Schocknachricht von Julia Krajewski: positive Medikationsprobe bei Sam

Was für eine schlechte Nachricht von Junioren-Bundestrainerin Julia Krajewski! Eine positive Medikationsprobe bei Sam im Rahmen der EM in Strzegom wird wohl die Silbermedaille der Mannschaft kosten.

Für die junge Championatsreiterin ein ganz bitterer Moment der sportlichen Karriere.

Julia sagt dazu: „Das ist unbestritten die schwierigste Phase meiner bisherigen sportlichen Laufbahn und die Umstände treffen mich sehr schwer.

Die FEI hat das DOKR und mich Mitte Oktober über eine positive Medikationskontrolle von Samourai du Thot informiert, welche am Sonntag den 20. August im Rahmen der Europameisterschaft in Strzegom durchgeführt wurde. Wir haben daraufhin die Analyse der B-Probe beantragt, deren Ergebnis noch aussteht. Bei der gefundenen Substanz handelt es sich um Firocoxib, das laut FEI eine „Controlled Medication Substance“, jedoch kein Doping ist. Die diese Substanz bei einer routinemäßigen Trainingskontrolle der NADA am 23.August ebenfalls gefunden wurde, müssen wir vorerst davon ausgehen, dass die B-Probe das Ergebnis der A-Probe bestätigt.

Unabhängig davon, dass weder ich noch mein Team erklären können wie diese Substanz in mein Pferd gelangen konnte und wir entschlossen jedes eigene Zutun von uns weisen, würde dieser Befund unweigerlich zu meiner Disqualifikation und damit zum Verlust unserer hart erkämpften Silbermedaille führen. Das tut mir irre Leid für unsere tolle Mannschaft, die sich so sehr reingehängt hat für diesen Erfolg. Dass ich nicht erklären kann wie, wann und auf welchem Wege der Wirkstoff in mein Pferd gelangt ist, beunruhigt mich zutiefst und gibt uns ein riesiges Rätsel auf.

Was ich bisher weiß ist, dass die Substanz Firocoxib nur in zwei Medikamenten vorkommt – Equioxx für Pferde und Previcox für Hunde. Equioxx ist in meinem Stall noch nie benutzt worden, weder bei meinen noch bei anderen Pferden. Mein Heimtierarzt wendet es nicht bei meinen Pferden an. Auch unser Mannschaftstierarzt Carsten Rohde hat bestätigt, das Medikament nicht bei den Kaderpferden anzuwenden und es nicht mit zum Trainingslager oder zum Championat nach Polen gebracht zu haben. Des Weiteren gab es zu keinem Zeitpunkt während des Trainingslagers oder der EM den Anlass, Sam mit einem Schmerzmittel zu behandeln. Nachfragen bei verschiedenen Tierärzten haben ergeben, dass Equioxx bei Sportpferden ein eher unübliches Medikament ist, da es sehr lange nachweisbar ist. Laut ADMR (Anti-Doping und Medikationskontrollregeln) hat es eine Karenzzeit von 30 Tagen. Mit einer positiven Medikationskontrolle ist also immer zu rechnen, wenn das Medikament kurzfristig verabreicht wird – und somit für Championatsreiter ein „No Go“.

Ich bin mittlerweile in der Lage den Zeitraum, in dem die Substanz aufgenommen wurde, anhand von zwei Gründen einzugrenzen. Zum einen wurde 13 Tage vor Beginn der EM am 3. August eine Prä-Probe entnommen, welche negativ war. Diese führt das DOKR standardmäßig vor Championaten bei allen Pferden durch, die für einen Start in einem deutschen Team nominiert wurden.
Zum anderen wurden nicht nur Spuren, sondern eine relativ große Menge der Substanz im Blut von Sam nachgewiesen. Diese Menge, im Zusammenhang mit den zugehörigen Abbauzeiten, lässt den Rückschluss zu, dass das Medikament vermutlich zwischen Freitagmittag und Samstagmorgen (also nach der Dressur und vor dem Gelände) verabreicht oder aufgenommen wurde. Mit dem Ergebnis der B-Probe erhalten wir weitere Dokumente, die möglicherweise noch mehr Aufschluss über den genauen Zeitpunkt der Verabreichung geben. Da es leider in Strzegom, wie auf anderen Championaten durchaus üblich, keine Videoüberwachung der Boxen gab, können wir für den vermutlichen Zeitraum keine Bilderanalyse anfertigen und sind daher auf die Medizinischen Daten angewiesen.
Da diese Substanz als verschreibungspflichtiges Arzneimittel nicht in die Futtermittelherstellung gelangt und auch nicht in Gräsern oder Heu zu finden ist, ist eine Kontamination über das Futter auszuschließen. Sam wurde zusätzlich einer freiwilligen Trainingskontrolle unterzogen, die negativ war. Da keines meiner Pferde je mit diesem Medikament behandelt oder getestet wurde, erscheint mir eine zufällige Kontamination im Stall als sehr unwahrscheinlich. In Previcox, das ein gängiges Medikament für Hunde ist, ist Firocoxib in einer weitaus höheren Dosierung enthalten als in Equioxx für Pferde. Ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Hunden und der positiven Probe meines Pferdes gibt, prüfen wir momentan noch.

Soweit alle Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt habe – zwar aufschlussreich, aber keine ausreichende Erklärung dafür was wirklich passiert ist. Als Teil des deutschen Teams, welches als Mitfavorit nach Strzegom gereist ist, bin ich davon ausgegangen getestet zu werden. Ich stehe absolut hinter dem geltenden Dopingreglement und bin mir meiner Sorgfaltspflicht und möglicher Konsequenzen bewusst. Durch eine unerlaubte Behandlung eine potentielle Medaille absichtlich aufs Spiel zu setzen wäre grob fahrlässig. Außerdem ist der Gedanke für mich völlig absurd, meinem Pferd während des Championats ein Medikament zu verabreichen, welches mehrere Wochen positiv ist. Ich werde euch über alle weiteren Erkenntnisse auf dem Laufenden halten, aber im Moment sind wir ratlos und einfach nur schockiert das sowas passieren konnte…“

Julia Krajewski- Samourai du Thot
EM Strzegom 2017 Bild: www.equipe-foto.de