Internationale Vielseitigkeitssaison 2015: Olympiaqualifikationen sind wichtiges Ziel

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Internationale Vielseitigkeitssaison 2015: Olympiaqualifikationen sind wichtiges Ziel

von Dr. Hans G. Stürmann

Die erforderlichen Qualifikationen zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 geben der vorolympischen Vielseitigkeitssaison 2015 eine zusätzliche Bedeutung.

Für die olympische Vielseitigkeit vom 6. bis 9. August 2016 in Rio de Janeiro ist die Zahl der Teilnehmer auf 65 festgelegt: Auf elf Mannschaften mit jeweils vier oder drei Paaren, mithin maximal 44 Teilnehmern, sowie mindestens 21 Einzelreiter aus Nationen, die kein Team stellen.
Neben dem Gastgeber Brasilien haben sich bereits weitere sechs Nationen als Bestplatzierte bei der WM 2014 für die olympische Mannschaftswertung qualifiziert: Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Australien und Irland.

Französische Qualifikation fraglich

Nachdem nun auch die B-Probe von Qalao Des Mers, dem Pferd des französischen WM-Fünften Maxime Livio, mit dem bei Wettbewerben unzulässigen beruhigenden Wirkstoff Acepromazine (ACP) positiv ausgefallen sein soll, ist mit einer nachträglichen Disqualifikation dieses Mannschaftspferdes wegen Dopings zu rechnen. Rechnerisch würde das französische Team in der WM-Wertung vom vierten auf den fünften Rang zurückfallen, Frankreich aber immer noch für die Teamwertung 2016 qualifiziert bleiben. Möglicherweise könnte aber auch die französische Mannschaft aus der WM-Wertung fallen und Kanada so auf den sechsten WM-Rang aufrücken. Das würde zugleich auch dem kanadischen Team die Olympia-Qualifikation an Stelle von Frankreich bringen. Die langwierigen Prozeduren der FEI lassen derzeit aber noch alles offen.

Vier Nationen können ihre Mannschaft noch direkt qualifizieren

Über die noch offenen vier Teamplätze in der direkten Olympiaqualifikation wird dieses Jahr in regionalen Championaten entschieden.
Zwei Plätze sind den beiden besten, bisher noch nicht qualifizierten Nationen bei der EM im schottischen Blair Castle Mitte September vorbehalten. Beste Chancen rechnen sich hier Belgien, Schweden und Italien aus, die möglicherweise zudem mit Frankreich in Konkurrenz treten müssen.
Die zehnte Mannschaft wird der Teamsieger bei den Pan-Amerikanischen Spielen auf CCI2*-Level in Toronto Mitte August stellen. Hier ist damit zu rechnen, dass sich die USA qualifizieren, möglicherweise in Konkurrenz mit Kanada. Die elfte Mannschaft soll bei der Asia-Pacific-Eventing Championship ermittelt werden, wo Neuseeland Favorit wäre. Ebenso wie vor den Olympischen Spielen 2012 und 2008 wird sich aber wohl wieder kein Veranstalter für ein solches Championat finden lassen. So fand die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2012 im englischen CCI3* Blenheim 2011 statt, wo sich überraschend Japan vor Australien durchsetzen konnte, nachdem sich Neuseeland bereits bei der WM 2010 qualifiziert hatte. Es könnte sein, dass nun Neuseeland gegen Japan in einem CCI3* antreten muss.

Weitere Mannschaften haben noch Chancen über das Olympic Riders Ranking

Bewährte Vielseitigkeitsnationen, die keine Mannschaft direkt qualifizieren können, brauchen indessen noch nicht alle Hoffnung aufgeben. Neben den elf direkt qualifizierten Mannschaften können einige noch als sogenannte „composite qualified teams“ mit einer Teilnahme am Mannschaftswettbewerb rechnen. Dazu müssen sie drei oder vier Reiter ganz vorne in dem für Einzelreiter eingeführten Olympic Riders Ranking platzieren.

Olympic Riders Ranking wichtig für Nationen ohne Teambeteiligung

Für Reiterinnen und Reiter, deren Nation kein Team direkt qualifizieren konnte, führt die FEI wieder ein Olympic Riders Ranking ein, für das die besten vier Ergebnisse auf Drei- und Vier-Sterne-Level zwischen dem 9. März 2015 und dem 6. März 2016 gewertet werden. Mit einem komplizierten System werden daraus die Einzelreiter für die olympische Vielseitigkeit ermittelt. Nationen, die dabei drei oder vier Reiter qualifizieren können, nehmen dann
zusätzlich an der Mannschaftswertung teil. Für bewährte Nationen sollte das kein unlösbares Problem sein. So qualifizierten auf diese Weise Australien, Irland und die Niederlande ihr Team für die olympischen Vielseitigkeit 2012 in London ebenso wie Neuseeland und Irland für Hongkong 2008.

Individuelle Qualifizierung für alle Teilnehmer erforderlich

Für alle Starter in der olympischen Vielseitigkeit 2016 ist eine individuelle Reiter/Pferd-Qualifikation als Paar erforderlich, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 19. Juni 2016 zu erbringen ist.

Vorzuweisen sind Ergebnisse aus einem CCI4* oder einem CCI3* und einem CIC3*, wobei die Mindesterfordernisse (MER) der FEI erfüllt werden müssen. In der Dressur (nicht mehr als 75 Strafpunkte) sowie im Parcoursspringen (nicht mehr als 16 Strafpunkte) dürfte das den Olympia-Anwärtern keine Probleme bereiten. Im Gelände würde aber schon eine Verweigerung das Scheitern bedeuten.

Darum ist es der Plan von Bundestrainer Hans Melzer, „dass alle Pferde des Championatskaders sowie weitere Zweitpferde dieser Kaderreiter noch vor der EM in einer Vier-Sterne-Prüfung starten, damit sie ihre Olympiaqualifikation schon mal haben“. Danach sollen die Rio-Aspiranten dann 2016 nur noch ganz gezielt in Kurzprüfungen eingesetzt werden. Ähnliche Pläne dürften auch die Verantwortlichen anderer Nationen haben. Für
viele Pferde könnte sich aber 2015 zunächst auch der Weg auf Drei-Sterne-Level anbieten.

So sind für 2015 neben den sechs CCI4* mehr Drei-Sterne-Events als im Vorjahr angekündigt. Der FEI-Kalender führt Anfang Februar für 2015 als Qualifikationsprüfungen weltweit 40 CCI3* sowie 96 CICO/CIC3* auf, während 2014 weltweit nur 20 CCI3* und 80 CICO/CIC3* ausgetragen wurden.