CCI4* Badminton – seit 1949 Vielseitigkeitsgeschichte pur

von Dr. Hans G. Stürmann

Vom 6. bis 10. Mai 2015 werden vier Deutsche unter den 85 Startern des CCI4* Badminton sein, der ältesten, traditionsreichsten, best dotierten und wohl auch schwersten internationalen Vielseitigkeit weltweit.

Es ist vornehmlich Badminton zu verdanken, dass die Vielseitigkeit in Großbritannien zu einem überaus erfolgreichen und beliebten zivilen Reitsport geworden ist: Als unverzichtbarer Impulsgeber national ebenso wie auch international.

Die olympische Vielseitigkeit 1948 begeistert die Briten für diesen Sport

Bis zu der olympischen Vielseitigkeit 1948 in Aldershot südwestlich von London war dieser Reitsport den Briten fast unbekannt geblieben, denn für diese bis dahin weitestgehend dem Militär vorbehaltene Disziplin hatten sich nur wenige britische Offiziere interessiert.

Zwar schied das britische Offiziersteam 1948 ebenso aus, wie weitere acht von 14 Mannschaften. Viele Jagd- und Steeplechase-Reiter unter den britischen Zuschauern begeisterten sich nun aber für das Vielseitigkeitsreiten mit seinem Schwerpunkt im Gelände.

Für ihre Hunter mit Stehvermögen und Ausdauer erschien dieser Sport nun als neue Herausforderung. Ebenso wie die ländliche Reiterei in Deutschland entdeckten nun auch die Engländer das Vielseitigkeitsreiten als zivilen Sport.

Besonders begeistert zeigten sich 1948 der damalige Herzog von Beaufort, der als anerkannter Jagdreiter auf seinem Landsitz Badminton selber eine Meute unterhielt, sowie sein Nachbar Colonel Trevor Horn. Mit ihnen begann damals Badminton als Zwei-Mann-Geschichte: „Trevor baute die Hindernisse und ich besaß einen wirklich brillanten Hunter. Wir pflegten die obersten Stangen verstellbar aufzulegen und ich sprang dann das Hindernis. Wenn das Pferd es gut machte, entschieden wir, dass es brauchbar für einen Three Day Event war und machten weiter“, so damals der Herzog.

Im April 1949 begann in Badminton die Vielseitigkeitsgeschichte

Bereits im April 1949 fand der erste Three Day Event in dem herzoglichen Park von Badminton mit einer damals geradezu „revolutionären“ Ausschreibung statt: „Open to British subjects, amateurs and professionals, men or women over the age of 17 years…members of H.M. forces, serving or on the reserve, at home or overseas”. Zunächst war dieser jährliche Event nur als vorläufige Angelegenheit gedacht, um bis 1951 britische Reiter und Pferde für die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki zu finden und zu trainieren. Von 20 britischen Startern, darunter fünf Amazonen, und zwei irische Gästen kamen 13 in die Wertung. 1951 wurde Badminton, anfangs noch oft mit dem gleichnamigen Federballspiel verwechselt, dann international, „open to the world“. Sogleich erlebten die Briten, die sich bis dahin nur wenig mit den “Zirkus-Tricks” der Dressur befaßt hatten und ganz auf das Galoppier- und Springvermögen ihrer Hunter bauten, eine herbe Enttäuschung. Vom Kontinent angereiste Schweizer belegten mit ihren dressurmäßig gut ausgebildeten Pferden die Plätze eins, vier, sechs sowie neun, und ein Holländer schob sich zudem noch auf den dritten Rang. Dieses ernüchternde Ergebnis verhalf den Briten frühzeitig zu der Erkenntnis, dass ein internationaler Standard ohne grundlegende Verbesserungen in der Dressur kaum zu erreichen war.

Europameisterschaften 1953 und 1955 in Badminton

Der Erfolg zeigte sich schon 1953, als in Badminton die erste Europameisterschaft mit 40 Startern aus fünf Nationen, unter ihnen 27 (!) Briten, ausgetragen wurde. Die Briten gewannen beide Titel und nur ihr Team blieb in der Wertung.

Nach Basel 1954 war Badminton 1955 erneut Gastgeber der dritten EM. die nun und bisher einmalig auf Wunsch der jungen Königin Elisabeth II in den Park von Windsor ausgelagert wurde. Zum drittenmal in Folge gewannen die Briten beide Titel. Von den beiden deutschen Einzelreitern kam Otto Rothe mit Trux von Kamax, die 1952 in Helsinki, wo die Briten erneut gescheitert waren, zu dem deutschen Silberteam gehört hatten, auf den fünften Rang. Max Huck wurde 25. unter 53 Startern aus neun Nationen.

Britische Erfolgsserie bis 1993

Die neunten Badminton Horse Trials 1957 gewann erstmals eine Amazone: Sheila Willcox/High and Mighty, die im gleichen Jahr erste Europameisterin wurde und Badminton danach 1958 sowie 1959 erneut gewann.

Bis 1993 blieben die Siege in Badminton weiterhin vornehmlich den britischen Gastgebern vorbehalten. Unterbrochen wurde diese Serie nur 1960 und 1961 von den Australiern Bill Roycroft und Laurie Morgan sowie 1965 von dem Iren Eddy Boylan und 198o von dem späteren zweimaligen Olympiasieger Mark Todd aus Neuseeland. Am erfolgreichste erwiesen sich in diesen Jahren Lucinda Prior-Palmer (später Green) mit sechs Siegen zwischen 1973 und 1984 sowie Mark Phillips mit vier Siegen zwischen 1971 und 1981.

Frank Weldons Geländekurse bringen Weltgeltung

In dieser Zeit verschaffte Colonel Frank W.C. Weldon Badminton den unangefochtenen ersten Platz unter den internationalen Vielseitigkeitsveranstaltern weltweit. Von 1965 bis 1988 entwarf Frank Weldon, Europameister 1955, Badmintonsieger 1956 sowie Mannschaftsolympiasieger 1956, die Geländestrecken nach dem Motto: „Meine Hindernisse sollen die Reiter erschrecken, die Pferde aber nicht verletzen“ und mit der Fausregel: Je ein Drittel der Starter an den Hindernissen ohne Fehler bzw. mit Fehlern bzw. gescheitert.

Seit 1994 wird die internationale Konkurrenz stärker

Seit den Siegen von Mark Todd 1994 und 1996 sowie der US-Reiter Bruce Davidson 1995 und David O’Connor 1997 zeigte sich die internationale Konkurrenz aus den USA, Neuseeland sowie Australien zunehmend erfolgreicher. So konnte Oliver Townend 2009 den bisher letzten britischen Sieg feiern. Danach wurde die Trophy an die Australier Paul Tapner (2010) und Sam Griffiths (2014) sowie die Neuseeländer Mark Todd (2011) und Jonathan Paget (2013) überreicht.

Bisher 13 deutsche Ränge unter den Top Ten

In den bisher ausgetragenen 60 Badminton Horse Trial (fünfmal musste der Event „cancelled“ werden, so zuletzt 2012) waren seit der EM 1955 insgesamt 26mal deutsche Reiterinnen und Reiter am Start, darunter 1967 sieben Teilnehmer aus der damaligen DDR, von denen aber nur einer auf Rang 29 unter die 31 Ankommer kam.

Zu einem deutschen Sieg reichte es bisher noch nicht, aber 13 Ränge unter den Top Ten gab es zu feiern.

Die besten Ergebnisse erzielten dabei mit zweiten Rängen Andreas Dibowski 2007 und 2010, Ingrid Klimke 2006 und Michael Jung 2013, der erst am letzten Hindernis des Springparcours den Sieg mit einem Abwurf vergab. Auf den vierten Rang kamen zudem Andreas Dibowski 2002 und Sandra Auffarth 2013. Fünfter wurde Otto Rothe bei der EM 1955, Sechste Claus Erhorn 1985 und Hinrich Romeike 2007. Den neunten Rang belegten Karl Schultz 1977, Bettina Hoy 2003 und Marina Köhncke 2011. Zehnter wurde Peter Thomsen 2007. Mit drei Rängen unter den Top Ten sowie einem 13. und 19.Rang ist Andreas Dibowski bei insgesamt acht Starts seit 2000 der erfolgreichste Deutsche in Badminton. Dafür bekam er 2013 als bisher einziger Deutscher die Armada Dish Award (for completing five times) überreicht.

Über 450.000 Euro Preisgelder

Wie im Vorjahr schreibt Badminton mit insgesamt 327.25o Pfund Sterling (ca. 455.000

Euro) die weltweit höchsten Preisgelder in der Vielseitigkeit aus. Davon erhält der Sieger 80.000 Pfund (ca. 111.000 Euro) und der 20. immerhin noch 2.000 Pfund bei einem Nenngeld von 425 Pfund incl. Pferdebox (Luhmühlen: 350 Euro). Als Kostenerstattung zahlt Badminton 750 Pfund jedem Pferdebesitzer, dessen Pferd den CCI4* beendet und kein Preisgeld gewinnt. Weitere 75o Pfund erhält jeder Pferdebesitzer, dessen Pferd von einem ausländischen Reiter geritten wird und das erst nach dem 1. Januar 2015 nach Großbritannien gekommen ist. Zudem bekommt jeder Groom 200 Pfund, wenn das von ihm/ihr betreute Pferd im Cross gestartet wird.

Die Strecke und das Starterfeld

Die Geländestrecke mit 46 Sprüngen in 31 Hindernissen oder Komplexen wird zum zweiten Mal von dem Italiener Giuseppe della Chiesa entworfen und verläuft gegenüber dem Vorjahr mit vier Wasserstellen in umgekehrter Richtung. Die erste Strecke des Italieners war 2014 bei ungünstigen Wetterbedingungen als „twisty“ kritisiert worden und musste 43 Ausfälle verzeichnen.

Dieses Jahr werden in Badminton Starter aus elf Nationen erwartet. Darunter sind Ingrid Klimke/Hale Bob, Bettina Hoy/Designer sowie der hochtalentierte Nachwuchsreiter Niklas Bschorrer/Tom Tom Go.

Zu den Favoriten zählen neben dem Briten William Fox-Pitt, der Badminton bisher nur 2004 gewinnen konnte, Pippa Funnell, Zara Phillips, Izzy Taylor und Nicola Wilson. Für Australien werden u.a. Sam Griffiths, Paul Tapner und Andrew Hoy sowie für Neuseeland u.a. Andrew Nicholson, Jonathan Paget, Mark Todd und die Eheleute Tim und Jonelle Price erwartet. Als einziger Franzose ist nach mehreren Absagen nur Pascal Leroy mit seinem WM-Pferd Minos de Petra angesagt. Aus den Niederlanden haben u.a. die WM-Reiter Tim Lips und Merel Blom sowie aus Schweden Dag Albert genannt.