Trainingsaufenthalt bei Christopher Bartle im Yorkshire Riding Centre

Die Reiter des Championatskaders stehen bereits alle unter dem Einfluss seines Trainings – die junge Garde nutzt dies ebenfalls: gemeint ist Bundestrainer Christopher Bartle. Der Badminton-Sieger von 1998 und Olympia-Teilnehmer (in der Dressur) von 1984 steuerte einen großen Anteil zu den Erfolgen der deutschen Vielseitigkeitsreiter bei den vergangenen Championaten bei.

Christopher Bartle betreibt das Yorkshire Riding Centre in Harrogate, North Yorkshire. Dort hält er optimale Bedingungen für das Training von Vielseitigkeitspferden vor. Ein Trainer der Spitzenklasse und optimale Trainingsbedingungen – was liegt näher, als dass die deutschen Nachwuchsreiter dort einen Trainingsaufenthalt einplanen.

In den letzten Wochen befand sich Christoph Wahler für 5 Wochen im Yorkshire Riding Centre. Durch eine finanzielle Unterstützung wird ihm dieser Aufenthalt von der Stiftung deutscher Spitzenpferdesport ermöglicht. Er ist mit seinen drei derzeit wichtigsten Pferden angereist: dem 9 jährigen Iren „Green Mount Flight“, dem 9 jährigen Trakehner „Sammy Deluxe“ und dem 6 jährigen Holsteiner „Carjatan“. Während seines Aufenthaltes sind drei Turnierstarts geplant. In Floors Castle (Schottland) ging er mit Green Mount Flight im CIC2* an den Start und wurde nach fehlerfreiem Springen und Gelände 17. In Rockingham Castle konnte Christoph mit Sammy Deluxe die CIC2* Prüfung gewinnen. Dies war sicher eine gute Einstimmung für den Abschluss seines Englandaufenthaltes: Das CICO3* in Houghton Hall ritt er mit Green Mount Flight. Seine anderen Pferde werden derzeit von seinem Vater Burkhard Wahler betreut.

Für Christoph hat sich der Aufenthalt bei Christopher Bartle bereits jetzt gelohnt: „Durch Chris hat sich mein Training noch etwas abwechslungsreicher gestaltet, als vorher. Er geht sehr genau auf das Pferd ein und möchte individuell Lösungen finden, was für ein Training für das jeweilige Pferd zu welchem Zeitpunkt vor dem Turnier am optimalsten ist. Außerdem hat Chris mit mir viel an meiner Sitzposition gearbeitet, um effektiver auf meine Pferde einwirken zu können – ich denke das hilft mir im Training in allen drei Disziplinen.“

Den Tagesablauf im Yorkshire Riding Centre beschreibt Christoph Wahler: „Für gewöhnlich fange ich um 7 Uhr morgens mit der Stallarbeit und dem Versorgen der Pferde an. Anschließend bespreche ich mit Chris den Tagesplan für die jeweiligen Pferde und wir verabreden Zeiten um die Pferde gemeinsam zu arbeiten. Dazu kommen für die Pferde noch Ausritte in dem bergigen Gelände rund um das YRC und außerdem ausgiebiger Weidegang (jedes Pferd 4-5 Stunden).“

Die bergige Landschaft weiß Christoph auch schon zu schätzen, denn in Sachen Kraft und Ausdauer ist das ständige „rauf und runter“ enorm hilfreich. Auch trägt es zur Schulung des Gleichgewichtes bei, was Christoph auch bei seinen Pferden als positiven Effekt bemerkt hat.

Zuhause möchte Christoph seine Sitzposition weiter ausarbeiten. Zudem bleibt ihm im Kopf „das sehr exakte Reiten in allen drei Disziplinen“. „Chris legt sehr viel Wert darauf, dass man alle Linien früh genug plant und sieht – und dann auch genauso reitet.“

„Ich vermittle eigentlich keine Geheimnisse“, so Christopher Bartle über seine Arbeit. „Ich sehe das gesamte Training und die Arbeit mit den Pferden als einen Zusammenhang von Dressur, Springen und Geländereiten. Und was mir sehr am Herzen liegt, ist Horsemanship zu leben.“

Laut Christopher Bartle, der ganzjährig ausgewählte Schüler aus aller Welt trainiert, zeigt sich seit seiner Zeit als Bundestrainer ein markanter Wandel in der deutschen Reitausbildung: „Die Sitzposition von deutschen und englischen Vielseitigkeitsreitern, besonders in den Einsteigerklassen, unterschied sich massiv. Doch so langsam zeigt sich, dass auch die Ausbildung an der Basis mehr und mehr auf den Sicherheitssitz hinarbeitet.“ Wo das hinführen kann, zeigen beispielsweise die hocherfolgreichen Kaderreiterinnen Sandra Auffarth und Julia Krajewski. Beide waren zu Trainingsaufenthalten im Yorkshire Riding Centre „und haben ihre Sitzposition zuhause immer weiter verfeinert“. Sandra Auffarth ist derzeit wieder bei ihm, um sich mit ihren Pferden weiter ausbilden zu lassen.

Einen großen Unterschied machen laut Bartle auch die Prüfungen in England: „Hier reitet Woche für Woche jeder Amateur seine Prüfungen mit Reitern der Weltspitze wie William Fox-Pitt und Pippa Funnell. Zudem sind 3-4 mal so viele Reiter am Start, wie in den deutschen Prüfungen. Da kann man viel mehr abschauen und davon auch einiges lernen.“ Auch sei es für die Nachwuchsreiter aus Deutschland ein Ansporn, sich mit eben diesen Reitern messen zu können. Denn eine solide Grundausbildung brachten die deutschen Reiter bisher alle mit zu ihm ins Yorkshire Riding Centre.

Diese Grundausbildung gepaart mit der akribischen Verfeinerung von Chris Bartle scheint sich auszuzahlen, sieht man sich die deutschen Championatserfolge der letzten Jahre an.

114Christopher Bartle führte die deutschen Bundeskaderreiter zu einer Menge hochkarätiger Erfolge:
bei Championaten und CCI4* ging die Quote der vorderen Platzierungen für deutsche Reiter deutlich nach oben

Wiebke Struck