Springreit-Legende Hans Günter Winkler im Alter von 91 Jahren verstorben

Fünf olympische Goldmedaillen, sieben olympische Medaillen insgesamt, zwei Weltmeistertitel und 105 Nationenpreiseinsätze – keine Frage: Hans Günter Winkler war eine einzigartige Persönlichkeit im Springsport und weit darüber hinaus. Er machte den Leuten Mut. Nach dem zweiten Weltkrieg war da plötzlich wieder jemand, dem man zujubelte – und zwar in der ganzen Welt. „Es war immer eine Ehre für mich, für Deutschland an den Start zu gehen“, betonte er stets.

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Am 24. Juli 1926 wurde Hans Günter Winkler in Wuppertal geboren. 1938 siedelte Familie Winkler nach Frankfurt am Main um, der Vater übernahm die Leitung eines Reitstalls. Der zweite Weltkrieg kam. Winkler wurde Flakhelfer, sein Vater fiel, die Mutter wurde ausgebombt. Nach dem Krieg hatte Winkler nichts. Aber er wusste, was er wollte: „… der erfolgreichste Springreiter der Welt werden.“ Und: „Ich wollte nie wieder arm sein.“ Winkler ritt, gab Unterricht und machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann. 1950 holte ihn Dr. Gustav Rau, der damalige Chef des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) nach Warendorf. Dort traf Hans Günter Winkler auf Wunderstute Halla, die er als „eine Mischung aus Genie und irrer Ziege“ beschrieb.

Mit Halla erreichte Winkler sportliche Unsterblichkeit: Bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm erlitt Winkler im ersten Umlauf des Nationenpreises einen Muskelriss in der Leiste. Aber er ritt weiter und sicherte Deutschland den einzigen Nullfehlerritt des Tages: Gold für die Mannschaft und Einzelgold für Halla und Winkler: „Das Wunder von Stockholm“. Halla und Winkler wurden Deutsche Meister, Derbysieger, Weltmeister und erneut Olympiasieger. Mit sieben weiteren Pferden sammelte er ebenfalls Championatserfolge: bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Am 13. Juli 1986 ritt er seine letzte Ehrenrunde in Aachen und verabschiedete sich nach rund 35 Jahren aus dem aktiven Sport. HGW übernahm gemeinsam mit Herbert Meyer das Amt des Bundestrainers, war Equipechef bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988, bei denen die Mannschaft Gold und Karsten Huck Bronze in der Einzelwertung holte. Ende 1988 wurde Winkler Leiter des DOKR-Springstalls in Warendorf. 1991 gründete er im Alter von 65 Jahren eine neue Firma: HGW-Marketing. Er veranstaltete Turniere, warb Sponsoren und war als Berater in der Wirtschaft tätig. Fast nebenher führte der Vater von zwei Kindern zudem mit seiner vierten Frau, der 2011 tödlich verunglückten Amerikanerin Debby, einen Turnierstall in Warendorf.

Bei aller Zielstrebigkeit hat Winkler immer über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut. So hat er beispielsweise Fördermaßnahmen für junge Springreiter ins Leben gerufen wie das HGW Nachwuchschampionat und den Goldenen Sattel. Für seine „herausragenden Verdienste um den Pferdesport“ wurde Winkler mit dem FN-Ehrenzeichen in Gold mit Lorbeer, Olympischen Ringen und Brillianten sowie dem Reiterkreuz in Gold ausgezeichnet, er erhielt das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und gewann zweimal die Wahl zum Sportler des Jahres und die Wahl zum Sportler des Jahrzehnts. Dies ist nur ein Auszug aus der Liste seiner Auszeichnungen, der stellvertretend erklärt: Hans Günter Winkler war der wohl engagierteste, einflussreichste und erfolgreichste Pferdemann seiner Zeit. fn-press

Reaktionen zum Tod von Hans Günter Winkler:

„Er war in den letzten Monaten und Wochen sehr gut drauf. Wir haben noch zusammen trainiert und waren voller Vorfreude auf den CHIO Aachen. Er hatte noch viele Pläne mit mir. Er habe einen Vertrag mit dem lieben Gott über 100 Jahre, wie er immer sagte. Sein Tod kam jetzt doch sehr überraschend, das hat niemand vorhergesehen“, sagt Andreas Ostholt. Der Warendorfer Vielseitigkeitsreiter arbeitete seit 2011 eng mit Hans Günter Winkler zusammen. 2012 erwarb er dessen Reitanlage, wo er seither mit seiner Familie und HGW lebte und trainierte. „Sein Tod trifft mich sehr, HGW war in den letzten Jahren wie in Ziehvater für mich und gehörte zu unserer Familie.“

Anm.d.Red.: Hans Günter Winkler reiste 2015 nach Luhmühlen, um Andreas Ostholt auch vor Ort zu unterstützen. Mit Erfolg- der Sportsoldat konnte die CIC3* und den Deutschen Meistertitel gewinnen.

Luhmühlen 2015 / CCI4*&CIC3* / Reiter / Pferd / Informationen: ©AGENTUR datenreiter, Lutz Kaiser Emser Straße 34 65195 Wiesbaden

Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN): „Hans Günter Winkler war während seiner Karriere ein großer Sportler und hat auch nach seiner aktiven Zeit unendlich viel für unseren Sport, besonders für den Reiter-Nachwuchs getan. Wir verlieren mit ihm einen Mann, der mit großer Disziplin und Leidenschaft sein Leben gemeistert hat. Meine Erinnerung an Hans Günter Winkler ist untrennbar damit verknüpft, dass er und seine Mannschaftskameraden Fritz Thiedemann, Alfons Lütke-Westhues und Alwin Schockemöhle den Reitsport durch ihre Olympia-Siege in der Nachkriegszeit wieder an die Weltspitze geführt haben.“

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): „Mit Bestürzung haben wir den Tod von Hans Günter Winkler aufgenommen. Mit fünf Olympischen Goldmedaillen und sechs Olympiateilnahmen war er der erfolgreichste Springreiter der Welt. Mit seiner Wunderstute Halla bildete er ein unvergleichliches Team, das eindrucksvoll demonstriert hat, was Mensch und Tier gemeinsam im Sport zu leisten in der Lage sind.“

Ingmar De Vos, Präsident der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, Federation Equestre Internationale (FEI):„Hans Günter Winkler war einer der größten Olympiareiter aller Zeiten. Seine Sammlung von sieben olympischen Medaillen, davon fünf goldenen, ist in der Neuzeit nur von seiner Landsmännin Isabell Werth übertroffen worden. Er war der begnadetste Reiter seiner Zeit und ein großartiger Botschafter für unseren Sport. Wir werden ihn sehr vermissen, nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Pferdesportfamilie und darüber hinaus. Der Begriff „Legende“ wird so oft überstrapaziert, aber er beschreibt am besten, was dieser Mensch und Sportler war. Er war wirklich eine echte Legende. Möge er in Frieden ruhen.“

Otto Becker, Bundestrainer Springen: „Der Tod von Hans Günter Winkler ist ein großer Verlust für den deutschen Springsport. Seine Erfolge sprechen für sich. Er hat sich stets unglaublich für seinen geliebten Sport eingesetzt, sei es während seiner aktiven Karriere oder danach. Seine beiden Nachwuchsserien haben den Sport sehr vorangebracht. Er hat mich damals darin bestärkt, die Funktion des Bundestrainers zu übernehmen und war für mich immer ein wichtiger Ansprechpartner. Er war ja auch bis zum Schluss immer voll im Thema und interessiert an der Entwicklung des deutschen Springsports.“

Ludger Beerbaum, Springreiter: „Er war eine große Reitsportpersönlichkeit, die den Pferdesport mitgeprägt hat. Bis ins hohe Alter haben wir Pferdegeschäfte miteinander gemacht und ich kann verraten: Es war nicht einfach, mit ihm zu feilschen.“

Axel Milkau, ehemaliger FN-Vizepräsident und Turnierleiter Löwen Classics in Braunschweig: „Bei der Trauer um den Heimgang von HGW überwiegen in meinem Herzen vor allen Dingen Dankbarkeit und Freude. Dankbarkeit dafür, dass ich über viele Jahre an der Seite dieses Global Players und Pferdemannes stehen durfte. Freude darüber, dass ich eine Seite dieses besonderen Menschen kennenlernen durfte, die für den größten Teil vieler in seinem Umfeld verschlossen blieb. Sein Wille war, dass ich sein Andenken mit dem einzigartigen HGW- Parcours und dem Erhalt der HGW-Nachwuchsserie erhalten möge. Dieses bleibt für mich der Auftrag eines Freundes.“

Siegmund Friedrich, Verlagsleiter FNverlag: „Wir hatten großes Glück und konnten das Buch „Halla, meine Pferde und ich“, das in erster Auflage bereits 1956 erschienen ist und damals schon ein Bestseller war, mit Hans Günter Winkler im Jahre 2007 völlig neu auflegen. Dabei hatte ich persönlich das Glück, mit Hans Günter Winkler eine Tour durch viele Buchhandlungen in NRW machen zu dürfen. Hier wurde das Buch und seine Geschichte sehr persönlich von ihm vorgestellt und ich war wirklich beeindruckt, wie viele Menschen – auch 50 Jahre nach Winklers Karrierehöhepunkt  – zu den Signierstunden kamen, um ihn persönlich zu sehen und ihm die Hand zu schütteln.“