CCI4* Lexington – Gegenwart und Geschichte

von Dr. Hans G. Stürmann

An dem 18. CCI4* Lexington vom 23. bis 26. April 2015 werden im Kentucky Horse Park, dem Zentrum der US Thoroughbred Industry, zum dritten Mal auch deutsche Reiter teilnehmen.

Unter den 75 Nennungen aus acht Nationen stehen für Deutschland Michael Jung mit dem 15jährigen Olympia- und WM-Sieger La Biosthetique Sam FBW und der zehnjährigen WM-Zweiten fischerRocana FST sowie Andreas Dibowski, mit dem 12jährigen FRH Butts Avedon zuletzt Zweiter im CCI4* Pau 2014.

Den ersten deutschen Sieg in dem seit 1998 ausgetragenen CCI4* Lexington verfehlte Bettina Hoy mit Ringwood Cockatoo 2009 nur knapp, als sie hinter der Australierin Lucinda Fredericks/Headley Britannia auf den zweiten Rang ritt. Zudem war Peter Thomsen mit The Ghost of Hamish nach einer Verweigerung im Cross auf den 24. Platz unter 49 Startern aus neun Nationen gekommen. Als erster Deutscher hatte zuvor Kai Rüder/Edward 2006 an dem einzigen amerikanischen CCI4* teilgenommen, war im Gelände aber unglücklich ausgeschieden.

US-Reiter und Briten bisher in den CCI4* am erfolgreichsten

In den bisher im Bluegrass County ausgetragenen 17 CCI4* konnten die heimischen US-Reiter sechs Siege verbuchen, dabei zuletzt 2008 mit dem zur US-Bürgerschaft gewechselten Australier Phillip Dutton. Die jedes Jahr in Lexington vertretenen Briten kamen bisher auf fünf Siege. Ihre Siegesserie von 2010 bis 2014 wurde dabei nur 2013 von dem Neuseeländer Andrew Nicholson durchbrochen, dessen Nation und Australien derzeit je drei Siege verzeichnen. Mit jeweils drei Siegen bisher am erfolgreichsten sind die US-Reiterin Kim Severson (2002, 2004, 2005) und der Brite William Fox-Pitt (2010, 2012, 2014).

Deutsche Erfolg bei den Weltmeisterschaften 1978 und 2010

Erfolgreicher als in den CCI4* waren deutsche Reiter bei den in Lexington ausgetragenen beiden Weltmeisterschaften 1978 und 2010.
1978, dem Einweihungsjahr des für die WM neu angelegten Kentucky Horse Park, gewann die deutsche Mannschaft mit Helmut Rethemeier/Ladalco (3. EW), Otto Ammermann/Volturno (14.), Harry Klugmann/Veberot (16.) und Herbert Blöcker/Albrant WM-Silber hinter Kanada und vor den USA. Bei dieser WM blieben von 47 Startern aus 12 Nationen nur 24 und von sieben Teams nur drei in der Wertung, da bei hohen Temperaturen und fast 90 Prozent Luftfeuchtigkeit viele Starter ihre Pferde überforderten. Helmut Rethemeiers WM-Einzelbronze verschaffte zudem Luhmühlen nach dem damals geltenden FEI-Reglement die Austragung der folgenden WM 1082.

Danach ging es in Lexington mit nationalen Prüfungen zunächst ruhiger zu. 1981 fand dann neben einer nationalen Advanced Division eine International Invitational Division statt, an der neben zehn US-Startern zehn prominente Starter aus sechs weiteren Nationen auf Leihpferden teilnahmen, darunter auch drei Deutsche. Als beste Ausländer kamen dabei Lucinda Prior-Palmer (später Green), Nils Haagensen, der dänische Europameister von 1979, Rüdiger Schwarz und Mark Phillips auf die Ränge fünf bis acht. Harry Klugmann, Dritter nach dem Cross, wurde im Abschlussspringen eliminiert und Helmut Rethemeier gab im Gelände auf.

An dem ersten CCI 1983 auf heutigem Zwei-Sterne-Level nahm Helmut Rethemeier wieder teil und wurde mit Santiago 26.. 1988 stieg Lexington zum heutigen Drei-Sterne-Level auf und 1998 dann zum CCI4*.

Bei der WM 2010 gewann Michael Jung mit La Biosthetique Sam überlegen Einzelgold vor William Fox-Pitt/Cool Mountain und Andrew Nicholson/Nereo. Das deutsche Team, in dem außer Jung auch Ingrid Klimke/FRH Butts Abraxxas (13.), Andreas Dibowski/Butts Leon (46.) und Dirk Schrade/Gadget de la Cere ritten, kam indessen über den fünften Rang nicht hinaus. Das veranlasste damals Cris Bartle, das Reiten der deutschen Championatsteams im Gelände akribisch vorzubereiten, was bei den folgenden vier Championaten dann stets Gold einbrachte.

Der CCI4* 2015 international stark besetzt

Für die beiden deutschen Starter ist Lexington nach der WM 2010 kein unbekanntes Geläuf mehr. Michael Jung möchte seinen WM-Sieg nun im CCI4* bestätigen und Andreas Dibowski hat „mit dem Kurs noch eine Rechnung offen“.
Dabei werden sie in Kentucky auf starke Konkurrenz treffen. Vorjahressieger William Fox-Pitt hat drei Pferde genannt, von denen er zwei starten darf, und neben ihm reiten in dem britischen Aufgebot u.a. Nicola Wilson mit zwei Pferden sowie Ex-Weltmeisterin Zara Phillips mit High Kingdom. Als weitere Favoriten gelten Tim Price/Wesko aus Neuseeland und William Levett aus Australien. Unter den US-Reitern sind mit Bruce Davidson jun., dem Dritten von 2014, Phillip Dutton, Will Faudree, Sinead Halpin, der Vorjahreszweiten Lauren Kiefer und Erin Sylvester sechs Mitglieder der US World Class List vertreten.

Andreas Dibowski gut platziert im Ranking der Classics-Serie

Da zu diesem dritten CCI4* der Classics-Serie nach Pau und Adelaide nur drei der elf Reiterinnen und Reiter starten, die bereits Ranglistenpunkte aufweisen können, könnte sich Andreas Dibowski, derzeit Dritter mit 12 Punkten, vorläufig an die Spitze dieser Rangliste setzen, da seine beiden Ranglistenkonkurrentinnen aus den USA nur fünf bzw. zwei Punkte aufweisen und der Sieger in Lexington lediglich 15 Punkte erhält.

Hohe Preisgelder

Die Veranstalter des CCI4* Lexington haben dieses Jahr die Preisgelder von 250.000 auf 300.000 US-Dollar heraufgesetzt, wovon der Sieger 100.000 US-Dollar erhält, mithin fast soviel, wie der CCI4* Luhmühlen insgesamt ausschreibt. Zudem erhält jeder Teilnehmer, der zur Geländeprüfung antritt, eine Transportkostenerstattung von 500 US-Dollar.

Zusätzlich werden an die drei oder vier besten Mannschaften weitere 20.000 US-Dollar vergeben. Diesen 2014 erstmals ausgeschriebenen Team Challenge gewannen letztes Jahr die USA vor Großbritannien und Kanada. Diese drei Nationen werden auch 2015 wieder eine Mannschaft mit drei oder vier Reitern stellen.

Der Horse Park bietet vieles

Zwischen 60.000 und 70.000 Besuchern werden Ende April zu dem CCI4* erwartet. Auf dem Gelände des knapp fünf Quadratkilometer umfassenden Horse Parks, für den dieses Jahr insgesamt 96 verschiedene Veranstaltungen vom Pferdesport bis zum Konzert notiert sind, findet gleichzeitig mit dem CCI4* der mit 120.000 US-Dollar dotierte Kentucky Reining Cup statt, in dessen Rahmen zudem die World Freestyle Championship ausgetragen wird. Ein Shopping Village mit gut 200 Ausstellern rundet für Zuschauer das Programm ab, zu dem auch ein Besuch des höchst vielseitigen Internationalen Pferdemuseums gehören sollte. Darüber hinaus gibt es vieles rund ums Pferd und seine Rassen zu erleben, denn der Horse Park mit seinen zahlreichen Attraktionen ist „man’s relationship with the horse“ gewidmet.