farben auf Europameisterschaften, wurde u. a. in Luhmühlen Deutscher Vizemeister und feierte Siege bis CCI3* (jetzt CCI4*-L). Als Ausbilder junger Pferde stellte er – zumeist im Züchterauftrag – auf dem Bundeschampionat der Vielseitigkeitspferde mehrfach den Sieger und erritt darüber hinaus etliche Finalplatzierungen. Auch in den Erfolgsstatistiken der Weltmeisterschaften für vielseitige Nachwuchspferde findet man wiederholt seinen Namen.

Elmar Lesch- Bild: Thomas Ix

Bereits Mitte der 80er Jahre zog es den gebürtigen Franken und damals frischgebackenen Pferdewirtschaftsmeister nach Norddeutschland, wo er sich 1988 selbstständig machte. Seit 1994 betreibt er seine eigene Anlage am Rande der Lüneburger Heide in Bavendorf. Sie ist heute für Züchter mit Verkaufsabsichten ebenso wie für Kaufinteressenten aus der ganzen Welt eine renommierte Adresse und fester Anlaufpunkt, insbesondere wenn Elmar Lesch im Rahmen seiner Verkaufstage gleich eine ganze Kollektion qualitätvoller Vielseitigkeitspferde präsentiert.

Darüber hinaus machte kürzlich eine Nachricht über die „Wiederbelebung“ eines Geländetrainingsparks in Niedersachsen die Runde, an der sich Elmar Lesch beteiligt.

Interessante Projekte und eine Persönlichkeit des deutschen Vielseitigkeitssports, die neugierig machen – wir hatten die Gelegenheit zu einem Interview:

 

vielseitigkeitssport-deutschland.de (VSD): Elmar, es gibt hierzulande wohl kaum jemanden, der mehr junge Pferde so erfolgreich in den Sport gebracht hat als du. Was ist die Basis für diese Beständigkeit?

Elmar Lesch: Ganz einfach: der Spaß an der Arbeit vor allem mit jungen Pferden, jeden Tag motiviert in den Sattel zu steigen und schlicht Freude an ihren Fortschritten in der täglichen Arbeit zu haben. Die Vielseitigkeit erfordert neben einem disziplinübergreifenden Training vor allem Vertrauen vom Pferd zum Reiter und umgekehrt. Eine solide und möglichst längerfristig angelegte Ausbildung, die es gegebenenfalls erlaubt zum Wohle des Pferdes auch mal „einen Gang zurückzuschalten“, zahlt sich deshalb erfahrungsgemäß in jeder Hinsicht aus.

Elmar Lesch- Saint Germain / Langenhagen 2017 /
Bild: Kerstin Hoffmann www.eventing-art.com

VSD: Bereits Ende der 80er Jahre hast du als einer der ersten Profireiter in Deutschland deine Schwerpunkte sportlich auf die Vielseitigkeit und geschäftlich auf die Ausbildung und den Verkauf vollblutgeprägter Pferde gelegt – damals sicher ein ganz besonderes Wagnis, oder?

Elmar Lesch: Sicher, aber wie sagt man so schön: „wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ Jeder, der den Schritt in die Selbstständigkeit geht, sieht sich mit dieser Situation konfrontiert. Rückblickend, insbesondere auf die jüngste Entwicklung innerhalb des Vielseitigkeitssports und den damit verbundenen Begehrlichkeiten der Kundschaft, gibt mir mein damaliges „Wagnis“heute sicher einen Vorsprung bzw. hierzulande fast eine Alleinstellung als Bindeglied zwischen Angebot und Nachfrage. Ich denke da zum einen an die z. T. langjährigen Kontakte zu den Züchtern, die mir ihre Youngster regelmäßig zur Ausbildung anvertrauen. Ihnen kann ich mit Know-How und weitreichenden Kontakten zu Käufern aller Alters- und Leistungsklassen sowie meinen ganzjährigen Vermarktungsaktivitäten sowie der Sales-Days professionelle Rahmenbedingungen und attraktive Plattformen bieten, die sie in dieser Form in Deutschland auch von Seiten der Zuchtverbände nirgendwo anders finden. Das macht eine Investition der Züchter in die Ausbildung lohnenswert! Zum anderen habe ich für suchende Käufer oft gleich mehrere interessante und zumeist mit altersgemäßen Erfolgen dekorierte Aspiranten zur Auswahl im Stall, deren Werdegang ich lückenlos und transparent dokumentieren kann.

Elmar Lesch- Bild: Thomas Ix

 

Die Eltern von Nachwuchstalenten verlassen sich gern auf den Rat von Elmar Lesch

 

VSD: Man sagt Dir nach, ein besonderes Auge bzw. Gespür für die passende Reiter/Pferd Kombination zu haben. Deshalb verlassen sich insbesondere Eltern von Nachwuchsreitern gern auf Deinen Rat. In der Tat ist die Liste der Erfolgspaare, die über die Jahre mit Deiner Hilfe zusammengefunden haben, beeindruckend lang – alle zu nennen, würde hier sicher den Rahmen sprengen. Würdest Du uns trotzdem ein bis zwei Paare aus der jüngeren Vergangenheit verraten, deren Namen vielleicht dem einen oder anderen bekannt sein dürften?

Elmar Lesch: Ein schönes Beispiel ist „Rapunzel vom Quellhof“, mit der Antonia Baumgart seinerzeit sehr erfolgreich in den gehobenen Juniorensport hineingewachsen ist. Die Stute kam 5-jährig im Frühjahr zu mir zur Ausbildung in den Stall. In den folgenden Monaten wurde sie von meinem Team auf Turnieren vorgestellt. Als sie nach der Saison an Familie Baumgart verkauft wurde, hatte sie in Aufbauprüfungen, Dressur, Springen und Vielseitigkeit bereits mehrere Siege, schöne Platzierungen und somit beste Empfehlungen für ihre zukünftige Aufgabe. Mit Antonia feierte sie daraufhin u. a. insgesamt 4 Siege auf  1*-Level und galoppierte in der 2*-Klasse bis auf Platz 2. Der Wunsch von Familie Baumgart, einen nahtlosen Übergang Antonias vom Pony auf das Großpferd zu schaffen ging mit „Punzi“ damit voll in Erfüllung!

Antonia Baumgart- Rapunzel vom Quellhof auf dem Weg zum Sieg in Floors Castle / Bild: John Grossik – www.grossik.co.uk

 

Mit großer Freude verfolge ich derzeit z. B. den sportlichen Werdegang von „Carjatan S“ und Christoph Wahler, die im vergangenen Jahr u. a. Gewinner des U25 Förderpreises waren und in hochkarätig besetzten Prüfungen auf (bis dato) 3*-Level bereits mehrere sportliche Ausrufezeichen setzten. Als Familie Wahler 2014 auf der Suche nach einem Spitzennachwuchspferd auf mich zu kam, waren alle Beteiligten sofort überzeugt, mit diesem hochtalentierten und bereits damals auffällig leistungsbereiten 5-jährigen Youngster das passende Pferd für Christoph zur Weichenstellung in Richtung internationalem Top-Sport gefunden zu haben. Dank der weiteren optimalen Förderung steht diesem Paar nun wie erhofft das Tor zur Teilnahme an großen Championaten offen.

Carjatan S
Christoph WAHLER (GER) / Luhmühlen CIC3* / CCI4* 2018 ©AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

 

VSD: Ein weiteres Ausbildungspferd von Dir, das uns noch in guter Erinnerung ist, sorgte seinerzeit als Seriensieger in Geländepferdeprüfungen mit Noten bis 10,0 für Furore – was ist aus dem Trakehner „Basmati“ geworden?

Elmar Lesch: Er hat sich hervorragend weiterentwickelt. Basmati wurde 6-jährig an Sponsoren von Andrew Hoy verkauft, der in ihm auch ein potentielles Pferd für seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo 2020 sieht. Im letzten Jahr platzierten sich die beiden u. a. im CCI3* in Millstreet.

 

VSD: Kommen wir nochmal zurück zu Deinen Verkaufstagen, die vom 2. bis 9. März 2019 anstehen. Sind unter den Aspiranten der aktuellen Kollektion Pferde, die in die Fußstapfen der genannten Beispiele treten können?

Elmar Lesch: Die Kollektion ist diesmal vergleichsweise übersichtlich, aber ich sehe dort durchaus Potential und eine hohe Wahrscheinlichkeit, das eine oder andere Pferd vielleicht schon in diesem oder nächsten Jahr z. B. auf Bundes- oder Juniorenchampionaten wiederzusehen. Bei der Auswahl habe ich auf die Wünsche meiner Kunden nach qualitätvollen, gut ausgebildeten Pferden mit dem nötigen Vollblutanteil auch diesmal wieder besonderen Wert gelegt.

 

VSD: Und wenn man ein Pferd bei dir kauft, darf man auch weiter auf deinen Rat bzw. das Know-How deines Teams setzen?

Elmar Lesch: Meine Serviceangebote richten sich sowohl für Züchter als auch an Kunden, die sich und ihre Neuerwerbung weiter sportlich fördern lassen möchten. Züchter können durchaus von dem „Prädikat“ einer Teilnahme am Bundeschampionat profitieren wenn sie ihren Youngster verkaufen möchten. Letztendlich zählt im Einzelfall aber die Gesamtbilanz. Mein Team und ich haben in den vergangenen Jahren verschiedene Pferde, die über meinen Ausbildungsstall verkauft wurden, in Warendorf, aber auch auf vielen anderen Turnierplätzen vorgestellt und an neue Besitzer vermittelt. Mehrere dieser Ausbildungspferde haben wir nach dem Verkauf weiterhin mit ihren neuen Reitern im Training unterstützt und auf Wunsch bzw. bei Gelegenheit auch auf Turnieren begleitet.

Elmar Lesch ©Lutz KAISER AGENTUR datenreiter, Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad-Georgenborn

 

VSD: Gibt es darunter ein Pferd, welches Dir in besonderer Erinnerung ist?

Elmar Lesch: Wenn man den Ausbildungsweg und die spätere Karriere betrachtet, ist der Hannoveraner „Windsor H“ sicher ein hervorragendes Beispiel. Er kam 4-jährig direkt vom Züchter zu uns und ich stellte ihn 5- und 6-jährig erfolgreich auf dem Bundeschampionat vor. Im Herbst 2006 wechselte „Windsor H“ zu Maria Sendagorta nach Spanien, wo er auch heute – mit inzwischen 19 Jahren – noch zur Familie gehört. Maria ritt damals noch in der Altersklasse der Jungen Reiter. 2007 nahm sie mit „Windsor H“ an den Weltmeisterschaften für 7-jährige Vielseitigkeitspferde in Le Lion d´Angers teil. Anschließend stand für Maria der Wechsel in das Seniorenlager an, welcher perfekt gelang. Bereits 2009 gewann das Paar die spanische Meisterschaft, 2011 wiederholten Maria und „Windsor H“ diesen Titelgewinn mit einem Sieg im CCI3* in Jerez de la Frontera und nahmen im gleichen Jahr in Luhmühlen an der Europameisterschaft teil. Das Karrierehighlight folgte 2014 mit der Teilnahme an den Weltreitersielen in Caen.

Maria Pinedo Sendagorta- Windsor H- EM 2011- Bild: Thomas Ix

Fotos oben: Einmal mehr bewies Elmar Lesch bei „Windsor H“ das richtige Gespür für das passende Pferd für eine aufstrebende junge Reiterin. Maria Sendagorta etablierte sich mit dem Hannoveraner Wallach in der Weltspitze. Wenn Championate anstehen, läßt sie sich nach wie vor gern von Elmar Lesch begleiten. Seit 2006 vertraut Familie Sendagorta auf seinen Blick bei der Auswahl ihrer Pferde sowie seine Unterstützung beim Training. 

 

VSD: Eine echte Bilderbuchkarriere! Du berätst und begleitest Familie Sendagorta also seit vielen Jahren und auch heute noch, nicht wahr?

Elmar Lesch:  Ja, das stimmt. Marias jüngere Schwester Cristina ist ebenfalls sehr erfolgreich im internationalen Spitzensport unterwegs. Auch ihr gelang es, auf Anhieb im Seniorenbereich zu bestehen. Auf den Weltreiterspielen 2014 ritten sogar beide gemeinsam im spanischen Team. Wann immer es die Zeit erlaubt, kommen Maria und Cristina für ein paar Wochen zum Training zu mir nach Bavendorf oder ich besuche sie von Zeit zu Zeit auf ihrer Anlage in der Nähe von Madrid. Auch Cristina hat bei mir die Pferde gefunden, mit denen sie zunächst als Nachwuchsreiterin Erfolge z. B. auf Europameisterschaften der Jungen Reiter feierte und später den Durchbruch in die internationale Spitze schaffte – so auch ihr Championatspferd von 2014, „Helena XII“.

 

Das neueste Projekt: Training und Lehrgänge von Klasse E – L im Geländepark bei Hitzacker

 

VSD: Gerade wurde bekannt, dass Du dich im Rahmen eines neuen Gemeinschaftsprojektes für den Erhalt bzw. die Wiederbelebung eines Geländeplatzes engagierst. Wer ist mit im Boot und was kannst Du uns dazu sagen?

Elmar Lesch: Es handelt sich um den „Geländepark Pferdeschulze Elbtalaue“ in Wietzetze bei Hitzacker. Ich freue mich sehr, dass sich hier mit der Familie Schulze, die das Landhotel Hitzacker betreibt, der Reitsportgemeinschaft Flinten u. U. e.V. um Familie Buhr und dem Elmar Lesch Eventing Team eine Kooperative gebildet hat, die sozusagen „von Reitern für Reiter“ weitere attraktive Trainingsmöglichkeiten schafft. Wir planen ab März 2019 regelmäßige Trainingstage und Lehrgänge bei unterschiedlichen, namhaften Ausbildern. Die Gegebenheiten dort sind einfach klasse! Das Gelände ist komplett eingezäunt und bietet auf ca. 6 Hektar Fläche ausreichend Platz. Der Boden ist nahezu wetterunabhängig und neben den bereits vorhandenen Hindernissen wie Gräben, Wasser, Treppen etc. verfügen wir über eine üppige Auswahl an mobilen Hindernissen, sodass man dort im Bereich von Klasse E bis L alle Aufgaben trainieren kann. Zudem können Besucher mit einem längeren Anfahrtsweg im Landhotel Hitzacker Quartier und Gastboxen beziehen, was den Platz nicht nur für Reiter aus der hiesigen Region zu einem sehr interessanten Anlaufpunkt machen sollte.

 

VSD: Plant ihr dort auch Turniere und wo kann man sich z. B. über die Lehrgangstermine informieren?

Elmar Lesch: Ja, wir wollen Anfang Mai das erste Turnier veranstalten. Der Platz bietet eine herrliche Kulisse, wie man sie sich insbesondere für Geländepferdeprüfungen oder z. B. Stil-Geländeritte wünscht. Uns liegt vor allem am Herzen, dass Nachwuchsreiter, Amateure und junge Pferde hier Routine sammeln und sich wohl fühlen. Zur Turnierpremiere werden Stilgeländeritte der Klassen E und A sowie eine Geländepferdeprüfung Kl. A ausgeschrieben. Infos zu den Veranstaltungsterminen bekommt man auf der neuen Facebookseite „Geländepark Pferdeschulze Elbtalaue“ (@GelaendeparkPE).

VSD: Das klingt, als bekäme die deutsche Buschreiterszene von Dir auch in Zukunft viel(seitige) neue Impulse! Wir werden Deine Aktivitäten gern weiterhin im Blick behalten, vielen Dank für das Gespräch.

Titelbild: Thomas Ix