Luhmühlen 2015 CCI4*/CIC3* Nachlese

Luhmühlen 2015- es war nicht leicht, in diesem Jahr das große Event zu organisieren und auf die Beine zu stellen. Die Erinnerungen an letztes Jahr sind groß und schwer. Eine große Aufgabe, den Erwartungen des Sports und der Öffentlichkeit in diesem Jahr gerecht zu werden und schöne Bilder zu liefern.

„Wir als Team hatten den nötigen Respekt vor diesem Tag und sind froh, dass wir alle am Ende strahlen können“, sagte TGL Geschäftsführerin Julia Otto mit einer gewissen Erleichterung in der Stimme.

Diese Erleichterung kommt nicht von ungefähr: Luhmühlen stellte ein Event auf die Beine, welches seinesgleichen sucht. Die Bilder der Ritte waren durchweg Werbung für den Sport. Der Veranstalter gab alles, um ein Luhmühlen zu bieten, was der Sport in diesem Jahr so unbedingt brauchte- und genau das lieferten sie ab. Der Kurs wurde komplett anders gestaltet, die Richtung wurde gedreht und es wurden Hindernisse mit dem Sicherheitssystem MIM ausgestattet. Diese mussten allerdings nirgendwo auslösen. Das Hindernis, an dem sich 2014 der fatale Sturz ereignete, gibt es nicht mehr. Bundestrainer Hans Melzer schreibt dem Kurs „einen ganz anderen Charakter zu“.

Sicherlich war der CCI4* nicht am obersten Limit gebaut, doch zu leicht war der Kurs wohl auch nicht: 9 Reiter gaben nach Verweigerungen auf und Kai-Steffen Meier musste nach dem Sturz durch das Stolpern von Sunny Side First ausscheiden. Der Sturz verlief glimpflich, beide sind wohlauf. 10 Paare von 38, die im Gelände ausschieden, zeigte dann doch, dass der Kurs seine Schwierigkeiten hatte. Doch- die Verweigerungen waren nicht von spektakulärer Art, sondern so, wie wir das bei einem pferdefreundlichen und fairen Kurs sehen möchten: Vorbeiläufer oder Verweigerungen, die z.B. durch stolpern oder Unstimmigkeiten zwischen Reiter und Pferd ausgelöst wurden. Sport auf ganz hohem Niveau. „Mark Phillips hat einen tollen Kurs gemacht. Es war genau die richtige Mischung“, so Hans Melzer.

Im CIC3* schieden 2 Paare aus, 1 wurde zur Verfassungsprüfung nicht mehr vorgestellt, 1 vorm Springen nicht als „fit to compete“ angesehen. Die Pferde machten nach dem Geländetag durchweg einen frischen und kernigen Eindruck. Das Springen brachte schon dadurch viel Spannung mit sich. Wie im CCI4* war auch hier die Zeit recht eng bemessen, und einfach war das Springen keineswegs. Insgesamt gab es nur 4 Nullrunden und 2 Runden ohne Hindernisfehler aber mit Zeitfehlern.

Die Entscheidung der Prüfung und der Deutschen Meisterschaft lag hinterher bei einer Sekunde: mit einem Zeitfehler mehr hätte Andreas Ostholt doch noch Ingrid Klimke den Vortritt lassen müssen.

Aber dessen war er sich ja bewusst: „Ich wusste ich darf einen Fehler machen, aber eben nicht einen Hindernisfehler und Zeitfehler. Deshalb bin ich zum letzten Hindernis einfach ziemlich schnell geritten und habe den Fehler einkalkuliert. Dann kam ich etwas dicht und hatte den Fehler- ja gut, hätte auch ohne klappen können, das wäre noch schöner gewesen“, verrät er lachend seine Taktik. Auf die Frage, ob ihn das Klappern an den Hindernissen im Parcours beunruhigt hätte, fügte er hinzu „Ich bin zwar Westfale und ziemlich ruhig, aber ich bin nicht stumpf. Klar habe ich das mitbekommen. Aber Chris (Bartle) und Herr Winkler haben mir mit auf den Weg gegeben „Keep the system“ und wenn es klappert, nach vorne sehen, entweder die Stange fällt, oder eben nicht.“ Das war anscheinend ein gutes Rezept. Hans-Günther Winkler war seit 1960 das erste Mal wieder in Luhmühlen- damals stieg er selber in den Sattel. Über seine Anwesenheit und Anteilnahme bei diesem Erfolg freute sich Andreas ganz besonders.

Vizemeisterin Ingrid Klimke freute sich einmal mehr über den vermögend springenden Horseware Hale Bob, der nichts anbrennen ließ. „Bobby sprang gut, ich bin das Ganze einfach angegangen wie eine Zeitspringprüfung- das hat ja auch gut geklappt.“

Peter Thomsen, Bronzemedaillengewinner und 3. des CIC3* war mit sich und seinen Pferden zufrieden. Doch, „um deutscher Meister zu werden, muss man in allen Disziplinen seine Bestleistung bringen. Bei mir waren es in jeder Teilprüfung noch Kleinigkeiten, die nicht perfekt waren. Aber heute freue ich mich über Bronze und versuche es im nächsten Jahr wieder.“ Auf die Frage, die wievielte Meisterschaft dies für ihn war, konnte er selber nicht ganz antworten. „Wenn die 6 bald vorne steht, ist dann auch wahrscheinlich mal genug“, fügte er schmunzelnd mit Blick auf sein Alter hinzu.

Mit Blick auf die Longlist für die Europameisterschaften ergriff Bundestrainer Hans Melzer das Wort. Die endgültige Longlist soll nächste Woche nach den Prüfungen in Strzegom erstellt werden, da sich dort noch Pferde die letzte erforderliche Qualifikationsprüfung im CCI3* sichern können.

Sicher ist jedoch, dass Andreas Ostholt mit So is et, Ingrid Klimke mit FRH Escada JS und Horseware Hale Bob, Peter Thomsen mit Horseware’s Barny und Horseware’s Cayenne, Michael Jung mit fischerRocana FST und La Biosthetique-Sam FBW, Niklas Bschorer mit Tom Tom Go, Bettina Hoy mit Designer, Julia Krajewski mit Samourai du Thot, Dirk Schrade mit Hop and skip, Andreas Dibowski mit FRH Butts Avedon und Claas Romeike mit Cato darauf zu finden sein werden.

(Nennungsliste des CCI3* in Strzegom: http://results.strzegomhorsetrials.pl/live/leaderboard13.html)

Im ZDF gab es übrigens Berichte, die in der Mediathek noch zu sehen sind:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2429480/Vielseitigkeitsreiten-wird-sicherer

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2429876/Klimke:-Habe-ein-fantastisches-Pferd%22

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2429960/Sport-Kompakt-vom-21-Juni-2015

Der längste Beitrag mit vielen Geländeausschnitten:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2429482/Klimke-f%C3%BChrt-nach-dem-Gel%C3%A4nderitt

Der Beitrag zum Abschlussspringen des CCI4*:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2429856/Vielseitigkeits-Reiten-aus-Luhm%C3%BChlen

Ein Bericht des NDR über die Pony-Meldereiter:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Luhmuehlen-Ergebnisse-per-Pony-Depesche,hallonds27690.html

Stimmen zum Event von Luhmühlen:

Pia Münker (7. CIC3* und 5. der Deutschen Meisterschaft mit Louis M)

„Ich bin im Großen und Ganzen wirklich sehr zufrieden. Vor allem wenn ich an das Gelände denke- es hat einfach nur super viel Spaß gemacht und ich bin begeistert mit welcher Motivation und Lust Louis die ganzen Aufgaben bewältigt hat. Im Springen hatten wir dann etwas Pech, aber wir gucken nach vorn und beim nächsten Mal greifen wir wieder an.“

Josefa Sommer (10. CIC3* und 7. der Deutschen Meisterschaft mit Hamilton)

„Ich hatte das ganze Wochenende über richtig Spaß. In der Dressur wurde er leider nervös und spulte sich so auf, dass er immer mehr aus dem Konzept kam. Schade, er kann es besser, das hat er schon gezeigt. Der Geländetag war dann einfach nur noch Spaß pur. In der Startbox wollte er unbedingt los, er hat das Gelände mit einer totalen Leichtigkeit gemeistert und ich hatte nicht ein einziges Mal das Gefühl eines schlechten Sprunges oder einer „oh shit“ Situation. Mit seiner etwas eigenwilligen Manier kam er im Springen nicht einmal an die Stange und beendete unser Luhmühlen Debüt unter den besten 10. Ich bin mehr als zufrieden- vor allem bei dem Starterfeld. Luhmühlen hat sich, glaube ich, selbst übertroffen. Die Versorgung für die Reiter war toll und auch sonst die gesamte Organisation war einfach klasse. Es war ein rundum gelungenes Turnier mit glücklichen Pferden und Reitern. Auch das Wetter hätte nicht besser sein können.“

Julia Krajewski (20. CIC3* und 12. der Deutschen Meisterschaft mit Lost Prophecy)

„Lost Prophecy hat sich leider in der Atmosphäre des Stadions von Anfang an unwohl gefühlt und wollte sich daher in der Dressur als auch im Springen nicht so recht auf seine Aufgabe konzentrieren. Das war natürlich sehr schade, weil er eigentlich sehr gut in Form war. Er ist aber eine schöne Geländerunde gegangen und da er mit seinen mittlerweile 15 Jahre in über 40 internationalen Prüfungen immer alles für mich gegeben hat, kann ich ihm absolut nicht böse sein, wenn seine Nerven ihn mal verlassen. Er wird voraussichtlich noch ein paar Prüfungen auf Plätzen gehen, wo er sich wohler fühlt, und das Ganze dann hoffentlich gelassener angehen.“

„Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Luhmühlen gefahren, weil ich mir nicht sicher war, ob die Erinnerungen an das vergangene Jahr wieder hoch kommen würden. Ich weiß nicht, ob es anderen auch so ging, aber ich habe mich zunächst doch zurück erinnern müssen. Aber im Laufe des Wochenendes hat man wieder gemerkt, warum Luhmühlen eines der schönsten Turniere ist, die wir haben! Die Bedingungen waren top, die Prüfungen sind optimal verlaufen und die Vielseitigkeit hat sich von ihrer schönsten Seite präsentiert. Ich glaube das war besonders dieses Wochenende allen ganz wichtig!“

Kai-Steffen Meier (CCI4* mit Sunny Side First, nach einem Stolpern im Wasser leider ausgeschieden)

„Sunny ging eine ordentliche Dressur im Rahmen seiner derzeitigen Möglichkeiten, viele schöne Lektionen, aber auch noch einige jugendliche Fehler. Im Gelände fing er unglaublich toll an, alle Aufgaben nahm er sehr sicher an und meisterte sie. Am Meßmer-Teich hatten wir dann leider Pech, Sunny sprang sehr groß ins Wasser, stolperte aber im zweiten Galoppsprung und wir gingen baden. Wir sind beide wohlauf und werden wohl als nächstes den CIC3* in Arville (BEL) in Angriff nehmen.“

 

 

Wiebke Struck