Durchatmen für Rio in einer Winter-Olympiastadt

Michael Jung hofft auf seinen Pferden auf eine erfolgreiche Saison

Gut fünf Monate vor dem diesjährigen sportlichen Großereignis, den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, hat sich Michael Jung Ende Februar in Kanada eine achttägige Auszeit erlaubt. Als aktueller Weltranglistenerster im Vielseitigkeitsreiten und einer von Deutschlands großen Medaillenhoffnungen im August in Brasilien, ließ ihn das Thema Olympia allerdings selbst während dieses Kurzurlaubs nicht los.

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Vielseitigkeitsreiterin Faye Füllgraebe (25), stattete Michael Jung seinem Bruder Philip in der kanadischen Olympiastadt Vancouver einen Besuch ab. „Was für eine faszinierende Metropole und natürlich machten wir auch einen Abstecher nach Whistler, standen dort direkt neben den Olympischen Ringen“, verriet Michael Jung. Etwaige Olympiamedaillen, die gibt’s für Reiter freilich nicht bei Winter- sondern alle vier Jahre bei den Sommerspielen zu gewinnen. Diesbezüglich möchte der 33-Jährige aus Horb-Altheim im August in Rio de Janeiro möglichst erfolgreich sein. Das geht nur mit einem ständig gut abgestimmten Stallmanagement in der Reitschule Jung, die von seinem Vater, dem FN-Reitlehrer Joachim Jung, betrieben wird. „Auch während des Kanada-Aufenthalts meines Sohnes, oder wenn er auf Turnieren unterwegs ist, müssen die daheimgebliebenen Pferde trainiert und versorgt werden“, erläutert Joachim Jung. Nur welches von Jungs besten Vielseitigkeitspferden soll die lange Reise nach Südamerika letztendlich mit antreten?

Diesbezüglich hat Michael Jung in Kanada seinem Bruder zunächst berichten müssen, dass diesmal wohl nicht Sam auf den Olympia-Zug aufspringen und stattdessen wie 2015 weiterhin in der hohen Viersterne-Klasse erfolgreich sein soll. Als General Manager eines Kosmetikkonzerns hätte Philip Jung das London-Siegerpferd auch gern in Rio gesehen, denn schließlich verhalf er dem mittlerweile 16 Jahre alten Paradepferd einst zu seinem bis heute unveränderten Namen „La Biosthetique Sam“. Eine weltmeisterliche und olympische Erfolgsgeschichte. Namenstechnisch aber ein Einzelfall, kein anderes Pferd erhielt bis dato diesen Namenszusatz.

Daheim setzt sich unterdessen die seit Oktober 2012 bestehende erfolgreiche Partnerschaft zwischen Michael Jung, dem Vielseitigkeits-Doppelolympiasieger aus Horb-Altheim (Kreis Freudenstadt) und der Unternehmensgruppe fischer in Waldachtal (ebenfalls Kreis Freudenstadt) fort. Die Zusammenarbeit bezieht sich auf gemeinsame Veranstaltungen, Werbemaßnahmen sowie das Sponsoring für den Spitzensportler. So wirkt Michael Jung bei der Vermarktung der greenline Produktepalette von fischer mit, jenen weltweit ersten Befestigungssystemen aus über 50 Prozent nachwachsenden Rohstoffen.

An diesem Beispiel zeigt sich, wie sich Unternehmen und Sportler in der Grundphilosophie verbinden: „Nachhaltig erfolgreich: Der Weltmeister und Olympiasieger im Vielseitigkeitsreiten. Erfolge aus dem Schwarzwald. Natürlich unterstützt von fischer.“, heißt es in der Vermarktung von greenline. Daheim im Schwarzwald, nachhaltig und verantwortungsbewusst gegenüber Natur und Umwelt; gleichzeitig aber weltoffen, international ausgerichtet, innovativ und leistungsorientiert. Das Vielseitigkeitsreiten ist eine Sportart, die ganz verschiedene Fähigkeiten und Disziplinen anspricht. Genau wie die Befestigungssysteme von fischer. Die sehr gut laufende Partnerschaft zwischen der Unternehmensgruppe fischer und Michael Jung stellt dies besonders heraus.

Für Prof. Klaus Fischer, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe fischer, ist die Partnerschaft auch deshalb bedeutsam, weil Michael Jung Werte verkörpert, für die das Unternehmen fischer steht. „Er ist innovativ in seiner Arbeit, er zeigt, wie wichtig eigenverantwortliches Handeln ist – was kein Widerspruch zu Teamgeist ist. Und Michael Jung ist in seinem Sport seriös, er ist glaubwürdig und zuverlässig. Das sind Eigenschaften, die bei uns vor allem in der Ausbildung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter eine große Rolle spielen“, sagt Prof. Fischer. Michael Jung ist darum vor allem auch für die Auszubildenden bei fischer ein begehrter Gesprächspartner.

Nach seiner Kanada-Rückkehr hat sich Michael Jung nicht nur auf die vielen Pferde, das tägliche Training im Sattel und die sofort wieder anstehenden wöchentlichen Turniereinsätze gefreut. Sondern etwa auch auf solche Dinge, wie den regelmäßigen Besuch des fischer Fitnessstudios. „Ich reite und arbeite ja täglich einige Stunden mit den Pferden, da ist es auch wichtig, zweimal in der Woche ins Fitness-Studio zu gehen, um meine eigenen körperlichen Defizite auszugleichen und noch fitter zu werden“, so Jung. Die Atmosphäre im fischer Fitnessstudio sei, betonte der Weltranglistenerste des Vielseitigkeitsreitens, „einfach super, und es macht jedes Mal sehr viel Spaß dort hinzugehen – ich kann an hervorragenden Geräten professionell trainieren.“ Wenige Monate vor dem Großereignis in Brasilien sollte neben der Fitness des Reiters jetzt auch langsam die Formkurve der Vielseitigkeitspferde stetig und behutsam nach oben gehen. Bei entsprechenden Großereignissen die Pferde topfit vorzustellen, ist Michael Jung bislang immer hervorragend gelungen.

Auf einen höchstwahrscheinlichen Olympiastart arbeitet man derzeit im Hause Jung mit dem Anglo-Araber fischerTakinou hin. Der 2007 geborene Fuchswallach, mütterlicherseits ein reiner Anglo-Araber und väterlicherseits vom französischen Dreiviertel-Vollblüter Jaguar Mail abstammend, brillierte im letzten September als Championats-Debütant im schottischen Blair Castle und bescherte Michael Jung prompt doppeltes Vielseitigkeitseuropameisterschaftsgold. Für den Reiter nach 2011 (auf La Biosthetique Sam) und 2013 (auf Halunke) nun auf fischerTakinou sitzend zum dritten Mal in Folge Doppel-Gold.Im Einzel und mit der deutschen Mannschaft. Demzufolge durfte dieses Paar bei der Aufstellung des diesjährigen Olympiakaders durch den Vielseitigkeitsausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) keinesfalls fehlen. Michael Jungs Name taucht darauf mit drei nominierten Pferden auf, neben EM-Siegerpferd fischerTakinou sind dies Jungs letztjährige Viersterne-Pferde, die zu Saisonbeginn 2015 im US-Bundestaat Kentucky siegreiche fischerRocana sowie sein im Spätsommer letzten Jahres bei den Burghley-Horse-Trials in England ebenfalls auf dem ersten Platz gelandeter La Biosthetique Sam. „Der Kentucky- und der Burghley-Viersternesieg sind echte Höhepunkte in meiner Karriere gewesen“, sagte Michael Jung.

Da die Olympischen Spiele in diesem Jahr erstmals in Südamerika stattfinden, müssen die Planungen in allen Belangen gut bedacht werden. Stichwort klimatische Bedingungen. Oder auch Quarantäne. Um nicht viele Wochen vorher anreisen zu müssen, sollen alle Pferde quasi abgeschirmt von der Außenwelt direkt vom Flughafen in den Westen der Stadt, knapp 19 Kilometer vom olympischen Dorf entfernt, ins National Equestrian Center Deodoro verfrachtet werden. Vom 6. bis 19. August finden dort die Reiterspiele in den Disziplinen Vielseitigkeit, Dressur und Springen statt, die Vielseitigkeitsprüfungen sorgen vom 6. bis 9. August für den Auftakt. Jeweils vier Reiter/Pferd-Paare vertreten die deutschen Farben, welche vier von acht auf der Nominierungsliste stehenden deutschen Geländereiter das sein werden, entscheidet sich im Juli direkt nach den Wettbewerben des CHIO-Turniers in Aachen.

Los geht’s in Europa für die internationalen Vielseitigkeitsreiter in Frankreich vom 23. bis 27. März mit dem Nationenpreis-Dreisterneturnier in Fontainebleau. Dort und auch vier Wochen später auf dem Gut Weiherhof bei Radolfzell (21. bis 24. April) soll das designierte Olympiapferd fischerTakinou zum erstmaligen Einsatz seit der letztjährigen Europameisterschaft kommen. Für Reiter Michael Jung bleibt dabei kaum ein Durchschnaufen: Vom 28. April bis 1. Mai tritt er auf seiner elfjährigen Stute fischerRocana als titelverteidigendes Paar in Kentucky in den USA an, vom 5. bis 8. Mai auf La Biosthetique Sam bei den Badminton-Horse-Trials im englischen Badminton. Aufgrund Badmintons diesjähriger Terminkollision mit der traditionellen Marbacher Vielseitigkeit müssen seine vielen Fans auf der Schwäbischen Alb daher auf ihren Publikumsliebling aus Altheim verzichten.

Eine knappe Woche später tritt Michael Jung aber wieder hierzulande an. Und zwar im Wiesbadener Schlosspark – neben der Geländeprüfung dann auch im klassischen Springparcours.

fischerIncantas-Le-LionSogar als WM-Siegerpferd stellte unterdessen Incantas sein hervorragendes Können schon letzten Oktober in Lion d’Angers eindrucksvoll unter Beweis. Mit Michael Jung wurde der hochtalentierte fischer Youngster in Frankreich Weltmeister der sechsjährigen Geländepferde. In der jetzigen Saison heißt das klar abgesteckte Ziel für den vom englischen Vollblüter Ibisco und aus einer Coriano-Stute abstammenden Holsteiner demnach erneut Lion d’Angers. „Wir hoffen“, sagte Joachim Jung, „dass er sich dann erneut die WM-Krone bei den Siebenjährigen, die in der schwereren Zweisterne-CCI-Klasse starten müssen, aufsetzen kann.“ Für etwaige WM-Tickets müssen Altheimer Nachwuchsgeländepferde im Jahresverlauf somit einige Male glänzen. Dank eines weltmeisterlich dekorierten Incantas an der Spitze der jungen Wilden sind das selbst für Michael Jung keineswegs nur unbeachtete Schattenspiele inmitten einer Olympia-Saison.

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Fotos oben : (c) Ingo Wächter