Sieg beim CHIO Aachen für Ingrid Klimke und das deutsche Team

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Sieg beim CHIO Aachen für Ingrid Klimke und das deutsche Team

Ingrid Klimke- SAP Hale Bob OLD / Aachen 2019 / Bild: Agentur datenreiter- Lutz Kaiser

Der Geländeritt in der Aachener Soers verspricht immer spannenden Sport. Ein starkes Starterfeld, ein anspruchsvoller Kurs und die letzte Vorbereitung auf die kommenden Europameisterschaften für viele Paare. Zudem eine Vorbereitung der Neuseeländer und Australier in Richtung Olympische Spiele 2020.

Ergebnisse Einzel

Ergebnisse Mannschaft

Die Vielseitigkeit präsentierte sich in Aachen einheitlich in gutem Glanze. Die Pferde schienen gut trainiert und vorbereitet, die Reiter gaben gute Bilder mit ihren Partnern.

Der Start lief für die deutschen Paare gar nicht so rund wie erhofft. Michael Jung und Star Connection brachten aber erst einmal ein sicheres Teamergebnis mit -5,2 aus der Zeit ins Ziel. Was diese Runde wert sein würde, zeigte sich erst am Ende der Prüfung.

Nach einem Sturz am letzten schmalen Element der Wasserkombination mussten Peter Thomsen und Casino die Prüfung vorzeitig beenden. Vor dem Wassereinsprung kam Casino ins Rutschen und verlor dadurch Schwung, sodass sie etwas zu weit nach links im Anritt auf den schmalen Sprung im Wasser kamen. Peter lässt aber vermelden, dass Casino und ihm nichts passiert ist!

Auch Sandra Auffarth und Viamant du Matz mussten an diesem Komplex 20 Minuspunkte hinnehmen. Sie hatten das schmale b-Element nicht im ersten Anlauf zwischen den Fahnen überwunden. Ein weiteres Missverständnis ereilte sie zum Ende der Strecke hin an zwei sehr schräg versetzten Hecken. Durch die zwei Vorbeiläufer und die daraus resultierenden Zeitfehler beenden sie die Prüfung an 32. Stelle. Heute ist noch ein besonderer Tag für Sandra, ihr langjähriges Erfolgspferd Opgun Louvo wird in Aachen aus dem Sport verabschiedet.

Die beiden „first timer“-Paare Frank Ostholt mit Jum Jum sowie Anna Siemer und FRH Butts Avondale erwischte leider heute beide das Schicksal des schmalen Einsprungs der Sunken Road, der inmitten eines Fahrhindernisses platziert ist. Hier hatten schon im letzten Jahr Größen wie Ingrid Klimke mit Hale Bob und Julia Krajewski mit Samourai du Thot ihre Probleme. Frank und Anna hatten in diesem Jahr eine Verweigerung am Einsprung hinzunehmen, mit den zusätzlichen Zeitfehlern werden sie 28. (Frank Ostholt) und 29. (Anna Siemer) des diesjährigen Aachen-Klassements.

Viel Pech hatte Josefa Sommer, die mit Hamilton den Teamplatz von Julia Krajewski übernehmen durfte. Ihr Routinier Hamilton galoppierte hochmotiviert aus der Startbox und sprang gut- bis nach Hindernis 3 ein Vordereisen seine eigenen Wege ging, woraufhin „Hannes“ schon recht schnell anfing zu rutschen. Josefa beendete den Ritt, bevor sie ihn so richtig beginnen durfte.

Damit war klar, die noch verbleibenden zwei Mannschaftsreiter, Andreas Dibowski mit FRH Corrida und Ingrid Klimke mit SAP Hale Bob OLD müssen ein gutes Ergebnis für die Mannschaft mit nach Hause bringen. Diese Aufgabe sah vor allem „Dibo“ in seiner Pflicht, der vorsorglich an den schrägen Hecken (Hindernis 21) den längeren Weg ritt, um kein Risiko einzugehen. Mit -8,8 aus der Zeit kam das Paar ins Ziel galoppiert, nach einer sicheren und vor allem souveränen Runde beenden sie Aachen 2019 auf Platz 11 und kann sich berechtigte Hoffnungen auf einen Team-Platz bei den Europameisterschaften machen.

Dies gilt auch für Kai Rüder und Colani Sunrise, die beim ersten Auftritt nach dem tollen Ergebnis beim 5* Klassiker in Badminton ihr Dressurbestergebnis im Aachener Stadion erreiten konnten und von Platz 5 ins Gelände starteten. Nicht ganz der Kurs, der dem großrahmig galoppierenden Holsteiner Wallach entgegen kommt- mit -10,8 aus der Zeit beenden sie die Prüfung aber noch in den top ten an zehnter Stelle.

Und dann waren da aus deutscher Sicht noch zwei Paare. Zwei, die mit großer Spannung erwartet wurden. Zunächst einmal galoppierte der Vorjahressieger auf die Strecke. Chipmunk FRH hieß er 2018 noch und siegte unter diesem Namen noch mit Julia Krajewski im Sattel. Durch den Verkauf hat nun Michael Jung die Zügel übernommen, in Aachen stand die erste größere Bewährungsprobe für das neue Paar an, bevor sie sich auf die Europameisterschaften vorbereiten werden. In Aachen klappte das schon gut, trotz eines verlorenen Eisens ließen die beiden nichts anbrennen und galoppierten sogar noch als eines von drei Paaren innerhalb der Bestzeit über die Ziellinie. Am Ende sollte dies Rang 2 für Michael Jung und „Chip“, der nun fischerChipmunk FRH heißt, bedeuten.

Michael Jung- fischerChipmunk FRH / Aachen 2019 / Bild: Agentur datenreiter- Lutz Kaiser

Natürlich wurden auch Ingrid Klimke und SAP Hale Bob OLD als amtierende Europameister und Bronzemedaillen-Gewinner der Weltreiterspiele in Tryon 2018 mit Spannung erwartet. Doch spannend machten die beiden das Ganze heute nicht. Nach dem holprigen Saisonstart, bei dem Ingrid in Kreuth noch am Wassereinsprung aus dem Sattel ihres Bobbys kam, zeigte sie sich heute rehabilitiert und in Form zum Championat. Von Anfang an Strich galoppierend befanden sie sich an den ersten Streckenteilen schon vor den Minutenpunkten, am schmalen Einsprung der Sunken Road, an dem „Bobby“ im letzten Jahr noch einen zweiten Anritt einforderte, konnte Ingrid sich dadurch etwas mehr Zeit nehmen- eine nahezu perfekte Runde für das Paar, was für Ingrid den dritten Sieg nach 2015 mit Escada und 2017 mit Hale Bob bedeutet.

Die beiden folgenden Reiter, die noch vor Michael Jung und Ingrid Klimke rangierten, knackten beide nicht die Bestzeit. Tim Price beendet mit Wesko die Prüfung durch wenige Zeitfehler an vierter Stelle. Die bis dahin führende, derzeit von Erfolg zu Erfolg reitende Britin Laura Collett hatte den ganz großen Coup zum Greifen nah: mit ihrem London hatte sie den Sieg in der Hand und war sehr sicher unterwegs. Zum Schluß wurde die Zeit etwas knapp- an Hindernis 21 erwischte es das Paar dann mit einem Vorbeiläufer an den schrägen Hecken, wodurch sie im Klassement auf Platz 20 zurückfielen.

Auch der deutschen Mannschaft war der Sieg nicht mehr zu nehmen: Ingrid Klimke, Michael Jung mit Star Connection, Andreas Dibowski und Josefa Sommer sind die Sieger des diesjährigen Nationenpreises vor den Teams aus Neuseeland und Australien.

Ingrid Klimke- SAP Hale Bob OLD / Aachen 2019 / Bild: Agentur datenreiter- Lutz Kaiser