Ein ganz Großer wird verabschiedet: Opgun Louvo verlässt die Bühne

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Ein ganz Großer wird verabschiedet: Opgun Louvo verlässt die Bühne

Equestrian - Alltech FEI World Equestrian Games 2014 - D'ornano Stadium, Normandy, France - 31/8/14 Newly crowned world champion Germany's Sandra Aufffarth salutes a packed Stade D'Ornano after claiming team and individual gold with Opgun Louvo in the Eventing final at the Alltech FEI World Equestrian Games in Caen Mandatory Credit: FEI / Arnd Bronkhorst / Pool Pic

Sein Spitzname „Wolle“ lässt im ersten Moment nicht gerade das vermuten, was Opgun Louvo für eine Erscheinung ist. Ein Leistungspferd aus dem Lehrbuch, der in allen drei Disziplinen eigentlich keine Schwächen hat.

Doch nun ist die Zeit gekommen, Sandra Auffarth verabschiedet heute ihr mittlerweile 17-jähriges Erfolgspferd der letzten neun Jahre aus dem Sport. Zuletzt hatten sie sich nach dem Rückzug aus dem Championatskader für einen Start beim letztjährigen CHIO Aachen angekündigt, gingen jedoch kurzfristig nicht an den Start. Danach startete Opgun Louvo nicht mehr in Prüfungen.

Opgun Louvo und Sandra Auffarth, diese beiden Namen kennen viele nur in Kombination. Der Fuchswallach ist das Pferd, mit dem Sandra so richtig Fuß im Spitzensport fassen konnte und mit dem sie zu den ersten Championaten im Seniorenlager fuhr.

Und das mit Erfolg.

Nach Bronze beim ersten Championat, den Weltmeisterschaften der 7-jährigen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d’Angers, ging es weiter steil bergauf. Insgesamt konnten die beiden vier Mal zu Mannschaftsgold beitragen, einmal zu Mannschaftssilber. Ein Einzelgoldmedaillen, zwei Mal Einzel-Silber und ein mal Einzel-Bronze. Eine Ausbeute von fünf Championatseinsätzen, die seinesgleichen sucht.

Es begann mit den Europameisterschaften im eigenen Land, Luhmühlen war, wie in diesem Jahr auch, 2011 Gastgeber. Sandra und „Wolle“ gewannen Silber in der Einzelwertung und konnten mit dem Team Mannschaftsgold sichern.

2012 war dann sicher ein erstes großes Highlight, das Paar wurde für die Olympischen Spiele in London nominiert. Dieser Nominierung wurden sie mehr als gerecht, Einzel-Bronze und die Mannschaftsgoldmedaille zählen die beiden zu ihren Preisen.

Nachdem sie 2013 nicht zum deutschen Aufgebot bei den Europameisterschaften gehörten, setzten sie sich 2014 die Krone auf. 2013 konnte das Paar Vierter in Badminto beim CCI5*-L Klassiker werden und in der Aachener Soers wurden sie für den zweiten Platz gefeiert. 2014 sollte dann das Heimatland des Selle Francais-Wallachs ein gutes Pflaster sein. Sie werden Einzel- und Mannschaftsweltmeister und gehen damit in die Geschichtsbücher ein. Nicht nur, dass sie unangefochten gewinnen konnten, sie konnten auch den zu der Zeit quasi nicht zu schlagenden Michael Jung als Titelverteidiger auf den Silberrang verweisen.

Doch 2015 drehte Michael Jung den Spieß wieder um und sicherte sich den Europameister-Titel in Blair Castle. Nach ein wenig Ärger um die Zeitmessung im Regenchaos konnte sich Sandra mit Hilfe ihres Opgun Louvo am Ende dann noch über Silber freuen- zudem wurden sie erneut Mannschafts-Europameister.

2016 gehörte das Paar dann zum deutschen Aufgebot bei den Olympischen Spielen in Rio. „Wolle“ war in diesem Jahr zuvor nur in Fontainebleau und in Luhmühlen im Gelände gestartet, in Wiesbaden und Aachen konnte man die beiden nur zur Formüberprüfung in der Dressur und im Springen sehen. Vielleicht nicht so optimal, wie sich hinterher im schweren Geländekurs von Rio zeigte. Opgun Louvo war so hochmotiviert, dass Sandra alle Hände voll hatte, um ihn bei sich zu halten. Dies endete in einem unglücklichen Vorbeiläufer, der sie am Ende um eine mögliche Medaille brachte. Dennoch kamen sie nicht ohne Edelmetall heim: Tolle Nullrunden im Springen machten es möglich, dass Michael Jung, Sandra Auffarth, Ingrid Klimke und Julia Krajewski am Ende doch noch aufs Podium kamen, um Teamsilber in Empfang zu nehmen.

44 gemeinsame internationale Starts gehen auf das Konto der beiden, neben zahlreichen Siegen mit der Mannschaft in Nationenpreisen konnten sie auch sechs internationale Prüfungen gewinnen, darunter der prestigeträchtige Nationenpreis in Aachen, den sie 2014 mit ihrem Dressurergebnis beendeten. 2016 gelang ihnen dasselbe in Luhmühlen bei den Deutschen Meisterschaften, der erste nationale Titel im Seniorenlager.

Die Erfolge hören sich toll an. Was wir aber auch in Erinnerung behalten werden, sind die tollen Ritte der beiden. Ob es im Dressurviereck war, im Springparcours, oder im Gelände. Die beiden bildeten eine Einheit, wussten sich zu verstehen und sich gegenseitig zu helfen. Und so soll das sein in unserem Sport.

Mach es gut, „Wolle“ Opgun Louvo! Vielleicht kannst du deinen Stallkollegen ja noch ein paar deiner Erfahrungen weitergeben..

 

Hier geht es zum offiziellen Verabschiedungsvideo für Opgun Louvo: