Ausblick EM- Teil 3: Julia Krajewski auf dem Weg zur EM

Julia Krajewski wurde im letzten Jahr im Austausch für Andreas Ostholt kurzfristig vor Ort in Rio in die deutsche Equipe bei den Olympischen Spielen berufen. Nach tollen Vorerfolgen misslang die Championatspremiere auf großer Bühne dann leider. (Bereits 2011 war Julia mit After the Battle bei den Europameisterschaften in Luhmühlen am Start, bei denen sich „Buddy“ eine schlimme Sehnenverletzung zuzog, die sein Karriere-Aus bedeuteten.)

Doch Julia wusste mit dem Sieg im CCI3* in Strzegom, einigen Erfolgen in Nationenpreisen und nicht zuletzt mit dem 4* Sieg in Luhmühlen sportlich zu antworten und sich zurückzukämpfen. Mit Samourai du Thot und Chipmunk FRH hat sie gleich zwei Eisen im Feuer, die für das kommende Championat nominiert sind.

Nun stehen die Europameisterschaften an, wir konnten netterweise ein Interview mit Julia zu ihren Gedanken rund um Rio und die EM führen.

 

 

Julia, deine zweiten Europameisterschaften im Seniorenlager stehen bevor- im Nachwuchsbereich warst du allerdings auch schon 5 mal bei einer EM am Start und konntest drei Mal Einzelsilber gewinnen. Was sind deine Ziele für die kommende EM?

Wo du gerade die Erfolge im Nachwuchsbereich ansprichst- das war wirklich eine tolle Zeit. Ich muss aber auch ganz klar sagen, dass ich schnell lernen musste, dass das Seniorenlager eine andere Welt ist. Anfangs dachte ich, das sei einfach auf höherem Level zu reproduzieren, aber es war alles andere als das. Vor mittlerweile 8 Jahren habe ich mein letztes Championat als Junge Reiterin geritten- es brauchte dann doch einige Jahre, um im 3* und 4* Bereich Fuß zu fassen. Mit meinen Pferden After the Battle, Lost Prophecy und London Return OLD habe ich auf dem Weg dahin viel gelernt und ich möchte die Zeit nicht missen. Aber auch pferdetechnisch hat in dieser Zeit für mich eine große Entwicklung stattgefunden. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür, nun zwei so qualitätsvolle Pferde (Samourai du Thot und Chipmunk FRH) reiten zu dürfen, die topfit sind, und mit denen ich vom Alter und Ausbildungsstand auch in der Lage bin, in 3* und 4* Prüfungen ganz vorn mitmischen zu können.

Dabei sind Endergebnisse zwar nicht immer ausschlaggebend, aber sein FEI-record zeigt, was Sam für ein konstantes Pferd geworden ist: Mit Ausnahme von Rio konnte er seit Beginn der Saison 2015 jede Prüfung unter den top 5 beenden. (Anm.d.Red.: in Aachen 2016 und Münster 2016 zog Julia ihn vor dem Gelände zurück). Diese Konstanz würde ich auch gerne beim Championat zeigen. Es wäre schön, wenn wir in Strzegom das bestmögliche abliefern können, was in uns steckt. Die Dressur soll in unserem Rahmen gut sein, das Gelände natürlich möglichst fehlerfrei. Im Springen kann Sam auch immer null bleiben, da hoffe ich auch, dass uns das gelingt. Was dann am Ende dabei rumkommt, sehen wir dann. Wenn ich fürs Team reiten darf, würde ich natürlich gerne ein gutes Ergebnis für eine Medaille beisteuern.

 

Die Olympischen Spiele in Rio sind sicher nicht spurlos an dir vorbeigegangen. Doch deine folgenden, großen sportlichen Erfolge waren deine Art zu antworten. Was ist in diesem Jahr für dich anders?

Anders als im Vorfeld zu Rio ist in jedem Fall, dass diese Saison bereits von Anfang an mit dem Fokus auf die EM stand. Das war in Rio ja alles etwas anders, es hat sich durch das gute 4* Debüt in Luhmühlen so ergeben. Rio war dann gleich die erste Prüfung nach unserer ersten 4* Prüfung, das war alles nicht so ideal. Ich muss im Nachhinein sagen, die Zeit in und nach Rio hat mit auf allen Ebenen die Augen geöffnet. Sportlich musste ich das natürlich alles mit mir und meinem Sam ausmachen. Aber auch zwischenmenschlich habe ich viel mitgenommen, auch wenn ich erst Zeit für mich gebraucht habe, um erstmal alles sacken zu lassen. Natürlich blieb es auch nicht aus, dass ich aufgrund des sportlichen Misserfolges an mir selber gezweifelt habe. Dank meines Umfeldes (Familie, Freunde, Trainer) und auch weil Sam schnell wieder ‚der Alte‘ war, habe ich dann aber bald wieder nach vorn geschaut und einen Plan gemacht, wie es weitergehen soll.

Daraus ist dann entstanden, Sam im Oktober noch einmal in einer 2* Prüfung in Strzegom zu starten (Anm.d.Red.: die er dann auch gewonnen hat). Auch dieses Jahr habe ich ihn erst einmal noch zwei Prüfungen 2* geritten, in denen ich gemerkt habe, wir haben unser Selbstvertrauen zurückgewonnen und sind ein gutes Team. Mein Schluss aus Rio war mit Sicherheit, dass Sam ein grundvorsichtiges Pferd ist, der immer genug Selbstvertrauen und Spaß am Sport haben muss. Deshalb habe ich ihn in diesem Jahr auch bewusst nach der 4* in Luhmühlen letzte Woche in Tongeren noch einmal 2* geritten (Anm.d.Red.: die Sam im Übrigen auch für sich entschied). Ich habe ein super Gefühl, Sam ist in diesem Jahr nochmal ein Jahr älter und gereifter, stärker und konditionell hat er auch nochmal einen Schub gemacht. Wir sind in diesem Jahr bewusst auch nach England und nach Sopot gefahren, um nochmal auf Turnieren zu starten, die er bisher nicht kannte. Alles in allem glaube ich, wir sind gut vorbereitet. Ob der Plan aufgeht, sehen wir dann übernächste Woche..

 

Nun bist du auch als Bundestrainerin der Junioren tätig und hast diese mehr als erfolgreich zur Euro vorbereitet und begleitet. Hast du aus dieser Tätigkeit auch für deine eigene Vorbereitung etwas Neues mitnehmen können?

Für meine eigene Vorbereitung hat das Traineramt nicht viel verändert. Allerdings habe ich einen ganz anderen Blick auf die Dinge bekommen. Ich habe noch einmal intensiv gesehen, wie wichtig es ist, dass die Reiter, die Trainer und der ganze Betreuerstab (Pfleger, Hufschmied, Physios etc) vertrauensvoll und Hand in Hand arbeiten. Es ist schon eine große Aufgabe, als Trainer sechs Reiter und Pferde auf den Punkt perfekt vorzubereiten. Das ist natürlich einfacher, je besser man sich kennt. Es macht viel Spaß, eine Taktik für alle Reiter aufzustellen. Aber bei der Nominierung (bzw. auch nicht-Nominierung) und der Mannschaftsaufstellung habe ich dann doch auch mein Verständnis für die Arbeit der Bundestrainer deutlich vergrößert- das ist wirklich nicht immer einfach. Man möchte natürlich möglichst kalkulierbare Ergebnisse auf einem Championat haben,- aber das immer abzuwägen ist eben eine große Kunst.

 

Du hast neben Sam auch noch mit Chipmunk ein heißes Eisen im Feuer. Wie bereitest du die beiden vor und was sprach für Sam als erste Wahl?

Chip ist genauso im Training wie Sam, sodass die beiden jederzeit ausgetauscht werden könnten, wenn irgendwas bei Sam dazwischenkommt. Chipmunk ist in guter Form, seine Alternativprüfung ist die CCI3* Prüfung in Blenheim, sodass er dann auch nicht unnötig auftrainiert wird.

Sam ist einfach 2 Jahre älter und erfahrener als Chipmunk. Er ist mehr Prüfungen gegangen und schon konstanter als Chip. Da ist es wieder, was wir eben beim Trainerjob ansprachen: er ist da schon etwas sicherer- sein Ergebnis ist etwas kalkulierbarer. Ich glaube im Einzelergebnis würden die beiden sich nicht viel tun. Chip hat viel Potential und in guter Form, wenn ich auf ihn zurückgreifen müsste, würde ich dies mit einem guten Gefühl tun und ebenfalls guter Dinge nach Strzegom reisen.

 

Wer wird dich zur EM begleiten?

Als Pfleger für Sam wird Christoph Fingerhut uns begleiten. Mein Freund Christoph Wahler und unser gemeinsamer Freund Wilhelm Dumrath kommen nach.