Aktuelles zum Stand um die positive Medikationsprobe von Samourai du Thot

Wichtige Änderungen auch für die Vielseitigkeit im internationalen Bereich beschlossen
25. November 2017

Aktuelles zum Stand um die positive Medikationsprobe von Samourai du Thot

Gestern lief nun die 21 tägige Frist aus, die Julia Krajewski seitens der FEI hatte, um vor das Tribunal zu treten.

Ihr Samourai du Thot war bei der EM in Strzegom positiv auf den Wirkstoff Firocobix getestet worden, vor 21 Tagen kam die Meldung, das auch die B-Probe positiv sei. Die deutsche Mannschaft muss ihre Team-Silbermedaille an Schweden abgeben.

Wie geht es nun weiter? Julia Krajewski gibt selber ein Update um ihren Fall:

„Drei Wochen ist es jetzt her, dass uns die B-Probe Gewissheit über die positive Medikationskontrolle von Sam in Strzegom gegeben hat und uns erschüttert und ratlos zurückließ.

Erst einmal möchte ich auf diesem Weg sagen, dass mich die zahlreichen wohlgesinnten Rückmeldungen zu diesem Thema überwältigt haben. Ich möchte mich vor allem bei all denjenigen bedanken, die mir Hilfe und Unterstützung angeboten haben und trotz allem weiter hinter mir stehen. Das hat mich motiviert, nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn ich häufig kurz vor der Verzweiflung stand.

Das FEI Reglement sieht für meinen Fall zwei Möglichkeiten vor: Zum einen eine Verwaltungsstrafe zu akzeptieren, diese wirkt allerdings wie eine Vorstrafe bei der FEI, zum anderen den Gang vor das FEI-Tribunal anzutreten. Dort könnte ich entweder freigesprochen oder zu einer maximal 6-monatigen Sperre (diese gilt dann auch für Trainertätigkeiten) verurteilt werden. Der Reiter gilt immer als verantwortliche Person für das Pferd, und das Reglement ist sehr klar: Für einen Freispruch reicht es nicht aus, die eigene Unschuld glaubhaft darzulegen, zu allererst muss die Frage beantwortet werden wie die Substanz Firocoxib in mein Pferd gelangt ist. Gelingt dies nicht, ist mit einer Verurteilung und Sperre zu rechnen. Selbstverständlich war es mein oberstes Ziel, genügend Beweise finden und liefern zu können, um einen Freispruch zu erwirken und meine bisher weiße Weste zu behalten.

Wie sah meine Recherche aus?
Ich habe zwei erfahrene Experten aus England, einen Toxikologen und einen Fachanwalt, hinzugezogen, welche mich in meiner Vorgehensweise beraten haben. Wir haben alle Abläufe rund um Sam zwischen dem 3. und dem 20. August nachvollzogen, um uns einen vollständigen Überblick über Trainingsinhalte, Futtermittel sowie Zusatzfuttermittel, seine Aufenthaltsorte und die jeweils zuständigen Personen vor Ort zu verschaffen. In diesem Zusammenhang haben wir diverse Futtermittel auf Firocoxib testen lassen, allesamt negativ. Des Weiteren wurden die Gegebenheiten und die teaminternen Abläufe während des Championats rekonstruiert und überprüft. Die uns zugänglichen Blutproben wurden weiter analysiert, ohne aufschlussreiche Ergebnisse. Und ich habe mit unseren Gastgebern im Trainingslager und mit dem zuständigen FEI-Steward gesprochen. Der Vollständigkeit halber haben wir die Listen der nächtlichen Stallwache angefordert, in die sich jeder eintragen musste, der nach 22:00 Uhr den Stallbereich betreten wollte. Allerdings konnten uns diese Listen seitens des zuständigen Stewards nicht mehr vorgelegt werden. Da der Stallbereich in Strzegom aber ohnehin nicht vollständig umzäunt war, war es ohne weiteres möglich, diesen Bereich unbemerkt zu betreten, und damit ohne sich am Eingang eingetragen zu haben.
Um Fehler unsererseits auszuschließen, wurden alle Tierarztrechnungen meiner Pferde der vergangenen Jahre kontrolliert. Equioxx oder Previcox, die einzigen beiden Medikamente, in denen Firocoxib enthalten ist, tauchen nirgendwo auf. Eine Kontamination durch Urin (Hund und Mensch) lässt sich mittlerweile auch mit Sicherheit ausschließen. Bestätigen lassen sich weiterhin die Erkenntnisse, dass die Aufnahme der Substanz nur über die Medikamente Previcox oder Equioxx erfolgt sein kann, und zwar zu einem Zeitpunkt zwischen der Dressur und dem Gelände auf der Europameisterschaft.
Alle Ergebnisse dieser Recherche haben bestätigt, dass ich einen Fehler in meinem eigenen Stallmanagement mit Gewissheit ausschließen kann. Weder ich noch eine der Personen aus unserem direkten Umfeld haben Sam, wissentlich oder unwissentlich, eines dieser Medikamente verabreicht.

Nach Ablauf der durch die FEI gesetzten Frist am 30.11.2017, muss ich mir nun leider eingestehen, mein Ziel „Freispruch“ nicht erreichen zu können. Die Erkenntnisse, welche wir bis hierhin gesammelt haben, reichen für den Gang vor das FEI-Tribunal nicht aus. Deshalb akzeptiere ich die Verwaltungsstrafe. Für die FEI ist der Fall damit abgeschlossen, für mich persönlich aber nicht. Ich muss mir überlegen, was dieser Fall für meine Zukunft bedeutet. Die Ungewissheit darüber, was mit Sam wirklich passiert ist, belastet mich sehr. Das Wohlergehen meiner Pferde ist für mich die oberste Priorität und ich muss alles daransetzen, dass so etwas künftig nicht wieder passieren kann. Daher werde ich mich in den nächsten Monaten damit auseinandersetzen, wie ich einen möglichst umfassenden Schutz zu Hause und auf Turnieren sicherstellen kann.

Ich habe mich in den letzten Wochen auch gefragt, ob und wie ich für mich, aufgrund meiner aktuellen Situation, in diesem Sport eine Zukunft sehe. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen Sport vor allem deshalb betreibe, weil er mir unheimlich viel Spaß macht und die Leistungen, welche ich mit meinen Pferden gemeinsam erbringe, mir ein unvergleichliches Gefühl von Partnerschaft und Zufriedenheit bereiten. Die Arbeit mit meinen Pferden war in den vergangenen Wochen das einzige, wobei ich den Kopf frei kriegen und wieder Kraft tanken konnte. Den Glauben an Fairness und Kameradschaft in unserem Sport möchte ich mir unter allen Umständen bewahren, und die vielen Reaktionen aus der gesamten Vielseitigkeitsfamilie bestärken mich darin. Für mich und meine Pferde beginnt nun die Winterarbeit und damit die Vorbereitung auf die neue Saison. Dies fällt mir zwar noch nicht leicht, aber ich hoffe, nun ein wenig Ruhe dafür zu finden, um dann gestärkt ins neue Jahr gehen zu können.“

 

Dazu gab die FN auch gerade folgende Pressemitteilung aus:

 

Medikation: Julia Krajewski akzeptiert Verwaltungsstrafe
Bisher keine Klärung über Herkunft der gefundenen Substanz

Im Oktober informierte der Weltreiterverband FEI die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) über eine positive Medikationskontrolle, die von Julia Krajewskis Pferd Samourai du Thot stammte und am letzten Tag der Vielseitigkeits-Europameisterschaften in Strzegom (POL) vorgenommen worden war. Bei der gefundenen Substanz handelte es sich um eine „Controlled Medication Substance“, nicht um Doping. Nun hat sich die Reiterin dazu entschieden, eine Verwaltungsstrafe der FEI zu akzeptieren.

Die Verwaltungsstrafe zieht eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Schweizer Franken sowie Verwaltungskosten in Höhe von 2000 Schweizer Franken nach sich, jedoch keine Wettkampfsperre. Der Fall ist für den Weltreiterverband damit abgeschlossen. Krajewski hatte auch die Möglichkeit, vor das FEI-Tribunal zu ziehen. Dort hätte sie jedoch nur die Chance auf einen Freispruch gehabt, wenn sie hätte nachweisen können, wie die Substanz in ihr Pferd gelangt ist und dass sie daran keine Schuld trägt. Selbst ein Freispruch des Tribunals hätte jedoch nichts an dem Vorhandensein der positiven Wettkampfkontrolle, ihrer Disqualifikation und der damit einhergehenden Rückgabe der Team-Silbermedaille geändert. In den vergangenen Wochen hatte Krajewski weiter recherchiert, wie die Substanz Firocoxib in ihr Pferd gelangt sein könnte. Auch das DOKR stellte umfangreiche Nachforschungen an. So wurden unter anderem Krajewski als auch weitere unmittelbar beteiligte Personen eingehend befragt. Bislang konnte keine Klärung herbeigeführt werden.

Auch eine unabhängige Trainingskontrolle der Nationalen Anti-Doping-Agentur wies nach dem Championat Firocoxib im Pferd nach. Da jedoch eine Behandlung mit dieser Substanz im Behandlungsbuch von Samourai du Thot fehlte, zog dies automatisch eine Vertragsstrafe des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) gegen Julia Krajewski nach sich. Über ihre Zukunft als Kaderreiterin und Nachwuchsbundestrainerin wird der Exekutivausschuss des DOKR entscheiden. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Mitgliedern des DOKR-Vorstandes.

Text: fn-press

Julia Krajewski- Samourai du Thot
EM Strzegom 2017
Bild: www.equipe-foto.de