Europameisterschaften- Doppel-Gold und Einzel-Silber für Deutschland

Auch wenn sich die Gastgeber nichts sehnlicher wünschten, als im Heimatland endlich wieder Mannschafts-Gold zu gewinnen: Die Deutschen kamen wieder einmal dazwischen. Mannschafts-Gold, Einzel-Gold und Einzel-Silber nehmen sie mit nach Hause. Dazu noch die Einzelplatzierungen 5., 7. und 10. Die Deutschen sammelten im übrigen heute im Parcours nicht einen Strafpunkt!

Schon nach der Dressur lag das deutsche Team wieder einmal auf Goldkurs. Doch dass diese Europameisterschaften kein Dressurturnier sein werden, darüber waren sich schon im Vorhinein alle einig.

Dass der Geländetag dann so vom starken Landregen beeinflusst würde, war jedoch sehr schade. Im Verlauf der Prüfung wurde 1 Sprung aus der Strecke genommen. Es gelangen jedoch auch 3 Nullrunden in der Zeit.

Eine davon gelang Michael Jung. Dass er ein Ausnahmereiter ist, stand schon lange nicht mehr in Frage. Aber was er hier in Blair Castle zeigte, übertraf nochmal einiges. Mit dem erst 8 jährigen fischerTakinou, der zuvor erst zwei Prüfungen auf 3* Niveau gelaufen ist, zeigte er eine Runde, die so als Lehrvideo verwendet werden könnte: Das war Geländereiten! Ein hoch motivertes, aufmerksames Pferd, das stets vor den Hilfen seines Reiters war und vertrauensvoll und gehorsam bei jeder Aufgabe lossprang- so soll es sein. Wie Michi Jung es selber sagt, „Takinou und auch das Team führen vor dem abschließenden Springen! Er meisterte das Gelände wie ein erfahrenes Pferd… Das er super ist wusste ich, aber das war einfach abnormal genial !!!!“. Nun liegt auch das Springen hinter den beiden- noch eine sichere Nullrunde!

Michi Jung kann wiederholt seinen Titel verteidigen und ist der neue und alte Europameister der Vielseitigkeitsreiter! Und dass mit einem Abstand von über 9 Minuspunkten….!Im übrigen ist Michael Jung nun das 3. Mal in Folge Europameister (2011 mit La Biosthetique- Sam FBW, 2013 mit Halunke FBW und nun mit fischerTakinou)

Von fischerTakinou werden wir sicher nochmal etwas hören! -33,50 lautet ihr Ergebnis.

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Bereits die zweite Luxusuhr in diesem Jahr für Michael Jung (Foto: Ingo Wächter)

Etwas Pech hatte hingegen Doppel-Weltmeisterin Sandra Auffarth mit ihrem Opgun Louvo. Das erfahrene Paar wurde bereits am 5. Hindernis im Gelände angehalten. Aber auch sie ritten ohne Hindernisfehler ins Ziel. Im Ziel wurde dann die Zeit ermittelt, die die beiden benötigte. Die Pause, in der die beiden auf den Weiterritt warten mussten, muss dabei natürlich möglichst genau abgezogen werden.. Hierzu denkt Sandra folgendes: „Wolle ist der Beste!! Ich bin so unglaublich stolz, wie Wolle heute trotz der erschwerten Bedingungen durch das Gelände geflitzt ist! Es war definitiv eine der besten Geländerunden, die wir bis jetzt hatten! Da ich ja auf der Strecke angehalten wurde, konnte man die Zeit nur sehr schwer nachvollziehen. Ich muss für mich sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass wir keine 25 Sekunden über die Zeit waren. Wolle und ich haben schon so viele Kurse zusammen bestritten und daher habe ich mittlerweile eigentlich ein ganz gutes Gefühl, wie wir in der Zeit sind. Ich bin überall direkt geritten, ich habe ihn immer sehr spät vorm Sprung aufgenommen und er kam super fit ins Ziel galoppiert, da erscheinen die Zeitfehler schon recht viel… Naja so muss man es nun leider hinnehmen… Ich bin dennoch unglaublich stolz auf Wolle, er ist einfach der Allerbeste!! Wir freuen uns morgen auf’s Springen und hoffen, dass ihr dem deutschen Team die Daumen drückt!!“ 

Die Daumen wurden gedrückt, „Wolle“ sprang in gewohnt sicherer und toll anzusehender Springmanier durch den Parcours und bescherte Sandra mit der Nullrunde den Titel: Vize-Europameister 2015 und die Silbermedaille. Mit -42,60 Punkten beenden sie die Prüfung.

Ein toller Saisonhöhepunkt nach der Saison, die bisher etwas von Verletzungspech durchwachsen war.

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Hebt auch nach dem Gelände noch richtig ab – Wolle unter Sandra Auffarth (Foto: Ingo Wächter)

Bronze mit einer Nullrunde im Springen gewinnt der Franzose Thibaut Valette Lt Col mit Qing du Briot ENE HN mit -45,20. Übrigens die einzige Einzelmedaille, die nicht in einem deutschen LKW heim fährt.

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Thibaut Valette Lt Col mit Qing du Briot ENE HN (Foto: Ingo Wächter)

4. wird Kitty King (GBR) mit Persimmon, die ebenfalls eine Nullrunde im Springen ablieferten. Die beiden starteten als Mannschaftsreiter für Großbritannien und beendeten die Prüfung mit -45,30.

Ebenfalls eine deutsche Nullrunde lieferten Ingrid Klimke und Horseware Hale Bob ab. Sie hatte es sich so verdient, als letzte Mannschaftsreiterin an den Start zu gehen- am Ende war dieser Startplatz wohl eher etwas Pech für sie. Der Boden wurde zusehends schlechter, sodass nicht einmal der flinke „Bobby“ eine Chance hatte, schneller ins Ziel zu galoppieren. Er wäre sicher ein Kandidat für eine Nullrunde in der Zeit gewesen, das hatte Ingrid nach der Dressur noch so eingeschätzt. Aber so wie der Boden sich entwickelte, veränderte sich auch die Strategie. In Absprache mit Bundestrainer Chris Bartle stellte sie ihre Uhr aus und ritt einfach nach ihrem Gefühl, wie Horseware Hale Bob mit dem Boden zurecht kommt. Der Boden zog so sehr, dass Ingrid sich entschied, Hale Bob das Tempo so wählen zu lassen, wie er sich wohlfühlt. 8,8 Strafpunkte für die Zeitüberschreitung waren das noch sehr gute Resultat für einen der letzten Startplätze. Jedoch verwehrte ihr das natürlich jegliche Medaillen-Chancen. Mit einer Nullrunde im Cross wäre es noch Einzel-Silber geworden. Aber- das kann man vorher nicht planen! So wurde Ingrid mit ihrem Hale Bob 5. und lieferte damit zusätzlich ein sehr wichtiges Ergebnis für die deutsche Mannschaft.

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Die Ohren gespitzt und fehlerfrei: Horseware Hale Bob mit Ingrif Klimke (Foto: Ingo Wächter)

Des einen Freud ist des anderen Leid- wer an diesem Wochenende sicherlich von seinem Startplatz profitierte ist Dirk Schrade. Wahrscheinlich fühlte sich sein Hop and skip auf dem Boden zu Beginn der Prüfung doch etwas wohler, als er es zum Schluss der Prüfung getan hätte- so wie er es in der Normandie zeigte. Gestern spielte er seine ganze Klasse und Routine aus und zeigte eine sichere Runde in seiner etwas eigenen Art zu springen. Mit nur -5,2 Punkten konnten die beiden sich gestern ganze 16 Plätze vorschieben. Und auch heute zeigte Hop and skip, dass nicht nur Pferde, die eine Springpferdeprüfung gewinnnen, null gehen können. Eine sichere Nullrunde brachten den beiden den 7. Platz und damit eine Top 10 Platzierung beim Championat ein.

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Wieder mal eine sichere Bank in der deutschen Mannschaft – Dirk Schrade und Hop and Skip (Foto: Ingo Wächter)

Diese vier deutschen Reiter landeten alle unter den Top Ten! Und.. es waren auch gleichzeitig die vier Mannschaftsreiter. Kein anderes Team schaffte es überhaupt, vier Reiter in Wertung zu halten.

Deutschland hat alle 4 Reiter in den Top Ten- erneutes MANNSCHAFTSGOLD für die überragende Nation der letzten Championate! Der diesjährige Vorsprung war geradezu deklassierend: 12 Stangen hätten im Springen fallen dürfen- und es hätte sich immernoch jemand 3 Sekunden mehr Zeit lassen dürfen, als erlaubt. Über 50 Punkte Vorsprung auf die große Nation der Vielseitigkeit- Großbritannien- das ist schon ein Wort!

Doch.. nicht nur die vier Reiter blieben in Wertung- auch einer der Einzelreiter schaffte noch den Sprung unter die besten 10: Peter Thomsen und Horseware’s Barny. In der Dressur blieben sie noch etwas hinter den eigenen Erwartungen zurück, doch das konnte er ganz schnell hinter sich lassen. Eine schnelle und sichere Runde durch den Cross und die Nullrunde im Springen ließen ihn insgesamt 24 Plätze nach oben klettern- 10. Platz!

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Hat sich gut hochgearbeitet Peter Thomsen mit Horseware’s Barny (Foto: Ingo Wächter)

Etwas Pech ereilte Bettina Hoy gestern mit dem für Designer ganz untypischen Vorbeiläufer an einer Ecke im Stadion. Dadurch starteten sie heute als erstes deutsches Paar im Parcours und lieferten die erste Nullrunde der Springprüfung. Designer hat danach wohl seinen Stallkollegen erklärt, wie es geht- denn alle deutschen Pferde sprangen fehlerfrei! Mit dem tollen Abschluss konnten sich Bettina und Designer noch auf den 34. Platz vorarbeiten. Auch wenn es ärgerlich ist, ein tolles Comeback mit einem gebührenden Abschluss im Springen!

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Versöhnlicher Abschluss für Designer und Bettina Hoy (Foto: Ingo Wächter)

Deutschland verlässt das Mutterland der Vielseitigkeit: Im Gepäck der alte und neue Europameister Michael Jung, der noch dazu auf der Reise den 4* Sieg in Burghley einfahren konnte und nun erst einmal ordentlich feiern kann. Im Gepäck die Vize-Europameisterin Sandra Auffarth. Im Gepäck die Mannschafts-Europameister Ingrid Klimke und Dirk Schrade. Im Gepäck die Einzelreiter mit tollen Ergebnissen Peter Thomsen und Bettina Hoy.

2. wird das Team aus Großbritannien, 3. das Team aus Frankreich.

Lasst euch feiern!

IMPRESSIONEN AUS BLAIR CASTLE

Bilder: privat

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Pressekonferenz mit den Mannschafts-Europameistern und Einzel-Medaillengewinnern v.l. Bundestrainer Hans Melzer, Mannschafts-Goldgewinner Dirk Schrade, Mannschafts-Goldgewinnerin Ingrid Klimke, Einzel-und Mannschafts-Europameister Michael Jung, Einzel- Silbermedaillen und Mannschafts-Goldgewinnerin Sandra Auffarth, Bronzegewinner Thibaut Vallette


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So sehen Sieger aus! Die Mannschafts-Europameister Michael Jung, Ingrid Klimke und Dirk Schrade.


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Er wird immer in Verbindung mit der EM in Blair Castle in Erinnerung stehen: fischerTakinou und seine Pflegerin Julia Harsch


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Zurecht dürfen sie stolz sein! Das deutsche Team mit den Bundestrainern Chris Bartle und Hans Melzer sowie der 3. Platzierte Thibaut Vallette (FRA)

 

Wiebke Struck