Bettina Hoy- 36 Jahre Championatskader

Am 28. März teilte Bettina Hoy ihren Rücktritt aus dem Championatskader mit. 36 Jahre gehörte sie diesem Kader an, 3,5 Jahrzehnte in denen sie im Spitzensport mitreiten und Deutschland mehrfach bei Championaten erfolgreich vertreten konnte.

Im letzten Jahr konnte Bettina Hoy noch einmal zeigen, dass man immer mit ihr rechnen muss: Im Sattel von Seigneur Medicott sicherte sie sich zum vierten Mal in ihrer langen Karriere die Schärpe und damit den Deutschen Meister Titel. Die hochkarätig besetzte CIC3* Prüfung in Luhmühlen zu gewinnen war noch einmal etwas ganz besonderes. Zudem sicherte ihr dies zum zehnten Mal den Platz im Championatsteam für die Europameisterschaften.

Bei Championaten die deutschen Farben vertreten- das konnte Bettina in ihrer Laufbahn insgesamt 18 Mal! Mit der Teilnahme an drei olympischen Spielen, fünf Welt- und zehn Europameisterschaften kann sie auf eine bewegte, einmalige Karriere zurückblicken.

Aber nicht nur das, sie setzte in der Vielseitigkeit auch insgesamt Maßstäbe:

Sie ist die erste deutsche Frau, die bei einer Weltmeisterschaft und bei Olympischen Spielen in der Disziplin Vielseitigkeit am Start war, sie ist die erste Frau, die für Deutschland eine Olympische Medaille in der Vielseitigkeit gewonnen hat. Auch wurde ihr der Titel „Dressage Queen“ im Lager der Buschis zugesprochen: Bei den Europameisterschaften ließ sie mit -24,6 die komplette Konkurrenz in der Dressur hinter sich. Seit 2010 gelang es ihr drei Mal in die Top Ten der Dressurergebnisse weltweit zu reiten und hält dabei das Top Ergebnis im 3* Bereich. Doch bereits 2002 zeigte sie bei den Weltreiterspielen in Jerez de la Frontera mit Woodsides Ashby eine top Dressur: -20,8 ! Und ein Jahr später verließ das Paar das Luhmühlener Viereck mit -22,2.

Von 1979 bis 1981 gehörte sie bereits im Nachwuchslager der Junioren und Jungen Reiter dem Bundeskader an, 1982 wurde Bettina dann ins Seniorenlager hochgestuft und gehörte bis zu ihrem Rücktritt dem Championatskader an. Eine einmalige Spitzensportlerin, auf die der deutsche Bundestrainer somit für Championate nicht mehr zurückgreifen kann. In der Pressemeldung der FN erklärte Hans Melzer: „Bettinas Karriere ist einzigartig. Sie zählte über viele Jahre hinweg zu den besten deutschen Vielseitigkeitsreitern und war stets eine wichtige Stütze der Championatsmannschaften. Über ihre Entscheidung bin ich deshalb sicher nicht glücklich und sie ist ihr auch bestimmt nicht leicht gefallen.“

Bettina erklärt, dass sie immer dann gehen wollte, wenn sie noch zur Weltspitze gehört. Sie wird aber weiterhin in ausgesuchten Prüfungen am Start sein.

Sicherlich war ihr beruflicher Werdegang als Trainerin ein wesentlicher Faktor für diese Entscheidung: Während 2017 für sie ein Jahr mit tollen sportlichen Erfolgen war, nahm sie parallel dazu das Amt der niederländischen Nationaltrainerin mit Freude auf. Bettina Hoy widmet sich nun vermehrt dem Traineramt.

Bettina Hoy- Team Niederlande
Bild: www.equipe-foto.de
Strzegom Horse Trials Mai 2017

Kaum ein Sportler hat so viele Höhen und Tiefen in seiner Karriere durchlebt, wie Bettina. Momente, die dies bestens widerspiegeln, zeigten wohl die Olympischen Spiele in Athen…

2004 wurde die bis ins letzte durchtrainierte Vielseitigkeitsreiterin auch außerhalb der Reiterszene so richtig bekannt. Wem klingt es nicht mehr im Ohr? Sie strahlt mit dem Lorbeerkranz geziert in die Kameras, zeigt stolz ihre Olympische Goldmedaille mit den Worten „Papi ich hab Gold!“. Das Drama für und um die Olympiasiegerin der Herzen ist hinreichend bekannt, am grünen Tisch verlor Bettina ihr Einzelgold und die Mannschaft ebenfalls die Goldmedaille. Ein Ereignis, dass Bettina bis heute nicht loslässt und sie in den weiteren 14 Jahren im Olympiakader immer anspornte, weiter zu machen.

Doch schon vor den Olympischen Spielen in Athen war Bettina Hoy in der Vielseitigkeitsszene keine Unbekannte. Schon in den Jahren zuvor und bereits unter ihrem Mädchennamen Overesch erritt sie Titel und Medaillen:

1997 wurde Bettina Hoy die erste deutsche Europameisterin seit 1936 im Sattel des Schimmelwallachs Watermill Stream- den sie übrigens von der Niederländerin Alice Naber-Lozeman übernommen hatte, die heute noch im niederländischen Championatskader reitet. Zuvor gehörte sie schon 1994 zu den deutschen Olympiareitern in Atlanta. 12 Jahre zuvor, 1982, war sie die erste Frau, die für Deutschland an Weltmeisterschaften an den Start ging. Diese fanden in Luhmühlen statt, Bettina wurde 24. Die damals 19 jährige in diesem Jahr vorzeitig in den Kader des Seniorenlagers hochgestuft. Schon ein Jahr später wurde sie 6. bei den Europameisterschaften, 1984 gewann sie mit dem Team die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles und war damit auch die erste deutsche Frau, die eine Olympische Medaille der Vielseitigkeit gewinnen konnte. 1999 gewann Bettina zum ersten Mal den Weltcup. 2002 folgte der erste Deutsche Meistertitel, den sie auch 2004 gewinnen konnte. 2004 gehörte Bettina zum dritten Mal zur Olympischen Equipe und gewann dort zunächst Doppelgold- nun gehört ihr der Titel „Olympiasiegerin der Herzen“.

Zu den insgesamt vier Deutschen Meistertiteln kommen noch zwei Bronzemedaillen bei den nationalen Meisterschaften hinzu. Ebenfalls konnte sie zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften gewinnen, mit dem Schimmel Ringwood Cockatoo in den Jahren 2005 und 2007.

Auch der letzte nationale Titel wanderte 2017 mit einer spitzen Dressur auf ihr Konto- Deutsche Meisterin im Sattel des selbst ausgebildeten Seigneur Medicott, „Micky“. Bei den Europameisterschaften konnten sie wiederrum mit einer spitzen Dressur, mit -24,6 die Führung übernehmen.

Auch neben den Championaten konnte Bettina Hoy immer wieder mit anderen Pferden erneut zur Weltelite gehören: So konnte sie mit Ringwood Cockatoo, Woodsides Ashby, Lanfranco TSF und Designer bei den 4* Klassikern in Badminton und Burghley mehrfach in die Top Ten reiten. Die 4* Prüfung in Pau gewann sie 2008 im Sattel von Ringwood Cockatoo, der in Luhmühlen 2005 bei der dort erstmalig ausgetragenen 4* Prüfung ebenfalls als Sieger gefeiert wurde. Übrigens schon damals mit einem top Dressurergebnis von -33,9 das die beiden auch nach dem Gelände und dem Springen nach Hause brachten.

Bettina Hoy war dafür bekannt, nie parallel zahlreiche Sportpferde auszubilden und vorzustellen. Sie blieb immer ihrer Linie treu, nur so viele ausgewählte Pferde im Stall zu haben, sodass sie diese individuell und intensiv trainieren kann.

Auch ist bis heute Ausgleichssport in Bettinas Trainingskonzept vorgesehen. Ob sie mit dem Mountainbike die hügelige 4* Geländestrecke vor Badminton House abfährt oder im Fitnessstudio beim Crosstraining ins Schwitzen kommt- eisern und mit viel Disziplin arbeitet sie für ihre Ziele.

Das verlangt sie auch ihren Schülern ab, deren Erfolge für sich sprechen. Nicht zuletzt gehörte und gehören der Championatsreiter und 4* Sieger Tim Price, dessen Ehefrau Jonelle Price, der mehrfache Badminton Reiter Paul Tapner, der japanische Olympiareiter Yoshiaki Oiwa, die hochtalentierte Nachwuchsreiterin Willa Newton sowie viele weitere, international erfolgreiche Reiter und Reiterinnen zu ihren Schülern.

 

Es ist an der Zeit, danke zu sagen.

Danke Bettina, für 36 Jahre im Championatskader, in denen du immer wieder aufs Neue gekämpft hast, Pferde für Championate ausgebildet und herausgebracht und unter deutscher Fahne an den Start gegangen bist! Es zollt schon großem Respekt, dass du nach der Aberkennung der Olympischen Goldmedaille nicht das Handtuch geschmissen hast.

Deine unverkennbare Art, mit deiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten, hast du bis heute beibehalten- Hochachtung vor deinen Erfolgen in all den Jahren und viel Spaß und Erfolg mit den Oranjes! Natürlich freuen wir uns, dich auch weiterhin noch im Sattel erleben zu können. Aber- sei nicht zu streng mit den Holländern, schließlich möchten deine deutschen Kollegen weiterhin ein paar Medaillen gewinnen…

Bettina HOY (GER) & SEIGNEUR MEDICOTT – Dressage – FEI European Eventing Championships – Strzegom, Poland – 17 August 2017
Photo FEI/Jon Stroud Media

Bettina Hoy- Seigneur Medicott
EM Strzegom 2017
Bild: www.equipe-foto.de

Bettina Hoy und Seigneur Medicott
Sieger der CIC3* und Deutsche Meister 2017
Bild: Ingo Wächter

Seigneur Medicott
Bettina HOY (GER) CIC3*/CCI4* Luhmühlen 2017 Foto: ©AGENTUR datenreiter, Nadine & Lutz Kaiser Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad

Europameisterschaft 2015 Blair Castle Teilprüfung Dressur – Bettina Hoy – Designer / Foto: Ingo Wächter

Europameisterschaft 2015 Blair Castle Teilprüfung Gelände – Bettina Hoy – Designer / Foto: Ingo Wächter

Bettina Hoy- Lanfranco TSF / Bild: Julia Rau

Luhmühlen 2016 / Designer 10
Bettina HOY (GER) / Informationen: ©AGENTUR datenreiter, Nadine & Lutz Kaiser Triefenbergweg 2a 65388 Schlangenbad

CHIO Aachen 2016 / CICO3* Seigneur Medicott Bettina HOY (GER) Informationen: ©AGENTUR datenreiter, Nadine & Lutz Kaiser

Bild: Kerstin Hoffmann www.eventing-art.com
Bettina Hoy- Seigneur Medicott