Chris Bartle hat in den letzten 16 Jahren den deutschen Vielseitigkeitssport maßgeblich verändert. Der Medaillenspiegel weist eine überaus erfolgreiche Ära aus, die nun leider zu Ende geht. Chris hat sich entschieden, in seinem Heimatland Großbritannien die Nachfolge von Yogi Breisner anzutreten.

Dass die Briten Chris sehr gerne verpflichten möchten, ist nur allzu gut nachzuvollziehen. Das Mutterland der Vielseitigkeit war bei den letzten Championaten nicht mehr so erfolgreich, wie die erfolgsverwöhnten Briten es wollten. Hingegen konnte die deutsche Equipe mit Co-Bundestrainer Chris Bartle eine Medaille nach der anderen gewinnen. Also, einen Top-Trainer gewonnen, und die deutsche Equipe um den Top-Trainer geschwächt. Aber allzu verständlich, dass Chris diese reizvolle Aufgabe „vor der Haustür“ angenommen hat, trainiert beispielsweise Championatsreiterin Nicola Wilson seit Jahren bei ihm.

Chris Bartle, Luhmühlen 2016 Bild: Kerstin Hoffmann www.eventing-art.com

Chris Bartle, Luhmühlen 2016
Bild: Kerstin Hoffmann www.eventing-art.com

Chris Bartle übernahm nach seinen eigenen Erfolgen im Dressur- und Vielseitigkeitssattel 2001 die Tätigkeit als Co-Bundestrainer, der sich vor allem für die Ausbildung in der Dressur und im Gelände einsetzte. Das akribische Abgehen des Geländestrecken, die Analyse von Trainings- und Turniervideos und das präzise Vorbereiten der Anreitephase von Hindernissen zeichnete seine Arbeit ganz besonders aus. Ab 2005 trug die Arbeit von Chris Bartle, mit der Unterstützung des Vielseitigkeitsausschussvorsitzenden Holger Heigel seit 2009 (er setzte sich neben vielem anderen maßgeblich für den Erhalt von Sam für Michael Jung ein), sichtbare Früchte.

12 Mannschaftsmedaillen und 17 Einzelmedaillen bei Championaten gehen auf sein Konto. Dabei sind folgende Trainererfolge besonders zu erwähnen: Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen 2008 in Hongkong (Hinrich Romeike und Marius), Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen 2012 in London (Michael Jung und Sam). Zudem konnte er eine grandiose Mannschaftsleistung 2011 bei der Heim-EM in Luhmühlen aufzeigen: Glod mit der Mannschaft und der Gewinn des kompletten Medaillensatzes in der Einzelwertung. Die Serie der Siege bei allen Championaten von 2011 bis 2015 der deutschen Equipe konnte nur durch Silber bei den Olympischen Spielen in Rio in diesem Jahr unterbrochen werden. Einmalig, was Chris geleistet hat! (Zum Vergleich: In den 16 Jahren zuvor wurden insgesamt 7 Mannschafts- und 4 Einzelmedaillen erritten.)

Als Ehrung für die unzählbaren Erfolge, die die deutschen Vielseitigkeitsreiter Chris Bartle verdanken, wurde er jüngst anlässlich des Championatballs mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold durch den FN Präsidenten Breido Graf zu Rantzau ausgezeichnet. Zudem erhielt er für die zuletzt gewonnenen Olympischen Medaillen das FN Ehrenzeichen in Gold mit Olympischen Ringen. „Du hast mit Deiner Philosophie der Dressur und des Geländereitens unsere Vielseitigkeitsreiter geprägt wie kaum ein anderer. Im Ergebnis hast Du mit deutschen Reitern seit den Weltreiterspielen in Aachen 2006 alles gewonnen, was es in dieser Disziplin zu gewinnen gibt und das nicht einmal, sondern fast durchgehend. Der deutsche Vielseitigkeitssport hat Dir unendlich viel zu verdanken“, so der FN-Präsident. Standing ovations, die kaum abebbten zeigten Dank und Anerkennung für den Mann aus England, der Deutschland in Sachen Vielseitigkeit so weit nach vorne brachte.

Chris war vor allem in der Vorbereitung und bei den Championaten sehr akribisch. Auf das Abgehen der Geländestrecke legte er ein Hauptaugenmerk. Wie die Championatsreiter berichten, ging er einmal das Gelände für sich alleine ab, um Ideen zu bekommen. Danach plante er noch eine Strecke mit allen zusammen ein, und eine Strecke mit jedem Reiter alleine. Die Geländestrecke in Rio hatte beispielsweise 5840 Meter – insgesamt ist Chris also 40.880 Meter (mindestens, ob er nochmal „heimlich“ alleine unterwegs war, wissen wir nicht) Gelände abgegangen. Zum Vergleich: Ein Marathon misst 42.195 Meter- den restlichen guten Kilometer ist Chris ganz sicher auch noch gelaufen. Chapeau!

Luhmühlen 2015 / CCI4*&CIC3* / Holger Heigel / Chris Bartle / Informationen: ©AGENTUR datenreiter, Lutz Kaiser Emser Straße 34 65195 Wiesbaden

Der noch amtierende Vielseitigkeitsausschussvorsitzende Holger Heigel und Chris Bartle in Luhmühlen 2015 / CCI4* &CIC3* / Holger Heigel / Chris Bartle /  ©AGENTUR datenreiter, Lutz Kaiser

Wir wollen DANKE sagen ! Danke Chris, für dein Engagement, deine wertvollen Erkenntnisse und deine Gabe, diese weiterzugeben ! Dein Weg nach England bedeutet einen großen Verlust für den deutschen Vielseitigkeitssport !

Stellvertretend für alle Reiter/innen, die von der neuen Art des Reitens im Vielseitigkeitssports inspiriert wurden, danken unsere Kaderreiter für die wertvolle Arbeit.

Team Deutschland #roadtorio Bild: privat

Chris, wir werden dich vermissen!
Bild: privat

Michael Jung (Championatskader)

„Chris hat sehr viel Erfahrung, er ist selbst alle großen Prüfungen geritten. Er achtet auf kleine Details und auf einen guten Grundsitz in jeder Situation. Ich danke Chris für die Zusammenarbeit in den ganzen Jahren, für die Betreuung bei allen Championaten und großen Prüfungen.“

Kai-Steffen Meier (langjähriges Mitglied im Championatskader)

„Chris hat mir ganz viele Ideen zum Geländereiten vermittelt. Wo ist mein Vorbereitungspunkt? Wo schaue ich wann hin? Und natürlich die „oh-shit“ Position. 🙂 danke für alles Chris!“

Frank Ostholt (langjähriges Mitglied im Championatskader, neuer Bundestrainer der Jungen Reiter und Trainer der Perspektivgruppe Vielseitigkeit, Leiter des Bundesleistungszentrums):

„Chris hat Unglaubliches geleistet und damit den deutschen Vielseitigkeitssport so weit nach vorne gebracht. Wir sollten auch Auslandsstarts einplanen, unter anderem nach Badminton und Burghley fahren und uns in den schwersten Prüfungen mit den Besten messen- nicht mehr nur in Deutschland die eigene Suppe kochen. Dazu gehörten auch die Trainingsaufenthalte im Yorkshire Riding Centre, die zunächst die Perspektivgruppe und nach und nach immer mehr Kaderreiter nutzen konnten. Auch das deutsche Reiten hat er hinsichtlich des Geländereitens stark beeinflusst. Balance, Rhythmus und „das Pferd einfach mal machen lassen“ sind Chris‘ Grundsätze, die wir sehr verinnerlicht haben. Chris hat sich im Training mit Hans super ergänzt. Ich bin sehr dankbar für die Betreuung von Chris, gerade auch in der Vorbereitung und bei den Championaten. Für meinen eigenen Trainerjob werde ich sicherlich einiges aus seinem Konzept mitnehmen: die Ansprachen und konkreten Zielsetzungen von ihm als Trainer, das akribische Abgehen der Geländestrecken und die damit verbundene konzentrierte Vorbereitung sowie den Teamgeist. Danke für alles, Chris!“

Anna Siemer (geb.Junkmann) (B-Kader)

„Anna, mach mal die Bügel kürzer“
„Ok“
„Anna du solltest die Bügel kürzer machen“
„😳habe ich“
„Das reicht nicht, noch drei Löcher…“

Oh mein Gott und das alles direkt vor meiner ersten CCI*** auf dem Abreiteplatz…

Danke Chris, für so viele neue Ideen und eine tolle Begeisterung für diesen Sport!
Für jedes Problem eine Lösung- das ist Chris.“

Anna-Maria Rieke (B-Kader erweiterte Weltspitze)

„Denke ich an Chris, denke ich z. B. daran, wie er bei der Dressurarbeit durch’s Viereck galoppiert, um mir etwas zu zeigen, an „Increase the speed“ vor einem großen Trakehner und vor allem an die „Oh-shit-position“! Sein analytisches Vorgehen und die anschaulichen Theorieabende waren GOLD wert!“

Josefa Sommer (B-Kader)

„Ich hab von Chris sehr viel gelernt! Gerade was den Sitz betrifft, bin ich dank ihm viel sicherer geworden! Er hat mir viel beigebracht und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Über Zügelbrücke, Vorbereitungspunkt, Blick nach vorne und noch vieles mehr. Ich hoffe, ich kann auch noch in der Zukunft von ihm lernen und mir Tipps von ihm holen! Er wird als Trainer fehlen und ich bedauere es sehr, kann es natürlich aber auch gut verstehen, dass er näher an seiner Familie arbeiten möchte. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute und noch viele weitere erfolgreiche Jahre als Trainer! Danke für alles!“

Josephine Schnaufer (Mitglied des B-Kaders)

„Das Erste was ich bei Chris gelernt habe, nachdem die Bügel gefühlte 10 Loch kürzer gemacht wurden, war: Kicking, whipping and ‚oh shit‘ position!
Chris hat für jedes Problem eine Lösung, es ist einfach genial mit was für kleinen Tipps er das komplette Pferd verändern kann!
Ich habe Chris vieles zu verdanken!
Und freue mich, dass wir weiterhin die Möglichkeit haben mit ihm am YRC zu trainieren!“

Andreas Ostholt (Championatskader, Leiter des Bereichs Pferdesport der Sportschule der Bundeswehr)

Chris hat das deutsche Geländereiten revolutioniert und aus der Situation heraus fast immer eine positive Grundstimmung geschaffen- so wie in Badminton vorm Springen, als mir gleich zweimal das Eisen abriss und er mich beruhigte und nur meinte:“ kein Problem, geht auch ohne !“ – und es ging ohne!

Peter Thomsen (langjähriges Mitglied des Championatskaders)

„Chris ist aufgrund seiner Erfahrung in den verschiedenen Bereichen Dressur, Vielseitigkeit und Rennsport ein sehr vielseitiger Hippologe. Dazu hat er die Gabe, sein Wissen den Reitern mit den richtigen Worten und Bildern weiterzugeben. Er ist ein Motivationskünstler, der nie aufgibt ! Trotz meines fortgeschrittenen Alters konnte er mein Reiten wesentlich verbessern, ich kenne keinen besseren Trainer. Chris, mein Freund, vielen Dank für die 16 Jahre an unserer Seite!“

Bettina Hoy (Championatskader)

„Chris hat mir durch seine positive, motivierende Art mein Vertrauen in meine reiterlichen Fähigkeiten wieder gegeben, als ich es brauchte. Danke Chris, du hast Großartiges geleistet!“

Sandra Auffarth (Championatskader)

„Ich war ganz zu Beginn meiner Zeit in der Perspektivgruppe 3 Monate zum Trainingsaufenthalt bei Chris, eine besonders prägende Zeit für mich. Auch wenn mal was nicht so geklappt hat, hat Chris mich unterstützt und mir dazu verholfen, dass es beim nächsten Mal wieder besser war. Vor allem im Geländereiten hat er mir einiges beigebracht, aber auch in Bezug auf mein Training und das Management habe ich sehr viel von ihm gelernt. Chris zeigte mir in meinen ersten Tagen in England einige seiner Rennsättel, mit denen ich dann auch lernen musste, mit ganz kurzen Bügeln zu reiten. Wir arbeiteten viel zusammen am Sitz und der Balance im Sattel. Zusammen haben wir einen Geländesattel ausgesucht, den ich dann in England bei ebay ersteigert habe. In diesem Sattel hatte ich dann meine ersten Erfolge auf englischem Boden. Chris ist ein sehr genauer Mensch, der es immer wusste, uns ganz genau auf die Aufgaben vorzubereiten, vor allem bei Championaten. Er ist den Geländekurs mit jedem von uns einzeln abgegangen und hat immer die Stärken und Schwächen von Pferd und Reiter vor Augen. Chris ist Pferdemann durch und durch und kann sich auch auf jeden Reiter sehr individuell einstellen. Immer eine Idee für jedes Problem- das ist Chris! Danke für alles!“

Beeke Jankowski (B-Kader)

“ Vielen Dank Chris, für die tolle Zeit und dein riesen Engagement für jeden einzelnen von uns! Man kann jederzeit zu dir kommen und du hast immer ein offenes Ohr und stehst einem mit Rat und Tat zur Seite, das gibt einem ein enorm sicheres Gefühl. Ich denke deine Ausdauer beim Unterricht erteilen oder Geländeabgehen sucht seines Gleichen… ich bin dankbar, dass ich so lange von dir begleitet wurde und einige Zeit sogar in England sein konnte! Viel Glück und vor allem Spaß weiterhin- wir werden dich vermissen…. „

Julia Krajewski (Championatskader)

„Lieber Chris, ich möchte dir insbesondere dafür danken, dass du immer offen, loyal, unglaublich geduldig und für jeden ansprechbar warst. Dir war ‚die gemeinsame Sache‘ immer wichtiger als persönliche Befindlichkeiten und damit bist du mir ein großes Vorbild! Du bist einer der nettesten Menschen die ich kenne und hast uns nicht nur reiterlich sehr geprägt.“

Claas Romeike (B-Kader erweiterte Weltspitze)

„Chris habe ich eine ganze Zeit erlebt, erst als Begleiter auf Turnier und dann selber als Schüler! Ich habe nie über eine längere Zeit mit ihm trainiert, aber die kleinen Tipps die er für jeden auf dem Turnier hatte, haben mich weitergebracht. Ich hatte das Glück Anfang 2016 einige Wochen in England im YRC zu trainieren und Prüfungen zu reiten, eine tolle Möglichkeit auch für die kommenden Nachwuchsleute. Seine Entscheidung den Verband zu wechseln kann ich aber komplett nachvollziehen und finde es auch sehr richtig, dass er etwas anderes machen möchte. Ich wünsche ihm alles Gute dafür!“

Nicolai Aldinger (B-Kader)

„Ich habe sehr viel von Chris gelernt , egal ob es in der Dressur war, im Gelände oder beim Springen. In jeder Disziplin hat er seine Idee und gibt super Tipps . Ganz besonders hat mich gefreut, dass er sich, als ich zum ersten Mal in England zum Turnier war, um mich gekümmert hat und mich super betreut hat obwohl ich damals kein Kader-Mitglied war. Danke, Chris!“

Stephanie Böhe (B-Kader erweiterte Weltspitze)

„Chris hat einfach so eine unglaublich tolle Einstellung zu dem Sport und dem Partner Pferd, was unglaublich viel ausmacht. Dass man nur als Team erreichen kann, was man sich vornimmt, hat er mir mit auf den Weg gegeben. Er legt unheimlich viel Wert auf den Sitz im Gelände und die feine Einwirkung, wie sonst kaum einer.
Bügel kürzer, Unterschenkel vorne Oberkörper hinten lassen, von außen und mit deinem Auge und Gewicht wenden- eigentlich voll einfach…im Training immer wieder einen Überraschungsmoment einbauen um das Pferd mit dem Kopf bei sich zu haben..,Chris hat das immer wieder abgefragt und am Ende sind es die Kleinigkeiten, die er einem mit auf den Weg gibt, die so viel -egal bei welchem Pferd- verändern .
Seine Art und seine positive Einstellung wird echt fehlen, aber ich wünsche ihm alles erdenklich Gute und hoffe trotzdem noch den einen oder anderen Rat mitnehmen zu können.

Hinrich Romeike (Doppel-Olympiasieger 2008)

Ich möchte mich bei Chris ganz besonders bedanken für seine ganz charakteristische Art, zunächst einmal zuzuhören, zu beobachten, und den Reiter ernst zu nehmen. Und das Pferd ebenso! Dem Reiter Verantwortung zu geben…und dem Pferd ebenso! Und dann beiden zusammen Raum zu geben, sich zu entfalten. Pferdemann durch und durch! Ich habe nie erlebt, dass er versucht hätte, sein immenses Wissen in Form von Handlungsanweisungen bzw Pflichtübungen für die Reiter durchzusetzen. Der entscheidende Tipp, der Querverweis der zum Denken und zum Überdenken der eigenen Routine anregt, das ist Chris Bartle! Ein System welches funktioniert ist für ihn ein gutes System, auch wenn es nicht sein eigenes ist. Ich glaube sein System ist es, die Erfolgsgeheimnisse der Anderen zu erfassen und zu verstehen. Unglaubliche Härte gegen sich selbst (Chris ist nie krank, ist nie müde, hat nie Zahnschmerzen oder bloß eine Blase am Fuß) und trotzdem jedes Verständnis für die Schwächen seiner Reiter. Ein Glücksfall für den deutschen Reitsport – und besonders für mich!