Vielseitigkeitskader für 2015 gut aufgestellt

Von Dr. Hans G. Stürmann

Die deutsche Vielseitigkeit ist mit ihren drei Bundeskadern der Senioren für die nächsten Jahre gut aufgestellt. „Viele Pferde mit großem Potential und talentierte Nachwuchsreiter neben Etablierten machen sehr zuversichtlich, dass wir weiterkommen werden“. Das istdie erfolgversprechende Perspektive für Holger Heigel, den Vorsitzenden des Vielseitigkeitsausschusses im DOKR.

Den Kern des Championatskaders stellen 2015 weiterhin die Mannschaftsreiterinnen und -reiter, die zu dem Teamgold bei den letzten vier internationalen Championaten seit 2011 beitrugen: Olympiasieger und zweifacher Europameister Michael Jung und Ingrid Klimke je viermal, Weltmeisterin Sandra Auffarth und Dirk Schrade je dreimal, Andreas Dibowski zweimal sowie Peter Thomsen, der 2012 im Olympiateam und dreimal als Einzelreiter startete. Zurückgekehrt in den Championatskader ist wieder Bettina Hoy und neu hinzugekommen ist Andreas Ostholt.

Aus dem B-Kader zum Vier-Sterne-Level

In dem B-Kader, dessen Mitglieder eine Qualifikation für Seniorenchampionate erwarten lassen, gilt ein besonderes Augenmerk den drei Jüngsten.
Für Niklas Bschorrer, der im November 20 Jahre als geworden ist, und Claas Hermann Romeike, der im kommenden Januar 22 Jahre alt wird, ist für 2015 das Debüt auf Vier-Sterne-Level geplant. Die 22jährige Pia Münker, seit 2013 Mitglied in der Warendorfer Perspektivgruppe und Soldatin in der Sportförderungsgruppe der Bundeswehr, soll über Drei-Sterne-Prüfungen in den höchsten Level hineinwachsen. Zudem haben sich Julia Krajewski sowie Anna-Maria Rieke bereits in Nationenpreisen als Teamreiterinnen bewährt. Dabei ruhen nun auf der 26jährigen Julia Krajewski, die seit vier Jahren der Perspektivgruppe angehört und als Nachwuchsführungskraft in Warendorf ihr Diplomtrainerstudium abschließt, besondere Erwartungen, weil sie neben ihren beiden erfahrenen Pferden den neunjährigen Samourai du Thot einsetzen kann, den Bundestrainer Hans Melzer für „ein Pferd mit ganz, ganz viel Zukunft“ hält, und der für sie in Frankreich von derselben Expertin entdeckt wurde, die auch Opgun Louvo empfohlen hatte.

Der B2-Kader wird für 2015 erweitert und verjüngt.

Dem auf 13 Mitglieder erweiterten und zugleich verjüngten B2-Kader, von dem Platzierungen auf Drei-Sterne-Niveau erwartet werden, gehören 2015 mit Charlotte Sophia Hachmeister (1. EM Junge Reiter 2014), Leonie Kuhlmann (6. EM), Jule Wewer (10. EM) und Gregor Bensmann (16. EM) Nachwuchstalente an, die 2015 dem Alter der Jungen Reiter (bis 21 Jahre) entwachsen sind. „Wir wollen sie gezielt in den Drei-Sterne-Bereich hineinführen und nach ihrer Zeit als Junge Reiter nicht außerhalb der Kader fallen lassen“ erklärt Hans Melzer.
So ist es für Reiter mit Kaderstatus leichter, Besitzer zu finden, die bereit sind, talentierte Pferde zur Verfügung zu stellen. Dazu betont Holger Heigel, dass für diese und weitere junge Talente aus dem B2-Kader die Turnierkosten von dem DOKR übernommen werden, da B2-Kadermitglieder nicht so wie der Championats- und B-Kader von der Deutschen Sporthilfe Unterstützung zu den laufenden Kosten erhalten. Zudem bietet das Bundesleistungszentrum Warendorf (BLZ) allen B2-Kadermitgliedern
weitere Hilfe: „Im BLZ haben sie die permanente Gelegenheit, alle Anlagen und den Trainerstab kostenlos zu nutzen, und bei der Einstellung ihrer Pferde müssen sie nur den geringen Kadersatz zahlen“ erläutert Fritz Otto-Erley, der Leiter der FN-Abteilung Turniersport und stellvertretender Geschäftsführer DOKR. Diese Möglichkeiten werden auch regelmäßig genutzt und tragen zur Auslastung des BLZ bei.

Ausbildungsgratifikationen für die besten U25-Reiter

Seit 2012 bietet der U25-Förderpreis Reiterinnen und Reitern zwischen 18 und 25 Jahren mit siebenjährigen oder älteren Pferden jährlich die Möglichkeit, in einer Serie festgelegter CIC2* und CIC3* mit guten Platzierungen für Ausbildungshilfen zu punkten.
Die jeweils drei Bestplatzierten jeder Wertungsprüfung erhalten eine Ausbildungsgratifikation von 750/500/250 Euro bei CIC2* bzw. 1.500/1.000/500 Euro bei CIC3*. Die drei Besten der Serie, für welche die drei besten Ergebnisse zählen, wobei mindestens eine CIC3*-Platzierung verlangt wird, erhalten weitere Ausbildungsgratifikationen von 3.500/3.000/2.500 Euro.
Zudem wird die Siegerin bzw. der Sieger der Serie zu einem zehntägigen Trainingsaufenthalt bei Bundestrainer Chris Bartle in dessen englischem Yorkshire Riding Center eingeladen. 2014 erwies sich Pia Münker als die beste U25-Reiterin, nachdem es 2013 Benjamin Winter und 2012 Julia Krajewski waren. Auf den Rängen zwei und drei rangieren 2014 die B2-Kaderreiterinnen Freya Füllgraebe und Franziski Keinki.

Die FN-Perspektivgruppe Vielseitigkeit sucht Profinachwuchs.

Eine bereits seit 2002 bestehende Möglichkeit der gezielten Nachwuchsförderung, zu der neben Talent und hervorragenden Leistungen aber auch die Bereitschaft verlangt wird, den Vielseitigkeitssport professionell ausüben zu wollen, besteht mit der FN-Perspektivgruppe Vielseitigkeit. Aus ihr sind u.a. Frank und Andreas Ostholt, Dirk Schrade und Sandra Auffarth hervorgegangen. Gegenwärtig gehören ihr nur Julia Krajewski und Pia Münker an, nachdem Benjamin Winter im Juni 2014 tödlich verunglückt ist und Stephanie Böhe die Gruppe verlassen hat, um als Chefbereiterin im Stall von Sandra Auffarth zu arbeiten.
Die Verpflichtung, für vier bis sechs Jahre in Warendorf zu bleiben, um im BLZ in Kooperation mit der Sportschule der Bundeswehr zum professionellen Sportler ausgebildet zu werden, erscheint offenbar manchem Nachwuchstalent für die persönliche Lebensplanung zu belastend, zumal dann, wenn ein Studium geplant ist oder sich die weitere Förderung im elterlichen Umfeld bietet. „Wir möchten dieses erfolgreiche Projekt, das in etlichen Ländern bereits kopiert wird, gerne mit weiteren Kandidaten fortsetzen und suchen dazu intensiv nach talentierten jungen Leuten, die ihren Lebensmittelpunkt in der Vielseitigkeit suchen“ betont Fritz Otto-Erley.

Eine finanzielle Absicherung ist schwierig

Holger Heigel bedauert, dass talentierte junge Reiterinnen und Reiter noch zu häufig an dem Problem scheitern, das für sie zwischen Kosten und Einnahmen erwächst. Wo die elterliche Förderung nicht ausreicht, sei es oft schwierig, durch eine stärkere finanzielle Unterstützung die verlässliche Grundlage für eine beginnende Reiterkarriere abzusichern. Aber auch hier ist der in Wirtschaftskreisen gut vernetzte Ausschussvorsitzende zuversichtlich: „Eine Gruppe von Unterstützern formiert sich. Das könnte eine unheimliche Ausstrahlung haben und die Vielseitigkeit dort hinbringen, wo sie hingehört“.