Nationenpreisturnier CCIO3* Boekelo (NED)

Zur letzten Station der FEI Nations Cup Serie nach Boekelo fuhren sechs deutsche Reiterinnen: Bettina Hoy, Jana Weyers, Anna Siemer, Josefa Sommer, Josephine Schnaufer und Marina Köhncke. Alle 6 starteten entweder selber das erste Mal in einer CCI3* Prüfung, oder aber es war für die Pferde das erste Mal eine lange Prüfung auf dem Niveau.

Für das deutsche Team gesetzt wurden: Anna Siemer- Butts Avondale, Josephine Schnauer- Sambucca, Marina Köhncke- Let’s Dance, Josefa Sommer- Hamilton.

In der Dressur zeigten sich als erste Paare Marina Köhncke und Let’s Dance(-47,3) und Jana Weyers mit Lardina, deren Aufgabe mit -50,0 Punkten bewertet wurde. Pech hatte die zweite Mannschaftsreiterin Josefa Sommer mit ihrem Hamilton. Der Wallach, der eine ganz konstante Saison mit guten Dressuren ablieferte, konnte sich mit der Atmosphäre im Stadion nicht anfreunden. 8 er und 7,5 er Noten im Protokoll werden durch 1en und 2 en getrübt, -63,7 Punkte lautete das Ergebnis. „Das passiert leider mal, es sind eben hoch trainierte Tiere und keine Roboter“, so fair und gelassen entschuldigte Josefa Sommer die Reaktion ihres Pferdes. Die anderen Paare, Anna Siemer und Butts Avondale (-48,4) und Josephine Schnaufer mit Sambucca (-46,9) zeigten ebenfalls gute Dressuren. Eine Meisterleistung brachte Bettina Hoy auf das Viereck. Ausdrucksstark, immer in Bergauftendenz und mit einer feinen Anlehnung stellte sie den 9 jährigen Seigneur Medicott vor, -37,6 Punkte und der 2. Platz in der Dressur waren der Lohn.

Nach dem Geländetag sah die Rangierungsliste aber völlig anders aus, als nach der Dressur. „Dass das Gelände anspruchsvoll ist, war uns allen vorher klar. Aber dass so viel passiert und auch die Zeit noch so ausschlaggebend sein würde, haben wir vorher nicht gedacht. Hans (Melzer) sagte uns vorher, Boekelo hat seine eigenen Gesetze- das hat sich wieder einmal bewahrheitet“, so Marina Köhncke.

Nachdem Jana Weyers mit ihrer 12 jährigen Lardina an Hindernis 20 einen Vorbeiläufer hatte, verließ Marina Köhncke an der ersten, sehr schwer eingestuften technischen Abfrage, Hinderniskombination 7, den Sattel ihres 8 jährigen Let’s dance. Leider trennte sich auch Josefa Sommer an Hindernis 12 vom Sattel ihres Pferdes, sodass die Mannschaft nur noch zwei Paare in der Wertung hatte. Wie es gehen kann, zeigten dann Anna Siemer und die 8 jährige Butts Avondale. Sie flogen wie an der Schnur gezogen über den Kurs, im Ziel waren sie nur 8 Sekunden über Bestzeit. Mit diesem Ergebnis konnten sie sich auf den 14. Rang nach dem selektiven Gelände schieben. Auch Josephine Schnaufer und Sambucca (-8,0), sowie Bettina Hoy und Seigneur Medicott (-14,0) brachten tolle Runden ins Ziel, für die sie sich lediglich Zeitfehler anrechnen lassen mussten.

Vor dem abschließenden Springen lagen die drei in aussichtsreichen Positionen: 14. Anna Siemer, 16. Bettina Hoy, 23. Josephine Schnaufer. Jana Weyers lag an 58. Stelle.

Jana Weyers ging deshalb auch als erste Deutsche mit ihrer Lardina in den abschließenden Springparcours. Zwei Abwürfe mussten sie in dem sehr anspruchsvollen Parcours hinnehmen und konnten ihre CCI3* Premiere auf Rang 52 beenden. Wie bei vielen anderen Paaren auch, fiel bei Sambucca und Josephine Schnaufer am letzten Sprung die Stange- doch sonst blieb alles liegen, sodass sie mit nur 4 Punkten aus dem Parcours kamen. Am Ende bedeutete dies den tollen 15. Platz im hochkarätigen Starterfeld. Dasselbe Ergebnis brachten auch Bettina Hoy und Seigneur Medicott ins Ziel- ebenfalls am letzten Sprung fiel die Stange. Sie bringen damit das beste deutsche Ergebnis ins Ziel- Platz 11 und ein tolles Nachwuchspferd für den großen Sport im Stall Hoy. Pech hatte Anna Siemer: nach Hindernis 6 stolperte Butts Avondale so unglücklich, dass sie fast von den Füßen kam. Dass dies ausgerechnet vor der dreifachen Kombination passierte, war doppeltes Pech. Daraus resultierend mussten sie zwei Abwürfe in der Dreifachen hinnehmen, der letzte Sprung fiel auch bei diesem Paar. Schade, denn damit waren sie am Ende 0,7 Punkte aus der Platzierung.

Gewinnen konnte die Prüfung Einzelstarterin Nicola Wilson mit der 9 jährigen Bulana, die nach dem Gelände noch an 4. Stelle lag. Sie siegt vor Blyth Tait im Sattel des 13 jährigen Xanthus III und Kristina Cook mit dem 8 jährigen Billy the Red.

Den Nationenpreis sicherte sich zum ersten Mal in der Geschichte der FEI Nations Cup Serie das Team aus Irland. 2. wurde das Team aus den USA, 3. die Neuseeländer. Nur den Teams aus Irland und Neuseeland gelang es, alle vier Teamreiter in Wertung ins Ziel zu bringen.

Die Gesamtserie sicherte das Team Großbritanniens, die als einzige Nation an allen Stationen ein Team stellte. Zweiter wird das deutsche Team.

Stimmen der deutschen Reiterinnen

Josephine Schnaufer

Ich war dieses Jahr zum ersten Mal als Reiter in Boekelo. Es war ein richtig schönes Turnier mit einer riesigen Kulisse, mit der das ein oder andere Pferd zu kämpfen hatte. Im Team herrschte eine gute Stimmung. Tagsüber hat jeder mit jedem mitgefiebert und abends saß man zusammen und hat miteinander gegessen und gelacht! Im Gelände hat man nochmal von neuem gesehen, wie gut das Turnier besucht war- man hat vor lauter Leuten teilweise die Sprünge nicht gesehen. Leider hatten Marina und Josefa ein wenig Pech und mussten die Prüfung vorzeitig beenden. Anna flog nur so durch das Gelände, während ich in dieser anspruchsvollen Strecke ein paar Zeitfehler in Kauf nehmen musste.. Sambucca und ich sind in desem Jahr zum ersten Mal auf dem 3* Niveau gestartet und ich habe Anfang der Saison gar nicht daran gedacht, mit ihr überhaupt in diesem Jahr eine 3* zu gehen. Ich habe sie seit dem 5ten Lebensjahr und nach einigen Platzierungen im 1* und 2* Bereich hat sie verletzungsbedingt zwei Fohlen bekommen. Dieses Jahr haben wir es dann noch einmal probiert und sie konnte direkt wieder bei ihren Erfolgen 2011 anknüpfen.

Josefa Sommer

Boekelo war trotz allem ein wahnsinniges Erlebnis. Wir waren ein tolles Team, das sehr viel Spaß hatte. Es konnte ja keiner ahnen, dass Marina und ich den Boden knutschen- aber shit happens. Wir gehen trotzdem mit einem guten Gefühl in die Winterpause, denn bis dahin ist Hannes durch den Kurs geflogen und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht, das Gefühl mit den vielen Menschen dort ist unglaublich toll! Leider bin ich an dieser Sprungkombination falsch geritten, sodass ich Hannes vor unmögliche Tatsachen gestellt habe. Ich habe mich beim Abgehen immer zu sehr auf die Ecke als auf die Tische danach konzentriert- das war ein Fehler aus dem ich gelernt habe. In der Dressur war es wirklich ungewöhnlich, dass Hannes so ausgeflippt ist, aber der Trubel dort war ihm zu viel. Auch da werden wir dran arbeiten, dass er etwas stärkere Nerven bekommt! Nichts ist unmöglich. Jetzt freuen wir uns auf den Winter und die nächste Saison!

Marina Köhncke

Boekelo ist ein sehr schönes Turnier, es ist so etwas Besonderes. Für viele ist die Prüfung dort ein Saisonziel. Natürlich war es sehr schade, dass ich die Prüfung nicht beenden konnte, aber leider gehört auch das mal dazu. Die Stimmung im Team war einfach nur toll, ich bin auch nach dem Geländetag noch eine Nacht geblieben, weil es so eine nette Truppe war. Wir haben abends zusammen gesessen und hatten einen super Zusammenhalt. Das Turnier in Boekelo hat fast schon Volksfest-Charakter: Entlang der gesamten Strecke gibt es Stände, da sind auch ganz viele Menschen, die nichts mit dem Reiten an sich zu tun haben. Dadurch sind es auch wahnsinnig viele Zuschauer. Es ist wirklich wunderschön und einmalig dort. Der Kurs war toll gebaut, es ist aber doch mehr passiert, als wir es gedacht haben. Ich war froh, dass beide Trainer nach meinem Sturz die passenden aufmunternden Worte gefunden haben und wir den Blick direkt nach vorne gerichtet haben. Es geht immer weiter.

Anna Siemer

Ich muss sagen, Boekelo ist sogar toll, wenn man aus Luhmühlen kommt. Das muss man einfach mal erlebt haben. Beim Briefing wurden wie immer die Offiziellen und Funktionäre vorgestellt- und man bekam mitgeteilt, wann und wo welche Party ist. Das gehört in Boekelo quasi zum Pflichtprogramm. Im Gelände war vor allem die Kombination 7a, b und c ein Knackpunkt. Nach sechs einladenden, breiten Sprüngen kam in der 3. Minute dann diese erste, richtig schwere, technische Abfrage auf einer Lichtung. Marina und Sefi (Josefa) hatten einfach Pech, sie sind beide sonst sehr sichere Geländereiter. Aber auch das zeigt, wie schnell wir in unserem Sport aus dem Bauch heraus Entscheidungen treffen müssen. Das kann man nicht eins zu eins trainieren. Avondale ging eine gute Dressur, sie hat die Atmosphäre wirklich gut verkraftet. Für die letzten Feinheiten nutze ich jetzt die Winterarbeit. Im Gelände war sie einfach nur super, sie machte keinen falschen Tritt. Sie war so fit, dass sie selbst bei der 9. Minute noch spritzig war und ich im Ziel durchparieren musste. Sie wäre da sogar noch gerne weiter galoppiert. Morgens trabte sie schon frisch und locker los, sodass auch die Verfassungsprüfung gar kein Problem war. Auch im Parcours sprang sie richtig gut, dass sie dann vor der Dreifachen so stolperte war einfach Pech. Den letzten Sprung berührte sie leicht, der fiel dann leider auch noch. Ich bin aber trotzdem sehr stolz auf das junge Pferd und hoffe, dass ich sie noch lange reiten darf.

Jana Weyers

Boekelo ist ein tolles Turnier mit unheimlich viel Atmosphäre. Vor allem am Geländetag ist mächtig was los und es ist ein tolles Gefühl, vor so vielen Zuschauern Gelände reiten zu dürfen und von diesen bejubelt zu werden. Wir waren ein etwas überschaubares deutsches Team, aber ich fand die Stimmung untereinander klasse. Da in Boekelo einfach jeden Abend Party ist, kam der Spaß eindeutig nicht zu kurz. Meine Stute war an diesem Wochenende wieder toll und hat vor allem im Gelände für mich gekämpft. Ich hatte auf der Strecke unheimlich viel Spaß und konnte unseren Ritt trotz des kleinen, blöden Ausrutschers bis zum Schluss genießen. Auch wenn es in allen Disziplinen hier und da etwas besser hätte laufen können, bin ich mit unserer Leistung trotzdem zufrieden. Nun gehen wir gesund und munter in die Winterpause.

Bettina Hoy

Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich super stolz auf Seigneur Medicott bin, denn es war effektiv seine erste S, da wir in Renswoude einen blöden Sturz hatten und er definitiv gezeigt hat, dass er ein Toppferd ist, der noch Großes leisten kann und wird! Vielleicht schon im nächsten Jahr..! Ich danke Gerd Hermann Horst vielmals, dass ich dieses tolle Pferd reiten darf!

Ein paar Eindrücke:

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Josefa Sommer und Anna Siemer                                                                                                                                                                               Foto: privat

Bettina Hoy beendet mit dem 9 jährigen Seigneur Medicott als beste Deutsche auf Platz 11 die Prüfung                                                                             Foto: Thomas Koppers

 

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abgehen im Team                                                                                                                                                                                                                                                    Foto: privat

 

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schmale Hindernisse..                                                                                   Foto: privat

 

 

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Foto: privat

 

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Foto: privat

 

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Foto: privat

 

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„kleiner“ Trakehnergraben.. Foto: privat

 

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mächtiges Bullfinsh Foto: privat

 

Kristina Cook - Billy the Red (Emily Parker - Diamond Sundance), Nicola Wilson - Kiltealy Brief, Izzy Taylor - Birarlands Birdsong, Dani Evans - Smart Time, Chef d'Equipe Philip Surl Pic Eventing Photo

Gesamtsieg der FEI Nations Cup-Serie: Team Großbritannien            Kristina Cook – Billy the Red (Emily Parker – Diamond Sundance), Nicola Wilson – Kiltealy Brief, Izzy Taylor – Birarlands Birdsong, Dani Evans – Smart Time, Chef d’Equipe Philip Surl                                                                                                      Foto:  Eventing Photo

 

 

Left to right: Jonty Evans - Cooleys Rorkes Drift, Cathal Daniels - Rioghan Rua, Padraig McCarthy - Simon Porloe, Joseph Murphy - Westwinds Hercules, Chef d'equipe Nick Turner Pic Eventing Photo

Sieg im FEI Nations Cup Boekelo: Team Irland                          Jonty Evans – Cooleys Rorkes Drift, Cathal Daniels – Rioghan Rua, Padraig McCarthy – Simon Porloe, Joseph Murphy – Westwinds Hercules, Chef d’equipe Nick Turner                                                                                                                                         Foto:  Eventing Photo

 

Wiebke Struck