Top 10 Erinnerungen an Tryon, aus denen 11 wurden

1. Die netten Amerikaner
Ob am Flughafen, im Hotel im Shuttle oder auf der Turnieranlage selbst, wir haben selten so viele nette, freundliche Menschen erlebt. Auch wenn auf der Großbaustelle Tryon nicht alles geklappt hat und längst nicht alles fertig war, wir waren doch immer wieder erstaunt, wie nett, hilfsbereit und freundlich die Amerikaner uns begegneten.

2. Plastik-Geschirr
Auch das gibt es in Deutschland nicht zu erleben, hier gibt es alles in Plastik, Styropor und zum Wegschmeißen. Selbst das Frühstück im Hotel bestand aus Styropor Tellern, Löffeln, Bechern, die Umweltbilanz ist eine Katastrophe, aber das natürlich hauptsächlich mir der Mentalität der Amerikaner im Verhältnis zum Umweltschutz zu tun.

3. Das verrückte Labyrinth
Jeden Tag gab es eine neue Streckenführung, waren neue Zäune errichtet, alte entfernt oder anders gestellt. Wege, die man sich von gestern gemerkt hatte, waren heute nicht mehr da. Wie im verrückten Labyrinth war jeden Tag alles wieder neu. Einige nannten es Chaos und Planlosigkeit – wir hatten dadurch aber auch immer wieder neue Möglichkeiten, mehr von der Anlage zu entdecken und nah an die Reiter zu kommen.

4. Apropos Dimensionen
Sowas hat man noch nicht gesehen wie diese Anlage. Schon jetzt ein Traum für jeden Reiter, da will man sich gar nicht vorstellen, wie es sein muss, wenn sie mal vollkommen fertig sein wird. Wer Aachen kennt, der kennt eine große Anlage, aber das ist kein Vergleich zum Tryon International Equestrian Center – da ist schon jeder Abreiteplatz größer als so mancher Prüfungsplatz. Und die Menge der Abreiteplätze… wo Aachen 2 hat, hat Tryon 5. Es gibt 2 oder später 3 Stadien und vom Gelände wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Masse der Golf-Caddys, die Reiter, Trainer, Pfleger, Medienvertreter und VIPS kutschiert haben, waren kaum zu zählen. Das sind mal amerikanische Ausmaße. Und beim Thema Internet sind die Amerikaner uns eh ein paar Schritte voraus: Im Pressezentrum war sicher das schnellste WLAN, das wir bisher erlebt haben. Und generell gab es einfach überall kostenlose Hotspots, ob im Shuttle-Bus, im Outletcenter und auf dem ganzen Turniergelände.

5. Neue Journalisten-Erfahrung „Mixed Zone“
Das war spaßig, wenn man es da nur lange genug aushielt und am richtigen Punkt zur richtigen Zeit war und dann auch noch die richtige Technik dabei hatte, konnte man hier fast jeden Reiter einmal erwischen. Alle Reiter wurden nach ihren Ritten dorthin geführt und sie ‚mussten‘ der Presse oder dem Fernsehen Rede und Antwort stehen. Aber jede Kategorie musste sich einordnen – erst das Fernsehen (die Rights-Holder), dann die Journalisten, die schreiben (und mit Audio Geräten oder Block da stehen), dann Digital Media (mit Cam/Mikro oder Handy).

6. Florence – was war das noch?
Wir haben die Schreckensbilder im Fernsehen gesehen – gegeben hat es den Hurricane. Aber in Tryon kam er jedenfalls nicht an. Ob der abgesagte Sonntag übertriebene Vorsicht oder Panikmache war? Als Nicht-Hurricane-erfahrene Europäer haben wir davon keine Ahnung und maßen uns das auch nicht an. Die Sicherheit der Zuschauer steht sicher über allem. Aber es gab selten eine WM, wo so viel übers Wetter geredet, Zeitpläne verändert oder gar ganze Prüfungen gestrichen wurden. Man muss sich nur mal vorstellen, dass die Dressur-Kür am Sonntag ausverkauft war! Als so ziemlich einzige Prüfung. Mit Ticketpreisen bis 400$ auch nicht gerade ein Schnapper. Sicher war es Sonntag nass, es hat geregnet, aber nicht schlimmer als in Deutschland bei Regenwetter auch – so mutierte der für Sonntag geplante, dann abgesagte und dann doch wieder durchgeführte VetCheck der Buschis Ende zu einem WET-Check mit Gummistiefeln und Regencape.

7. “Charlotte is the only one, who will ride Freestyle today“
Carl Hester machte sich ein (lustiges) Wortspiel für alle, die schon darüber lachen konnten. Die Dressurkür fiel komplett aus und Charlottes Pferd heißt “Freestyle“.

8. 3-Day-Event?
Ob das noch zeitgemäß ist? Vielleicht sollte man es eher als 5-Day-Event wie in Tryon planen, mit 1-2 Tagen Pause zwischen den Prüfungen?

9. “Eventing – the most frustrating sport in the world“
– erzählte uns ein FEI Kommentator der Western- und Springreiter. Er selbst mit 2 Töchtern, die Vielseitigkeit reiten. Er fasste das ungefähr so zusammen: Ein Wochenende fährt man los, hat eine super Dressur, dann passiert was im Gelände und man wird nicht mehr platziert, nächstes Wochenende geht’s wieder los, da läuft die Dressur nicht so, da hat man eh keine Chance mehr und dann geht’s wieder los. Oder es fällt im abschließenden Spingen eine Stange…. Man kämpft und reitet und versucht, die Pferde selbst auszubilden und doch wird man wegen einer Kleinigkeit dann nicht mehr platziert, dann gibt es viel weniger Geld als in allen anderen Disziplinen, eigentlich zahlt man immer nur drauf. Und und und… wir mussten sooo lachen, denn irgendwie hat er Recht. Aber die Faszination des Sports kennen wir alle und darum machen wir es auch!

10. KRIBBELN vor lauter Spannung
Am Montag während des abschließenden Springens war die Aufregung und Spannung der Reiter, Zuschauer und allen Anwesenden quasi greifbar. Es gab selten ein so spannendes Finale wie das der Weltreiterspiele. Schon zu Anfang gab es viele Fehler und das zog sich auch zur Top-20 durch. Vieles wurde durcheinandergewirbelt, ob es Zeit- oder Hindernisfehler waren. Und dann kamen die letzten 5. Und natürlich Ingrid Klimke, die Führende, die nach 2 klappernden Stangen dann am letzten Sprung den Fehler hatte. Was für ein Finale!

11. TEAMLEISTUNG
Unser elfter Punkt, der nicht unerwähnt bleiben soll – denn wir waren doch sehr beeindruckt, wie sehr das deutsche Team zusammenhält. Ob es Strategien austauschen, das Gelände-Abgehen, sich gegenseitig Tipps geben oder auch gemeinsam die Pferde nach dem Gelände runterkühlen, wir haben sie oft zusammen gesehen, jeder hat jedem geholfen und war beim anderen da. Das war wirklich toll zu sehen. Gänsehaut!

Die Mannschaft / WEG Tryon 2018 / Bild: Lutz Kaiser – agentur datenreiter